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Steckelberg, Neue Burg

Geschichte:

Die alte Burg Steckelberg (siehe dort) war im Jahre 1276 zerstört worden, von einem Versuch zum Wiederaufbau ist nichts bekannt. Der Bau der "neuen" Burg nach über 100 Jahren ist nicht als Wiederaufbau der zerstörten "alten" Burg anzusehen, sondern speziell aufgrund des veränderten Standorts als ein Burgbau, der lediglich den Namen einer lange wüsten älteren Burg übernahm. Bauherr der "neuen" Burg Steckelberg war Ulrich von Hutten aus dem weitverzweigten Adelsgeschlecht, das damit eine Linie zu Steckelberg begründete. Die Herren von Hutten trugen die Burg dem Hochstift Würzburg zu Lehen auf und machten sie durch ihren Kinderreichtum alsbald zur Ganerbenburg. 1458 wurde die Burg durch den Bischof von Würzburg belagert und eingenommen. Im Jahre 1488 wurde auf dem Steckelberg der berühmte Humanist Ulrich IV. von Hutten geboren, der in seinem vielzitierten Brief an den Augsburger Patrizier Willibald Pirckheimer im Jahre 1518 die Lebensweise auf einer Burg beschrieb. Seine Schilderungen der kargen landwirtschaftlichen Ertragsmöglichkeiten sind sicherlich durch eigene Erfahrungen im heutigen Main-Kinzig-Kreis geprägt, wenn auch nicht unbedingt allein durch Burg Steckelberg.
Eine allmähliche Entwertung der Burg ist bereits für das 16. Jahrhundert infolge des Neubaus des Schlosses in Ramholz anzunehmen. Baulich wurde nach 1509 auf dem Steckelberg nach dem Anschein der erhaltenen Reste nichts mehr verändert. Zweifelsfrei führte der Dreißigjährige Krieg direkt oder indirekt zum Verfall der Burg. Im Jahre 1704 erlosch die Steckelberger Linie der Herren von Hutten, was den endgültigen Untergang der Burg bedeutete. Die folgenden wechselnden Eigentümer teilte sie mit Schloss Ramholz. Bis heute ist die Burgruine zivilrechtlich mit Schloss Ramholz verbunden. Dessen Eigentümer, beginnend mit Hugo Freiherr von Stumm, sorgten sich seit dem Ausgang des 19. Jahrhunderts wiederholt um deren Erhaltung. (Thomas Steinmetz)

Bauentwicklung:

Burg Steckelberg ist aufgrund des überlieferten Baujahres 1388 als sehr späte Burggründung anzusehen. Wie es den Anschein hat, wurde an ihrer Bausubstanz in späteren Jahrhunderten auch nicht mehr allzu viel verändert. Die mehr als 500 m hoch gelegene Burg stand in der Folgezeit möglicherweise im Schatten anderer Herrensitze der Hutten. Die bauliche Konzeption der Anlage ist mit lediglich 765 Quadratmetern Grundfläche und rechteckigen Umrissen als sehr kompakt zu bezeichnen. Der Unterschied zur weitläufigen "alten" Burg Steckelberg ist diesbezüglich sehr augenfällig. An der Schmalseite im Südwesten befinden sich mit einem quadratischen Wohnturm und einem vor den Bering vorspringenden halbrunden Turm oder besser Rondell die beiden einzigen (als Ruine) erhaltenen Gebäude der Burg. Das Rondell ist baugeschichtlich noch nicht sicher einzuordnen. Es wurde in der älteren Literatur häufig mit dem inschriftlich datierten Ausbau um 1509 in Verbindung gebracht. Seine hohen Schlitzscharten deuten allerdings darauf hin, dass es zur Bausubstanz der Gründungszeit gehört. Gleichartige Schießscharten befinden sich nämlich vereinzelt in der rückwärtigen Ringmauer. Die Funktion des Rondells war unabhängig von seinem Alter zweifellos der Schutz des Burgtores. Die übrige Bebauung der Burg ist bis auf einen tonnengewölbten Keller abgegangen. Urkundlich wird noch von einer "Kemenate" gesprochen, womit jedoch auch der Wohnturm gemeint sein könnte.
Der durch eine Inschrift überlieferte Ausbau der Burg um 1509 – Bauherr war der gleichnamige Vater des Humanisten Ulrich von Hutten – hat in der noch vorhandenen Bausubstanz keine eindeutigen Spuren hinterlassen. Zwinger und Vorburg waren auf dem Steckelberg allem Anschein nach niemals vorhanden. Die Erhaltungsmaßnahmen Hugo von Stumms und seiner Nachkommen beschränkten sich auf die Konservierung des Bestandes und verzichteten auf Rekonstruktionen, was im Nachhinein gewürdigt werden muss. (Thomas Steinmetz)

Baubeschreibung:

Die ca. 50 Meter tiefer als die alte Burg gelegene Burgruine ist in ihren Umrissen noch vollständig vorhanden. Sie besteht aus einer kleinen Rechteckanlage (Innenraum 24 x 32 m), die an drei Seiten von einem Graben umgeben ist. Das aufgehende Mauerwerk erreicht meistenteils jedoch nur wenige Meter Höhe. Am besten sind die Ruine des Wohnturmes und Rondells erhalten. Der Wohnturm mit Eckbuckelquadern besitzt einfache, teils zweiteilige Rechteckfenster, die vermutlich alle noch in die Zeit der Burggründung um 1388 datieren. Sein Inneres entbehrt jeglicher Details. Die heutige Ruine des Turmes lässt noch drei Geschosse erkennen, über denen sich sicherlich mindestens ein viertes Geschoss befand. Denkbar sind auch Obergeschosse aus Fachwerk. Interessantester Überrest der Burg ist jedoch das als einzigartig zu bezeichnende Rondell mit hohen Schlitzscharten. Ungewöhnlicher Weise ist es im Inneren mit einem Kamin ausgestattet. Es fällt in der Tat schwer, das Rondell mit dem durch eine Inschrift überlieferten Ausbau um 1509 in Verbindung zu bringen. Ansonsten ist nur noch die Ringmauer in Höhe weniger Meter erhalten, von den Wohngebäuden zeugt dagegen nur noch ein Keller. Wall und Graben umgeben teilweise noch heute die Ruine, die über keine Vorburg verfügte. (Thomas Steinmetz)