Geschichte:
Der Ortsname mit der Endung auf -heim legen eine Entstehung des am Ufer des Main gelegenen Dorfes in der Merowingerzeit nahe. Die befestigte Stadt Steinheim (ehemals Obersteinheim genannt) entstand im Anschluss an die im Jahre 1222 erstmals genannte Burg, die den landschaftsbeherrschenden Höhenrand über dem Main einnimmt.
Bei ihrer Ersterwähnung 1254 wird die Burg als Besitz der Herren von Eppstein genannt, deren Herrensitz Hainhausen (Hainhausen, Landkreis Offenbach, südwestlich von Steinheim) war damals bereits verlassen. Ob die Gründung der Steinheimer Burg als Reaktion auf die Entstehung der Herrschaft Hanau zu verstehen ist, wissen wir nicht. Immerhin lag Burg Hanau direkt gegenüber von Steinheim. Im Jahre 1301 wurde die Burg in Zusammenhang mit dem Krieg König Albrechts gegen die rheinischen Kurfürsten durch Ulrich von Hanau zerstört.
Ab 1320 lässt sich die Entstehung der Stadt Steinheim (Obersteinheim) verfolgen: 1320 verlieh Ludwig der Bayer förmliche Stadtrechte, später wurde die Ansiedlung von Juden und die Erhebung von Zöllen erlaubt. Das Interesse der Herren von Eppstein an Steinheim war demnach ungebrochen. Erst 1425 verkauften die Eppsteiner Burg und Stadt samt Zubehör für 38.000 Gulden an das Erzstift Mainz. Für dieses war Steinheim eine Etappe zwischen Mainz und Aschaffenburg und deshalb ein wertvoller Besitz. Kurmainz sollte bis zum Ende des alten Reiches Herr über Steinheim bleiben und begann alsbald mit dem Ausbau von Burg und Stadt (siehe "Bauentwicklung"). In der Folgezeit soll die Burg Sommerresidenz der Erzbischöfe gewesen sein.
Die Auswirkungen der Kriege des 16. Jahrhunderts auf diesen Ort sind noch weitgehend unerforscht. Schwerer wirkte sich in jedem Fall der Dreißigjährige Krieg aus, der 1631 zur Belagerung und Eroberung Steinheims durch die Schweden führte. Fortifikatorisch waren Burg und Stadt jedoch aufgrund der Nachbarschaft des stark befestigten Hanau ab 1600 völlig bedeutungslos. Inwieweit gerade dieser Umstand den Ort im 17. und 18. Jahrhundert vor Zerstörungen bewahrte, bleibt dahingestellt.
1786 wurde auf Anordnung des Erzbischofs und Kurfürsten von Mainz das Inventar des Schlosses versteigert und die Gebäude zum Teil abgebrochen. Mit dem Ende des Kurmainzer Staates kam Steinheim an Hessen-Darmstadt. Das Schloss wurde in der Folgezeit zu untergeordneten Zwecken genutzt. Den industriellen Aufschwung der Stadt Hanau und deren Zerstörung im 2. Weltkrieg überstanden Burg und Stadt bemerkenswerterweise ohne Schäden. (Thomas Steinmetz)
Bauentwicklung:
Über die architektonische Gestalt der Burg im 13. Jahrhundert fehlt uns infolge späterer Umbauten jede Vorstellung. Selbst der eindrucksvolle Bergfried ist aufgrund seines Rundbogenfrieses als Werk des späten Mittelalters anzusehen (s.u.). Es ist jedoch denkbar, dass der untere Bereich des Turmes noch aus der Gründungszeit der Burg stammt. Hochmittelalterlich soll außerdem der Kern des von Nord nach Süd verlaufenden Hauptflügels des Schlosses sein. Ob aufgefundene spätromanische Kapitelle aus diesem Gebäude stammen, ist momentan noch nicht zu entscheiden, aber zu vermuten.
Ein erheblicher Ausbau erfolgte nach 1425 durch Kurmainz. Aus jener Bauperiode muss der Bergfried in seiner interessanten heutigen Form stammen. Außerdem wurden der Nordflügel und der (nicht mehr vorhandene) turmartige Ostflügel an den Hauptflügel angebaut. 1431 wurde die neue Burgkapelle im Ostflügel geweiht. Beachtliche Bautätigkeit erfolgte auch in der Stadt, zu nennen ist der vor allem der (noch erhaltene) wehrhafte Kirchturm. Erhebliche Baumaßnahmen sind für die Zeit des Erzbischofs Daniel Brendel von Homburg (1555-1582) bzw. das Jahr 1572 überliefert, wodurch die Burg in Teilen in ein Renaissanceschloss verwandelt wurde. Das in der Folgezeit noch immer spätmittelalterliche bzw. spätgotische Erscheinungsbild des Schlosses mit vorkragenden Obergeschossen aus Fachwerk, spitzen Türmchen und Dachgauben, hat Matthäus Merian in seinem Stich der Nachwelt überliefert. In der Zeit bis zum 1786 eingeleiteten Abbruch wurde der Baubestand allem Anschein nach nicht mehr verändert. Zu rechnen ist jedoch mit baulichem Niedergang durch Vernachlässigung. Verschont vom Abbruch blieben allein der Bergfried und der verstümmelte Hauptflügel des Schlosses. Alle Nebengebäude sind dagegen verschwunden. Großherzog Ludwig I. von Hessen ließ das Schloss ab 1804 für seinen Sohn Georg herrichten. Außerordentlich gut erhalten ist dagegen das historische Stadtbild Steinheims mit zahlreichen spätmittelalterlichen Gebäuden. (Thomas Steinmetz)
Baubeschreibung:
Das Interesse des Besuchers konzentriert sich auf den interessanten Bergfried, der flächig verputzt ist. Um 1900 trug der Turm noch ein spitzes Pyramidendach, heute akzentuieren nur noch die vier spitzen "Eck"türmchen die Silhouette des Turmes. Das Mauerwerk besteht vermutlich aus dem anstehenden Basalt. In seiner heutigen Gestalt wurde der Bergfried vermutlich erst nach 1425 erbaut und wäre damit wohl der jüngste erhaltene Bergfried im Rhein-Main-Gebiet. Das benachbarte "Schloss" ist der verstümmelte Hauptflügel des dreiflügeligen Gebäudekomplexes aus dem 15. Jahrhundert. Die Fassade ist durch die Umbauarbeiten des 16. Jahrhunderts geprägt. Der abgetragene Ostflügel mit der Burgkapelle ragte wie ein Wohnturm über die Ringmauer hinaus und könnte die privaten Wohnräume des Erzbischofs enthalten haben.
Reste der inneren Ringmauer wurden 1989/90 ergraben, die erhaltenen Teile derselben kommen nicht über Sockelhöhe hinaus. Das heutige Erscheinungsbild der Anlage ist das eines "offenen", d.h. unbefestigten Schlosses. Dieser Eindruck entstand jedoch erst durch Abbrüche und Einebnungen. Auch die vormalige Vorburg ist infolge des Abbruches ihrer Gebäude heute kaum noch als solche wahrnehmbar. (Thomas Steinmetz)
Arch-Untersuchung/Funde:
1989/90 erfolgte Ausgrabungen konnten den exakten Verlauf der inneren Ringmauer klären. 2004 erneute Sondagegrabungen im Schlossgelände.