EBIDAT - Die Burgendatenbank

Eine Initiative der Deutschen Burgenvereinigung Menu

Steinau

Geschichte:

Die Ursprünge der Burg in Steinau lassen sich mangels Urkunden nicht erhellen. Aufgrund der Lage an der Fernstraße von Frankfurt am Main nach Mitteldeutschland, die den Beinamen bzw. Ortsnamen "Steinau an der Straße" prägte, ist eine frühe Burggründung zumindest denkbar, vielleicht durch das Reichskloster Fulda. Doch ist dies nur spekulativ. Die gesicherten Nachrichten setzen erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mit den Auseinandersetzungen zwischen dem Erzstift Mainz und den Grafen von Rieneck um die Vorherrschaft im Spessart ein. Beide Parteien vereinbarten 1272 in einem Friedensschluss u.a. die Verheiratung von Elisabeth von Rieneck mit dem mainzischen Parteigänger Ulrich I. von Hanau, wodurch u.a. Steinau für Jahrhunderte an das Haus Hanau fallen sollte. Die Hanauer bauten Steinau in der Folgezeit alsbald zu einem Eckpfeiler ihrer ausgedehnten Besitzungen aus. Im Jahre 1290 verlieh König Rudolf dem Ort die förmlichen Stadtrechte; in der Folgezeit wurde die Stadtmauer errichtet. Steinau war vermutlich von Anfang an ein Lehen des Reichsklosters Fulda, auch wenn das Erzstift Mainz zeitweise eine Lehenshoheit beanspruchte. 1429 wurde Reinhard II. von Hanau in den Reichsgrafenstand erhoben. Um 1479 erfolgte Bauarbeiten in der Burg Steinau sind aufgrund des späteren Neubaues heute in ihrem Umfang nicht mehr zu beurteilen.
Die Aufwertung Steinaus begann 1525 unter Graf Philipp II. von Hanau und seinem Sohn Philipp III. (siehe "Bauentwicklung"). Der vollständige Neubau des dortigen Schlosses wird gewöhnlich mit der Absicht zur Schaffung einer Nebenresidenz der Hanauer erklärt. Diese sollte jedoch in der Folgezeit nicht gemäß der Absicht genutzt werden. Lediglich als Witwensitz fand Schloss Steinau bis zum Aussterben der Grafen von Hanau im 18. Jahrhundert Verwendung. Der Dreißigjährige Krieg richtete in Steinau offensichtlich keine sonderlichen Schäden an. Mit dem im ausgehenden 17. Jahrhundert einsetzenden Ausbau der Hanauer Residenzlandschaft erlosch dort das Interesse am Steinauer Schloss. 1736 fiel es durch den Tod des letzten Grafen von Hanau an Hessen-Kassel, das die Schlossgebäude nur noch für untergeordnete Nutzungen verwendete. Über diese Zeit ist bisher wenig bekannt. Das Schloss ist heute Eigentum des Landes Hessen und wird von der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten betreut. (Thomas Steinmetz)

Bauentwicklung:

