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Gelnhausen, Pfalz

Geschichte:

Nach heutigem Forschungsstand befand sich auf der Gelnhäuser Kinziginsel spätestens seit dem frühen 12. Jahrhundert die Burg der Grafen von Selbold-Gelnhausen (siehe dort). Die Geschichte der Pfalz Gelnhausen beginnt mit der (Dank eines kaiserlichen Diplomes exakt datierbaren) Gründung der an der wichtigen Fernstraße vom Rhein-Main-Gebiet nach Mitteldeutschland gelegenen Reichsstadt Gelnhausen im Jahre 1170. Im Diplom heißt es ausdrücklich, die neue Stadt liege "apud castrum" Gelnhausen. Bereits vorher, vermutlich nach 1165, hatte Kaiser Friedrich Barbarossa eine Hälfte der älteren Burg (siehe dort) Gelnhausen während des Pontifikats des kaiserfreundlichen Mainzer Erzbischofs Christian von Buch (1165-1183) erwerben können. Die zweite Hälfte ging vermutlich nach 1183 an den Kaiser über.
Über den konkreten Bau der Pfalz liegen dagegen keine archivalischen Nachrichten vor, da sie erst im 13. Jahrhundert urkundlich in Erscheinung tritt. Von daher war die Bauzeit der Pfalz bis ins ausgehende 20. Jahrhundert unter Wissenschaftlern heftig umstritten. Zahlreiche Kunsthistoriker vertraten eine Spätdatierung in die Zeit um 1200 oder sogar später. Nach 1990 fand diese Frage indessen ihre definitive Antwort, da aus dem Bereich des Torturmes mehrere dendrochronologische Befunde aus Gründungspfählen ermittelt werden konnten, von denen der älteste ins Jahr 1169 datiert. Es ist somit nunmehr sicher, dass Pfalz und Reichsstadt gleichaltrig sind und auch die Pfalz zweifelsfrei ein Bau Barbarossas und nicht etwa eines seiner Nachfolger ist. Ein auf "1182" datierter Holzpfahl, der lange Zeit als Beleg für eine Spätdatierung ab etwa 1190 verwendet worden war, stellte sich nach genauer Überprüfung als nicht aussagefähig für die Baugeschichte heraus.
Tatsächlich enden nach 1170 die bis dahin nicht seltenen Aufenthalte des Herrschers in Frankfurt am Main, während jene in Gelnhausen bald darauf einsetzen. Offenbar war die dortige Pfalz bereits nutzbar. 1180 fand in Gelnhausen ein Reichstag des Kaisers statt, bei dem über Heinrich den Löwen geurteilt wurde. 1186 wurde durch den Kaiser in Gelnhausen das "Gelnhausener Privileg" zugunsten der Bürger von Bremen ausgefertigt. Weitere Herrscheraufenthalte, u.a. von Friedrich II., schlossen sich bis zum Ende der Stauferzeit an. Im Oktober 1250 konnte die Pfalz trotz ihres geringen fortifikatorischen Wertes eine Belagerung des Gegenkönigs Wilhelm von Holland abwehren.
Wesentlich zum Verständnis der Pfalz ist ihre Nähe zum Büdinger Wald und zur Burg der Herren von Büdingen. Weiter im Süden grenzte der kaiserliche Wildbann Dreieich an, mit dem ebenfalls von Barbarossa erbauten Palatium in Seligenstadt am Main. Inwieweit die Herren von Büdingen, konkret Hartmann von Büdingen, in Bau und Administration der Pfalz einbezogen waren, muss offen bleiben. Der bis ins 12. Jahrhundert für mittelalterliche Pfalzen fast konstitutive Begriff "Palatium" ist für die Gelnhäuser Pfalz nicht ein einziges Mal überliefert.
Bereits mit dem Ende der Stauferzeit wurde die Pfalz mehr und mehr bedeutungslos, Verpfändungen setzten ein; aus dem 14. Jahrhundert sind erste Nachrichten über den Zerfall der Anlage überliefert (siehe "Bauentwicklung"). Dieser Umstand verhinderte spätmittelalterliche Umbauarbeiten an der Bausubstanz und ist ursächlich für die relativ gute Erhaltung der stauferzeitlichen Bausubstanz. Allein die von Burgmannen besiedelte Vorburg blieb bis 1895 als eigenständige Gemeinde erhalten und ist bis heute als separate Siedlung wahrnehmbar. Als letztes Gebäude der Pfalz wurde die Pfalzkapelle bis ins 19. Jahrhundert instand gehalten. Vereinzelte frühneuzeitliche Bautätigkeit innerhalb der zerfallenden Barbarossapfalz (siehe "Bauentwicklung) ist auf die Burgmannen zurückzuführen, nicht auf die Amtsnachfolger Friedrich Barbarossas.
Die im Eigentum des Landes Hessen befindliche Pfalzruine gilt als die am besten erhaltene staufische Kaiser- bzw. Königspfalz und wird deshalb durch die Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten Hessens betreut. (Thomas Steinmetz)

