Geschichte:
Die Stadt Rotenburg entstand unterhalb der Burg Rodenberg im Zuge der ludowingischen Städtegründungen um 1180. Gedacht war sie offenbar als Verwaltungssitz und Mittel zur Durchsetzung der ludowingischen Landnahme auf dem Gebiet des Stiftes Hersfeld. Erstmals ausdrücklich als Stadt wird Rotenburg 1248 bezeichnet.
Der Zeitpunkt der Errichtung einer Burg innerhalb der Stadt ist unklar. Es ist möglich, dass schon mit der Stadtgründung eine erste Burg errichtet wurde, doch kann sich die Erwähnung eines "castrum Rotenburg" 1295 noch auf die Burg Rodenberg bezogen haben. Erst 1361 ist mit der Erwähnung eines Burgmanns "zu Rotenburg in der Burg" ihre Existenz eindeutig belegt. 1454 sicherte sie Landgraf Ludwig II. seiner Braut Mechthild von Württemberg im Ehevertrag als Witwensitz zu. Dort verbrachte sie auch die Jahre zwischen Ludwigs Tod 1471 und ihrem eigenen Ableben 1495. In der Folgezeit wurde das Schloss Rotenburg noch mehrfach als Witwensitz vertraglich festgelegt, auch wenn die Landgrafen ihre Ehefrauen meist überlebten.
Als bedeutendes geschichtliches Ereignis fand in diesem Schlossbau die umstrittene Heirat Philipps des Großmütigen mit Margarete von der Saale im Jahr 1540 statt, wodurch er zum durch Melanchthon abgesegneten Bigamisten wurde. Das durch Landgraf Wilhelm IV. und seinen Nachfolger Moritz bis 1607 neu errichtete Schloss wurde von 1627 bis 1834 Residenz der Nebenlinie der Landgrafen von Hessen-Rotenburg, der sogenannten Rotenburger Quart. Zwischen 1866 und 1933 war das Schloss im Besitz der Linie Hessen-Philippsthal-Barchfeld. Dann wurde es von der Stadt Rotenburg angekauft, es diente in der Folgezeit als Schule des Reichsarbeitsdienstes und zur Unterbringung von Flüchtlingen. Als Schenkung ging es darauf an das Land Hessen, das dort eine Schule für die Finanzverwaltung ansiedelte. (Stefan Eismann)
Bauentwicklung:
Ob eine erste Burg im Stadtgebiet von Rotenburg an der Stelle des späteren Schlosses oder im Süden der Altstadt im Bereich der Burggasse gelegen hat, ist umstritten. Für beide Standorte fehlen eindeutige Indizien. Auf dem Gelände des Schlosses ist aber mit drei Vorgängerbauten zu rechnen. Eine erste Anlage fiel laut einer von Landgraf Moritz 1610 in Auftrag gegebenen Inschrift einem Feuer zu Opfer. Landgraf Ludwig II. (1458–1471) ließ – so die Inschrift weiter - anstelle des durch Feuer zerstörten Schlosses ein neues, wenn auch größtenteils hölzernes Haus bauen. Diese Anlage fiel schon 1478 einem Stadtbrand zu Opfer und wurde sofort danach wiederaufgebaut. Mit dem Bau eines deutlich größeren Schlosses wurde unter Landgraf Wilhelm IV. laut einer Inschrift am Treppenturm im Jahr 1570 begonnen, 1581 war es vollendet. 1603-06 wurden die noch vorhandenen Reste der mittelalterlichen Burg abgerissen und 1607 das neue Schloss schließlich vollendet. Unter den Landgrafen von Hessen-Rotenburg fanden in der 2. Hälfte des 18. und zu Beginn des 19. Jhs. zahlreiche Umbauten statt, dazu gehört die 1764 stattgefundene Umgestaltung des Westflügels im Barockstil. Der Nordflügel entstand nach 1790 als Neubau im nüchternen Empire-Stil. Der Ostflügel wurde 1790 abgebrochen. (Stefan Eismann)
Baubeschreibung:
Die erste Stadtburg ist bisher nicht eindeutig lokalisiert. Entweder stand sie an der Stelle des heutigen Schlosses oder im Südosten der Altstadt im Bereich der Burggasse. Über das Aussehen der Vorgänger des heutigen Schlosses ist wenig bekannt. Die ersten beiden Anlagen scheinen größtenteils aus Holz errichtet worden zu sein.
Das Renaissanceschloss war eine Vierflügelanlage mit je einem Treppenturm in den vier Ecken des Hofes. Die Schlosskapelle lag im Nordflügel, ihre Ausgestaltung war von großer Bedeutung für die Entwicklung des protestantischen Kirchenbaus. Von dieser Schlossanlage weist nur noch der Südflügel mit dem östlichen Treppenturm sein originales Äußeres auf. Im barockisierten, dreigeschossigen Westflügel befindet sich mittig die Durchfahrt in den Innenhof. Der im Empire-Stil gehaltene Nordflügel beherbergt eine repräsentative Bibliothek. Der nicht mehr existente Ostflügel besaß eine Galerie auf der Hofseite. (Stefan Eismann)
Arch-Untersuchung/Funde:
Keine