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Hanau

Geschichte:

Burg und Stadt Hanau befinden sich unweit der Mündung des Flusses Kinzig in den Main. Der Name Hanau ist die Verkürzung von Hagenau (bzw. Hagenow) und vermutlich mit der Lage der Siedlung bzw. Burg auf einer Kinziginsel zu erklären.
Die Herren und späteren Grafen von Hanau stammen nach allgemein akzeptierter Lehrmeinung von den Herren von (Nieder)dorfelden (siehe dort) ab. Mit ihnen nicht in biologischer Verbindung stand ein Dammo von Hagenau, der 1143 in einer Urkunde des Erzbischofs von Mainz genannt wird und in dessen Nennung die Ersterwähnung Hanaus zu erblicken ist. Vom Bestand einer Niederungsburg ebendort ist für 1143 somit zwanglos auszugehen. Dammo von Hanau war personengleich mit Dammo von Buchen (=Wachenbuchen). Noch im späten 12. Jahrhundert übernahmen nach akzeptierter Lehrmeinung die Herren von Dorfelden Burg und Siedlung und wurden in der Folgezeit danach benannt. Noch unklarer ist die Beziehung der im 12. Jahrhundert belegten Herren von Buchen (=Wachenbuchen, siehe dort) zu den späteren Herren von Hanau. Erst mit Reinhard I. von Hanau ist ab 1243 die Genealogie der Herren von Hanau lückenlos zu verfolgen. Die namengebende Burg Hanau wird 1234 anlässlich einer Erbteilung erstmals ausdrücklich erwähnt. 1303 wurde die Siedlung Hanau zur später aufblühenden Stadt erhoben. Durch die Heirat mit einer Erbtochter der 1255 ausgestorbenen Herren von Münzenberg und später einer weiteren Erbschaft (Rieneck) erlangten die Besitzungen der Hanauer schon im 13. Jahrhundert bedeutenden Zuwachs. Im Jahre 1429 wurde Reinhard II. von Hanau schließlich durch Kaiser Sigismund in den Reichsgrafenstand erhoben.
Die vorgenannten Erwerbungen weiterer Burgen, u.a. der Burg Babenhausen aus dem Erbe der Münzenberger, zogen für die Burg Hanau naturgemäß einen Bedeutungsverlust nach sich. Hinzu kamen später noch bedeutende Territorien im Elsass um Buchsweiler. 1597 wurde südlich der kleinräumigen Hanauer Altstadt auf regelmäßigem Grundriss die "Neustadt" für calvinistische Glaubensflüchtlinge gegründet, durch die Hanau letztlich zu einer bis heute bedeutenden Siedlung werden sollte. 1635/36 wurde die modern befestigte Stadt mitsamt dem Schloss neun Monate lang erfolglos durch kaiserliche Truppen unter General Lamboy belagert. Ab 1701 wurde außerhalb der befestigten Stadt Schloss Philippsruh als zeitgemäße neue (unbefestigte) Residenz der Grafen von Hanau errichtet, die jedoch bereits 1736 ausstarben. Durch eine der beiden Erbtöchter des letzten Grafen fielen u.a. Hanau und das unweite Babenhausen an den Landgrafen von Hessen-Kassel. Unter Hessen-Kassel erlebte die Stadt Hanau in der Folgezeit einen weiteren Aufschwung. 1806 wurden die starken Festungsanlagen von Stadt und Stadtschloss durch französische Truppen geschleift.
Ab 1829 wurde der mittelalterliche Baubestand des Stadtschlosses unter Kurfürst Wilhelm II. von Hessen-Kassel restlos abgebrochen, erhalten blieben lediglich die neuzeitlichen Gebäude. Diese wurden 1945 mitsamt der Hanauer Altstadt und Neustadt durch zwei schwere Luftangriffe zerstört. Die Hanauer Stadtväter ließen die zerstörten Schlossbauten überwiegend abtragen. Burg bzw. Stadtschloss Hanau ist infolge dieser beiden Zerstörungswellen ab 1829 und ab 1945 somit nahezu ein Totalverlust. (Thomas Steinmetz)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte und Entwicklung der architektonischen Gestalt der Burg Hanau ist nicht einmal in den Grundzügen bekannt, und aufgrund des Totalverlustes ihrer Bausubstanz wird sich daran in Zukunft allenfalls durch archäologische Untersuchungen etwas ändern lassen. Unsere heutige Kenntnis der Anlage verdanken wir weitgehend Abbildungen bzw. zeichnerischen Darstellungen, die vom 17. Jahrhundert bis zu den Jahren des Abbruches entstanden sind.