Bauentwicklung:

Erst seit jüngster Zeit haben wir Gewissheit, dass die Pfalz anstelle der älteren Burg erbaut wurde, die seit dem beginnenden 12. Jahrhundert auf der Kinziginsel gelegen haben muss. Möglicherweise aus der Existenz des Vorgängerbaues erklärt sich das für den Pfalzbau aus statischen Gründen nicht geeignete, da nicht ausreichend tragfähige Baugelände. Aufgrund des frühesten Dendrodatums (1169) ist wohl bereits vor 1170 mit dem Bau der Fundamente bzw. des Pfahlrostes begonnen worden. In Anbetracht des schwierigen Baugeländes ist von einer nicht unbeträchtlichen Bauzeit auszugehen. In den Graben eingerammte Pfähle, die im 20. Jahrhundert archäologisch freigelegt und dendrodatiert werden konnten, sind Indizien, dass bereits während des Baues der Pfalz der Untergrund absackte und dessen Stabilisierung erforderlich wurde. Wie umfangreich diese Probleme waren, ist noch ungeklärt. Auf weitere Ergebnisse von Archäologie und Bauforschung ist diesbezüglich zu hoffen. Möglicherweise war der nicht ausreichend tragfähige Untergrund auch die Ursache, dass der dicke runde Bergfried der Pfalz, dessen konkrete Zeitstellung unsicher ist, unvollendet blieb. Die übrige Bausubstanz der Gründungszeit, allem voran der für die kaiserlich-königliche Herrschaftsausübung unverzichtbare Saalbau bzw. Palas, konnte dagegen allem Anschein nach fertiggestellt werden. Die nach dem Ende der Stauferzeit noch erfolgte Bautätigkeit in der Kaiserpfalz muss als unbedeutend bewertet werden und ist heute kaum noch optisch wahrnehmbar.
Bereits im 14. Jahrhundert setzte der Zerfall der Kaiserpfalz ein; die Burgmannen sahen sich sogar genötigt, ihrem kaiserlichen Herrn schriftlich über den baulichen Niedergang seines "Saales" zu berichten. 1431 wurde der obere Teil des Torturmes aus den gleichen Gründen abgetragen. Ungeachtet dessen errichteten die Burgmannen neue Wohngebäude innerhalb der Pfalz, die an die nördliche Ringmauer angelehnt wurden. Instandgehalten wurde immerhin die Pfalzkapelle, die im 15. oder frühen 16. Jahrhundert ein Dachgeschoss aus Fachwerk mit Krüppelwalmdach erhielt, das bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts existierte. Als 1509 Kaiser Maximilian Gelnhausen besuchte, stieg er bereits in der Stadt und nicht mehr in der Pfalz ab.
Der kunsthistorische Wert der Kaiserpfalz Gelnhausen wurde bereits bald 1800 erkannt, im Jahre 1816 verbot der Kurfürst von Hessen-Kassel den weiteren Abbruch der Ruine. Dennoch sollte weitere Bausubstanz, vornehmlich der Kapelle, verloren gehen. Im späteren 19. Jahrhundert setzten Restaurierungsbemühungen und schließlich auch Ausgrabungen ein. (Thomas Steinmetz)

