EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Altengronau, Huttenburg

Geschichte:

Zur Frühgeschichte Altengronaus wurde in der Darstellung zum "Frauenberg" eingegangen. Aus dem Jahre 1346 ist überliefert, dass Ludwig von Hutten in der "Burg" zu Gronau ansässig gewesen sein soll. Da stets immer nur abstrakt von der "Burg" die Rede ist, niemals dagegen mit präzisierenden Adjektiven, ist es bis heute kaum möglich, die archivalische Überlieferung mit konkreten Herrensitzen in Verbindung zu bringen.
Es ist eine verbreitete Lehrmeinung, die "Huttenburg", auch "Alexanderburg" genannt, sei erst um 1550 von Alexander von Hutten erbaut worden. Die architektonischen Reste verweisen nämlich in frühere Zeit, wenigstens ins 15. Jahrhundert. Aus dem Jahre 1452 ist die Erneuerung eines Burgfriedens überliefert, demnach war die Burg damals Ganerbenhaus. 1480 sei "Burg Altengronau" von Neidhard von Thüngen angegriffen und das Dorf Altengronau geschädigt worden. Diese Nachricht ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die heute so genannte "Huttenburg" zu beziehen und nicht auf die vermutete Vorgängerin auf dem "Frauenberg". Als Folge dieser Gewalttat habe Eitel Sebastian von Hutten im Jahre 1506 mit dem Bau einer Niederungsburg bei Altengronau begonnen, dem heutigen "Wasserschloss Altengronau" (siehe dort). Ab ca. 1548 ließ sein Sohn Alexander von Hutten die ältere, vielleicht ruinöse Burg wiederherstellen, weshalb auch von der "Alexanderburg" gesprochen wird. Die von Alexander begründete Linie der Herren von Hutten erlosch im Jahre 1627, die nach ihm benannte Burg fiel später an die Landgrafschaft Hessen-Kassel und wurde in der Folgezeit nicht mehr als Herrensitz genutzt. Zunächst diente sie lange Zeit als Fruchtspeicher, ab dem späten 19. Jahrhundert als Schulhaus. Im Jahre 1981 erwarb Freiherr Friedrich Karl von Hutten die Burg zurück und richtete sie als Privatwohnung her. (Thomas Steinmetz)

Bauentwicklung:

Die Bauentwicklung der an fortifikatorisch ungünstiger Stelle gelegenen Burg ist völlig ungeklärt. Klar ist, dass das hoch aufragende Gebäude mit seinem barocken Mansarddach ein im Kern mittelalterlicher Baukörper ist. An beiden bergseitigen Ecken sind Rundtürme eingebaut, die nicht nachträglich eingefügt zu sein scheinen. Talseitige hohe "Strebepfeiler" sind vermutlich Stummel von ansonsten abgebrochenen Ringmauerflanken, wie der hochgelegene vermauerte Eingang verrät. Aufgrund dieser Baubefunde kursieren in der Literatur Behauptungen, es habe auch an der Talseite zwei (heute restlos verschwundene) runde Ecktürme gegeben. Sofern diese Behauptungen zutreffen, was nicht unwahrscheinlich ist, wäre die "Huttenburg" ein Kastell "französischen" Typs gewesen, wie sie um 1400 und später häufig und vielerorts entstanden sind. Von daher ist eine Bauzeit der ursprünglichen "Huttenburg" in der Zeit um 1400 zwanglos anzunehmen. Eine Erbauung erst Mitte des 16. Jahrhunderts unter Alexander von Hutten ist dagegen auszuschließen.
Da 1478 von Scheunen vor der Burg und einer Mühle die Rede ist, sollte auch von der Existenz eines Vorhofes ausgegangen werden. Dessen Reste könnte das langgestreckte Anwesen unterhalb der "Huttenburg" darstellen, das durch die heutige Ulrich-von-Hutten-Straße von der Burg getrennt ist. Vermutlich hat der Bau dieser Straße das Burggelände durchschnitten und verunklärt heute die Wahrnehmung des vormaligen Umfanges der Burg. Insgesamt ist das Umfeld der Burg allem Anschein nach heute stark verändert.
Von der Bautätigkeit des Alexander von Hutten (Inschrift 1552) ist im heutigen Bauzustand kaum noch etwas wahrnehmbar. Etwaige Baubefunde sind durch den flächigen Verputz verdeckt, bzw. nur in Einzelfällen sichtbar belassen. Mansarddach und Fenster gehören dem Augenschein nach ins 18. Jahrhundert, angeblich ins Jahr 1752. Die Wiederherstellung des Baubestandes ab 1981 durch Friedrich Karl von Hutten respektierte die komplexe Baugeschichte und vermied jegliche Rekonstruktion. (Thomas Steinmetz)

Baubeschreibung:

Die "Huttenburg" ist im heutigen Zustand ein rechteckiger Baukörper mit drei Vollgeschossen und einem Dachgeschoss im Mansarddach. Der Begriff "Wohnturm" hat durchaus seine Berechtigung. Die Burg liegt leicht erhöht im Hang über dem alten Dorfkern und ist im Grunde weder eine Höhenburg noch eine Niederungsburg. Es ist unklar, ob die Burg jemals durch Wassergräben, die von der nahen Sinn hätten geflutet werden können, geschützt wurde. Das unmittelbare Umfeld der Burg ist offenbar in der Neuzeit stark verändert worden, vor allem durch die heutige Ulrich-von-Hutten-Straße. Für die Baugeschichte aufschlussreich sind die beiden runden Ecktürme an der Bergseite und die zu Strebepfeilern verstümmelten Ringmauerflanken an der Talseite (siehe Bauentwicklung). Demzufolge schlossen sich ursprünglich sehr hohe Ringmauerflanken in Richtung der Talseite an. Das Innere der Burg ist infolge der wechselnden Nutzungen ab dem 17. Jahrhundert verändert, die mittelalterliche Raumstruktur nicht mehr zu rekonstruieren. Alle Fenster sind dem äußeren Eindruck nach aus dem 18. Jahrhundert. Die "Huttenburg" ist ein interessantes Objekt, das noch auf seine baugeschichtliche Erforschung wartet. (Thomas Steinmetz)

Arch-Untersuchung/Funde:

Archäologische Befunde von der Burg sind bisher nicht bekannt geworden.