Unzweifelhaft ist, dass die Burg analog zur Burg in Gelnhausen oder jener in Niederdorfelden auf einer Kinziginsel erbaut worden war. Ihr Aussehen im 12. Jahrhundert bleibt uns jedoch gänzlich unbekannt. Ein Ausbau ist für das 13. Jahrhundert anzunehmen, als der Aufstieg der Herren von Hanau begann, denn aus dieser Zeit dürfte angesichts seiner schlanken Gestalt der sehr hoch aufragende Bergfried gestammt haben. Es ist noch nicht verbindlich geklärt, ob er sechseckigen oder achteckigen Grundriss hatte. Trotz des zweifellos schwierigen Untergrundes des Baugeländes auf der Kinziginsel erreichte der Turm eine für Niederungsburgen ungewöhnliche Höhe. Der für den Turm überlieferte Name "Heidenturm" bezeugt sein hohes Alter und könnte ein Indiz für das Vorhandensein von romanischer Bauplastik oder Buckelquader sein. Ein Eckverband aus Buckelquadern ist auch für eines der Gebäude der Kernburg durch eine vor dem Abbruch entstandene Zeichnung bezeugt. Von daher ist ein (großzügiger) Ausbau der Burg im 13. Jahrhundert anzunehmen. Die Umrisse der Burg bzw. ihrer Ringmauer waren von da an sicherlich polygonal, denn so waren sie noch bis zum Abbruch des Stadtschlosses. Die Grabung von 2001/2002 konnte aus dem Bereich des Burggrabens das nicht weiter aussagefähige Dendrodatum 1302 ermitteln. Was im besagten Jahr konkret an der Burg gebaut wurde, muss indessen offen bleiben. Frühzeitig wird auch die aus funktionaler Sicht unentbehrliche Vorburg entstanden sein, die weiträumig die innere Burg umgab. Die Burgkapelle war, wie eine vor dem Abbruch entstandene Zeichnung erkennen lässt, ein Werk der Spätgotik.
Das bis 1829 bestehende Antlitz des Schlosses war jedoch durch die Renaissance geprägt, weshalb im 16. Jahrhundert erhebliche Umbauten erfolgt sein müssen. Selbst der hohe Bergfried war damals mit Fenstern durchbrochen und einer markanten Laterne bekrönt worden. Dieser Umbau war vermutlich mehr oder minder die Folge der ab 1528 unter Leitung von Graf Reinhard von Solms ausgeführten Neubefestigung von Schloss und Altstadt mit Bastionen, wodurch die Hauptverteidigungslinie ins Umland des Schlosses vorgeschoben wurde. Das Schloss, d.h. die vormalige Kernburg, verlor in der Folgezeit offenbar jegliche Verteidigungsvorrichtungen, auch der Graben zwischen ehemaliger Kernburg und Vorburg wurde aufgefüllt.
Der vormalige fortifikatorische Charakter des Schlosses wurde endgültig mit der Gründung der Hanauer Neustadt ab 1597 gegenstandslos, deren Festungsanlagen stark genug waren, um die lange Belagerung im Dreißigjährigen Krieg (siehe "Geschichte") abwehren zu können. Wurden nach Kriegsende zunächst noch neue Schlossgebäude außerhalb des mittelalterlichen Kernes errichtet, so raubte die Entstehung von Schloss Philippsruh dem nunmehr so genannten Stadtschloss seine traditionelle Funktion. Dennoch blieb es bis zu seinem ab 1829 erfolgten Abbruch weitgehend erhalten. (Thomas Steinmetz)

Baubeschreibung:

Aus den ausführlich genannten Gründen ist das Hanauer Stadtschloss, Keimzelle der Stadt Hanau, nahezu restlos verschwunden. Einziger erhaltener mittelalterlicher Baukörper ist der sog. "Wasserturm" aus der Zeit um 1300, der jedoch nicht zur polygonalen Kernburg gehörte und der Stadtbefestigung zuzurechnen ist. Erhalten sind auch geringe Abschnitte der spätmittelalterlichen Stadtmauer. Die wenigen erhaltenen Schlossgebäude ("Regierungsgebäude" und "Marstall") sind neuzeitlich. Nur noch im Grundriss wahrnehmbar ist der ehemals markante Unterschied zwischen Hanauer Altstadt und der ab 1597 weiter südlich begründeten Neustadt. (Thomas Steinmetz)

Arch-Untersuchung/Funde:

Ausgrabungen 2001 und 2002 konnten Teile des Burggrabens freilegen, nicht dagegen des inneresten Bereiches der Burg. Ein Pfahl aus dem Holzrost erbrachte das Dendrodataum 1302.