Baubeschreibung:

Die Pfalz Gelnhausen gilt als die am besten erhaltene stauferzeitliche Kaiser- bzw. Königspfalz. Ihre Bauplastik (Kapitelle, Säulen etc.) besticht durch künstlerisch besonders anspruchsvolle Qualität. Ehemalige spätmittelalterliche Einbauten der Burgmannen sind inzwischen wieder weitgehend verschwunden, weshalb die Ruine heute nahezu vollständig die Schöpfung Barbarossas darstellt. Als einzige der unter Barbarossa erbauten Pfalzen wird sie durch die vermeintlich typisch "staufischen" Buckelquader geprägt, die sich beim Torturm und der auf ganzer Länge erhaltenen Ringmauer finden, teilweise sogar in der inneren Mauerschale.
Der Zugang zur Pfalz, bzw. zur Hauptburg, erfolgte durch eine zweischiffige Torhalle mit Kreuzgewölbe, die heute der einzige vollständig erhaltene Raum der Pfalz ist. Trotz Zweischiffigkeit war nur eine (rundbogige) Toröffnung vorhanden, deren Schmucklosigkeit geradezu auffällt. In der Torhalle werden heute diverse Spolien aus der Pfalz als Lapidarium präsentiert. Über der Torhalle befand sich, wie so häufig in der Stauferzeit, die relativ stark zerstörte Pfalzkapelle, deren Hoffront mit drei rundbogigen Fenstern samt dem Dach erst im 19. Jahrhundert verloren ging. Die Kapelle wird vom Hofniveau aus durch zwei Treppen in der Mauerstärke erschlossen. Südlich an die Torhalle ist der quadratische "Torturm" angebaut, der aufgrund der Nicht-Vollendung des runden Bergfrieds dessen Funktion übernehmen musste und im 15. Jahrhundert aufgrund statischer Probleme im oberen Bereich abgetragen wurde. Heute erreicht der Turm noch 13 m Höhe. Die Anlage wird umschlossen von einer achtfach geknickten Ringmauer mit beidseitiger Buckelquaderverblendung, ehem. von einem Wehrgang bekrönt.
Bedeutendster Repräsentationsbau der Pfalz war der der Torhalle und Pfalzkapelle benachbarte Saalbau („Palas“) mit einem erhabenen Kellergeschoss und zwei Obergeschossen, von denen das Oberste nur noch in geringen Resten nachweisbar ist. Vom ersten Obergeschoss blieben dagegen die fein ornamentierten Arkaden mit Doppelsäulen und -kapitellen erhalten, ebenso der hochgelegene Eingang. Eindrucksvoll ist auch der Kamin. Der Saalbau nahm den für die kaiserliche Herrschaftsausübung unentbehrlichen Saal auf, vermutlich auch Wohnräume. In Anbetracht der starken Zerstörung des Gebäudes wird sich sein Raumprogramm nie mehr exakt rekonstruieren lassen.
Vom unvollendeten runden Bergfried mit dem eindrucksvollen Durchmesser von 15,60 m sind nur wenige, ca. 1 m hohe Steinlagen über dem Gras des Burghofes sichtbar. Es ist nicht sicher, dass dieser Turm in die Gründungszeit der Pfalz gehört. Ebenso könnte er ein Werk des frühen 13. Jahrhunderts sein.
Die Pfalzruine wird komplettiert durch die ehemalige Vorburg bzw. Burgmannensiedlung, die den Untergang der Pfalz für Jahrhunderte überlebte und erst 1895 in die Stadt Gelnhausen eingemeindet wurde. Ihre malerische Bausubstanz geht teilweise ins Spätmittelalter zurück. Im Hochmittelalter gab es in der Vorburg vermutlich noch keine Steingebäude. Von der Ummauerung der Burgmannensiedlung blieb u.a. der Rest eines der ursprünglich drei Tore ("Haintor") erhalten. (Thomas Steinmetz)

Arch-Untersuchung/Funde:

Aus dem Pfalzgelände liegt eine Vielzahl von archäologischen Befunden und Spolien vor, die teilweise im Pfalzgelände ausgestellt sind.