Die mittelalterliche Baugeschichte ist infolge der vollständigen Überbauung während des 16. Jahrhunderts nicht mehr zu rekonstruieren. Der in das bestehende Schloss einbezogene quadratische Bergfried wird häufig als Schöpfung der Herren von Hanau nach 1272 angesehen. In der Tat spricht dessen relativ schlanke Gestalt für eine solche Datierung. Ansonsten ist das architektonische Erscheinungsbild der nach 1272 bestehenden Burg nicht einmal mehr in Ansätzen zu rekonstruieren. Neueste baugeschichtliche Forschungssätze (G. Ulrich Großmann) gehen jedoch davon aus, dass sie in etwa die Größe bzw. den Umfang des bestehenden Schlosses hatte. Archäologische Befunde stehen in dieser Frage bisher erst in geringem Umfang zur Verfügung, bestätigen aber diese Ansicht. Ein heute in seinem Umfang nicht mehr zu beurteilender Umbau der Burg erfolgte angesichts einer erhaltenen Wappentafel um das Jahr 1479.
Die bestehende Anlage wurde von Graf Philipp II. von Hanau ca. 1525 mit der Errichtung des Saalbaues begonnen, eine Bauinschrift trägt die Jahreszahl 1528. Aufgrund des 1529 erfolgten Todes Philipps und der Unmündigkeit seines gleichnamigen Sohnes wurde der Neubau zunächst nicht fortgesetzt. Die Vollendung erfolgte, wie die zahlreichen Jahreszahlen am Bau erkennen lassen, in relativ kurzer Zeit zwischen 1551 und 1558. In der Literatur wird häufig der auch anderenorts im Kinzigtal tätige Meister Asmus als der oder ein Baumeister des Neubaus vermutet. Es ist für ein Renaissanceschloss ungewöhnlich, dass die Bausubstanz des mittelalterlichen Vorgängers wie in diesem Fall weitgehend beseitigt wurde. Die Steinauer Konzeption mit der Ableitung des Grundrisses von einer pentagonalen Festung ist nahezu singulär (siehe "Beschreibung"). Aufgrund der allenfalls sporadischen Nutzung in der Folgezeit blieb das Steinauer Schloss im 17. und 18. Jahrhundert von nennenswerten Änderungen verschont, die Nutzungen nach 1736 als Zuchthaus, Lazarett und Fruchtspeicher richteten keine ernsten Schäden an. Das Schloss ist von daher als eines der am besten erhaltenen und frühesten Renaissanceschlösser im heutigen Hessen zu würdigen. (Thomas Steinmetz)

Baubeschreibung:

Das im 16. Jahrhundert entstandene Steinauer Schloss hat die folgenden Jahrhunderte nahezu unverändert überdauert und ist bis heute unter Dach erhalten. Die fast ausschließlich aus Stein erstellten Schlossgebäude sind alle unverputzt, und werden von hohen Schieferdächern abgeschlossen. Einziger vollständig erhaltener Überrest des Mittelalters ist der quadratische Bergfried, der die beachtliche Höhe von 41 m erreicht und von einer achteckigen Laterne des 16. Jahrhunderts abgeschlossen wird. Der Turm ist gegen die Angriffsseite gerichtet.
Das Schloss ist auf fünfeckigem Grundriss angelegt, der offenbar erkennbar von den im 16. Jahrhundert neu entwickelten pentagonalen Festungen abgeleitet ist. Anstelle von Bastionen sind vier der fünf Ecken mit vorspringenden Wohngebäuden, den sog. "Winkelbauten" (zweiflüglige Gebäude mit Treppentürmen) besetzt, deren Schießscharten einen flankierenden Beschuss des vorgelagerten ausgemauerten Grabens ermöglichten. An der fünften Ecke befindet sich statt eines weiteren Winkelbaues eines der beiden Torhäuser des Schlosses. Das Steinauer Schloss ist zwar ein "Schloss" im architekturgeschichtlichen Sinne, aber dennoch nach wie vor eine Wehranlage. Seine Verteidigungsvorrichtungen sind als ernst gemeint zu verstehen. Die Schlossgebäude sind äußerlich schmucklos, ihre Fensterformen spiegeln die allmähliche Ablösung der Gotik durch die Renaissance wider. So finden sich schlichte Rechteckformen, ebenso Vorhangbögen und Eselsrücken. Die Obergeschosse werden durch insgesamt vier Treppentürme mit "Welschen Hauben" erschlossen. Die Innenausstattung ist besonders beim Saalbau gut erhalten, der im Erdgeschoss die zweischiffige gewölbte Hofstube, im Obergeschoss dagegen den Bankettsaal enthält. Der anstoßende Küchenbau verfügt über Reste großflächiger Ausmalung. Erhaltene Stuckdecken gehören erst ins 17. oder 18. Jahrhundert. Stadtseitig vorgelagert befinden sich zwei langgestreckte, zweigeschossige Wirtschaftsgebäude. (Thomas Steinmetz)

Arch-Untersuchung/Funde:

1986 konnte im südlichen Schlosshof der Grundriss und Keller eines mittelalterlichen Gebäudes ergraben werden, das anlässlich des Baues des bestehenden Schlosses abgebrochen wurde (siehe Literaturverzeichnis).