EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Rhoden

Geschichte:

Bei der ältesten Siedlung in der Gemarkung der heute zur Stadt Diemelsee gehörenden Gemeinde Rhoden zählt das wüst gefallene Dort Alt-Rhoden, das nördlich der Stadt lokalisiert wird. Die Siedlung Alt-Rhoden befand sich 978 im Besitz der Abtei Corvey. Vermutlich wurde der Ort zu Beginn des 14. Jahrhunderts aufgegeben. Von Alt-Rhoden zu unterscheiden ist die hochmittelalterliche Burggründung Rhoden in exponierter Berglage. Wohl in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden gelangte die Burg als Lehen des Hochstifts Paderborn in die Verfügungsgewalt der Grafen von Waldeck, die die Burg im Spätmittelalter als einen bedeutenden Herrschaftsmittelpunkt im Norden ihres Territoriums nutzten. 1235 wird Rhoden als Paderborner Lehen des Grafen Adolf von Waldeck aufgeführt. Graf Otto I. von Waldeck ließ die Burg ausbauen und mit Burgmannen besetzen, zu denen u. a. die sich nach Ihrem Dienstort bezeichnenden Herren von Rhoden. Im Vorfeld der Burg entstand eine Siedlung, die 1294 in den Schriftquellen erstmals als Stadt (oppidum) bezeichnet wurde. Ungeachtet von Einsprüchen des Erzstifts Köln erhielt der Ort eine Befestigung. Im 14. Jahrhundert dienten Burg und Stadt den Grafen von Waldeck als Pfandobjekt: 1377 gelangte Rhoden als Pfand an den Ritter Johann Raven. 1390 waren Kurt von Spiegel und 1398 Landgraf Hermann II. von Hessen Pfandinhaber. 1426 wurde Rhoden an Mainz versetzt, ehe es 1452 dem Grafen Wolrad I. von Waldeck gelang, Rhoden wieder auszulösen und dauerhaft in den Territorialverband der Grafschaft einzugliedern. Nach dem Erlöschen der Linie Waldeck-Landau infolge des Todes von Graf Otto IV. (1495) kam es zu Erbstreitigkeiten innerhalb der Dynastenfamilie, die 1507/08 endeten. Rhoden fiel je zur Hälfte an Waldeck-Wildungen und Waldeck-Eisenberg (später ältere Wildunger Linie). Unter Graf Georg Friedrich von Waldeck-Eisenberg (1645-1692), der die geteilte Grafschaft erneut in einer Hand vereinigte und in den Reichsfürstenstand erhoben wurde, entstand an der Stelle der mittelalterlichen Burg ein frühbarocker Schlossbau, der bis zur Verlegung des Wohnsitzes und der landesherrlichen Verwaltung nach Arolsen 1664 als Residenz des Hauses Waldeck diente. Nach dem Bedeutungsverlust von Ort und Stadt infolge der Residenzverlegung, diente das Schloss gegen Ende des 18. Jahrhunderts noch einmal als fürstlicher Wohnsitz. 1795 bis 1813 bevorzugte Prinz Georg I. (1747-1813) Rhoden als Wohnsitz. 1817 beherbergte Schloss Rhoden Beamtenwohnungen. 1900 erfolgte die Umnutzung des Schlosses zu einem Lehrerinnenerholungsheim mit 30 Gästezimmern und von 1933 bis 1936 diente es als Sitz des Reichsarbeitsdienstes und als Reichsarbeitsdienstlager. Bereits 1920 war Schloss Rhoden in das Eigentum des Freistaats Waldeck-Pyrmont übergegangen. Einer kurzzeitigen Nutzung zur Unterbringung von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg folgte 1948 die Einrichtung eines Kreisaltersheims. Eine kostenintensive Sanierung des Objekts 2010 wurde nicht durchgeführt und auf das Jahr 2013 verschoben. Als Hauptmieter des Schlosses, das zukünftig für gewerbliche und öffentliche Zwecke genutzt werden sollte trat die Verbands-Energie-Werke Gesellschaft für Erneuerbare Energien VEW), ein Schwesterunternehmen der Energie-Waldeck-Frankenberg GmbH (EWF) in Erscheinung. Seit Nov. 2016 ist das Schloss vollständig vermietet. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Zur baulichen Entwicklung der vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstandenen Burg liegen keine Informationen vor. An die Stelle der Höhenburg in Stadtrandlage trat die frühmittelalterliche Schlossanlage, die bislang in der Forschung nur wenig Beachtung gefunden hat. Als Auftraggeber des barocken Neubaus tritt Graf Georg Friedrich von Waldeck-Eisenberg (reg. 1645-1692) in Erscheinung, der offenbar bereits in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges den Anstoß zu dem ehrgeizigen Bauprojekt gegeben hat. Der ursprünglich als Vierflügelbau mit Innenhof geplante Bau wurde von dem französischen Architekten Belle-Roche entworfen. Die Ausführung oblag dem Bau- und Zimmermeister P. Jeanson (Niederlande) unter Beteiligung des Steinmetzmeisters H. Degen aus Göttingen. Zur Ausführung gelangten bis 1656 jedoch lediglich der nördliche Längs-, der sich anschließende Haupt- und ein Teil des westlichen Längsflügels. 1787-95 erfolgte die Neueinrichtung des Schlosses unter dem Baudirektor J. M. Kitz für den Prinzen Georg von Waldeck und dessen Hofhaltung. Nach 1817 wurden weitere Umbauten vorgenommen. Im Zuge der wechselvollen Nutzungsgeschichte erfolgten weitere Eingriffe und bauliche Veränderungen, die sich insbesondere auf die Innenausstattung erstreckten. Eine grundlegende Sanierung des Objekts wurde 2013 eingeleitet. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Da die mittelalterliche Burg bereits 1645 durch das barocke Schloss überbaut worden ist und bislang keine zuverlässigen älteren Ansichten bekannt sind, lassen sich keine Aussagen zur Baugestalt der Höhenburg treffen. Das frühbarocke Schloss, das deutlich niederländische Architektureinflüsse erkennen lässt, war als vierflügelige Anlage geplant, die jedoch bis 1656 nur teilweise zur Ausführung gelangt ist. Der rechteckige Innenhauf wird im Osten, Westen und Norden durch dreigeschossige Gebäude begrenzt. Die im Norden gelegene dreigeschossige Hauptfront (Feldseite) wird durch einen mächtigen Mittelrisalit mit reichen bauplastischem Schmuck und flachem Dreieckgiebel (bez. 1649) akzentuiert. Durch eine Tordurchfahrt in diesem Flügel gelangt man in den Innenhof. Der nördliche Mittelbau weist an der Hofseite eine kreuzrippengewölbe Halle mit einer Galerie auf. Zum Umfeld des Schlosses gehört ein 1794 errichtetes Mausoleum der fürstlichen Familie von Waldeck. (Jens Friedhoff)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bislang haben keine archäologischen Untersuchungen stattgefunden.