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Frankfurt, Saalhof

Geschichte:

Die karolingische Pfalz in Frankfurt wurde noch in ottonischer Zeit häufig genutzt, für die salische Zeit fehlen in Frankfurt hingegen die Königsaufenthalte. Das Gelände der karolingischen Königspfalz wurde zu einem großen Teil überbaut, die königlichen Anrechte dürften entweder vergeben oder in Vergessenheit geraten sein. Der im 12. Jh. errichtete Saalhof diente nicht als neue Pfalz, sondern - wie Ottersbach und andere Autoren vermuten - als Residenz des kaiserlichen Burggrafen bzw. Reichsschultheißen. Zudem schützte er durch seine zum Main hin exponierte Lage die Stadt nach Süden und das unmittelbar westlich von ihm gelegene Fahrtor als wichtigsten Zugang zur Stadt vom Main aus.
Bei der Ersterwähnung des Saalhofs im Jahr 1277 muss dieser bereits 80 bis 130 Jahre bestanden haben. In der entsprechenden Schriftquelle wird er als "curia regis Frankenvort" bezeichnet, in der der königliche Schultheiß seinen Verwaltungssitz hatte. Als Bauherr käme nach Ottersbach der Reichsministeriale Kuno I. von Münzenberg (+1207) in Frage, der als Verwalter der Königslandschaft Wetterau diente. In Urkunden des Jahres 1317 wird die Anlage "aula regia" oder "regis" genannt, ähnlich lauten die Bezeichnungen auch in der Folgezeit. 1414 erscheint er zum ersten Mal unter dem Namen Saalhof.
Am Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jhs. hatten die kaiserlichen Landvögte in der Wetterau, Gerlach und sein Sohn Eberhard von Breuberg, den Saalhof als kaiserliches Pfandlehen inne. Nach dem Aussterben des Geschlechts im Mannesstamm ging der Saalhof 1331 an die Grafen von Wertheim und Herren von Eppstein. 1333 veräußerten diese ihn auf kaiserliche Anordnung an den Frankfurter Patrizier Jakob Knoblauch. Dieser nutzte einen Teil der Anlage als Kaufhaus für niederländische Tuche. Nach dem Tod seiner Witwe kam der Pfandbesitz an eine Ganerbengemeinschaft. 1697 veräußerten die Ganerben den gesamten Komplex an die Familie Bernus, wobei er in freies Eigentum umgewandelt wurde. 1909 erwarb die Stadt Frankfurt den Saalhof von den Rechtsnachfolgern der Familie Bernus. Heute ist er ein Bestandteil des Historischen Museums. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Bauentwicklung:

Der älteste Kern des Saalhofs ist der Wohnturm im Osten, er stammt aus dem 12. Jh. Zugleich wurde die westlich anschließende Hof- und Stadtmauer gebaut. Als nächstes wurden der nördliche Palas und der Küchenanbau hinzugefügt. Der untere Teil des Kapellenbaus schließt mit einer Baufuge an den vorher errichteten Ostflügel an und konnte dendrochronologisch auf das Jahr 1200 datiert werden. 1333/34 wurde die vernachlässigte Anlage renoviert und mit der "nova aula" erweitert. Weitere Neubauten erfolgten in der Folge vor allem im südlichen Bereich. Im 14./15. Jh. wurden im Süden die neue Stadtmauer errichtet sowie das Gelände aufgeschüttet und mit dem nördlich anschließenden Areal auf eine Höhe gebracht. Ein Teil des Mittelbaus wurde 1591 erneuert. Zwischen 1604 und 1610 wurde der neue Nordbau errichtet. Im gleichen Zug wurde der Hinterbau an der Stelle der heutigen Bernus- und Burnitzbauten abgerissen. Zwischen 1715 und 1717 wurde der Bernusbau im Südwesten errichtet. 1842 mussten die Gebäude im Osten dem Burnitzbau weichen und der alte Wohnturm wurde bis auf die Nord- und die Hälfte der Ostwand abgebrochen. Zudem wurde damals der Uferbereich um 2 m aufgeschüttet, so dass die alten Gebäudesockel verdeckt wurden. Die Bombenangriffe des Jahres 1944 überstanden nur der Osttrakt und die Kapelle ohne größere Schäden Die übrigen Teile des Ensembles wurden vollständig zerstört. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Baubeschreibung:

Der stauferzeitliche Saalhof wurde am äußersten südlichen Rand des Domhügels auf vormals unbebautem Gelände errichtet und schob sich sogar in den Flusslauf vor. Das Gelände musste dafür bis zu 4,85 m aufgeschüttet werden. Die Ringmauer des Saalhofs umreißt ein max. 49 x 44 m großes Viereck. Vorgelagert war ihr in ca. 5 m Abstand eine Zwingermauer. Auf der Südseite war die 1,20 m starke Mauer bei den Ausgrabungen noch bis in 1,50 m Höhe erhalten und streckenweise im Fischgrätverband (opus spicatum) gemauert. Die Nordmauer des Komplexes sitzt auf der südlichen Pfalzmauer, die laut 14C-Datierung nicht vor der Mitte des 11. Jhs. errichtet worden sein kann. Folglich sprang er 18 m weit in den Main vor, der Wohnturm schob sich noch weitere 6 m in den Flusslauf.
Der 18,50 m hohe Wohnturm besaß die Ausmaße von ca. 10,15 x 11,80 m bei einer Mauerstärke von 1,80 m. Sein Sockel ist aus Buckelquadern mit Randschlag gemauert. Eine Tür im zweiten Geschoss ermöglichte den direkten Zugang zum Palas. Zur Stauferzeit verlief in seinem verfüllten Sockel ein gemauerter Kanal, der vermutlich zur Wasserversorgung der Turmbesatzung diente.
Der nördlich an den Turm anschließende Palas war in seinem ältesten Teil mit 10,15 m genauso breit wie der Turm und 15,60 m lang. Er war mit Schießscharten, heute rekonstruierten Biforien und einer Warmluftheizung versehen. Im Obergeschoss befand sich der Saal, der dem ganzen Baukomplex den Namen gab. Die Pfalzmauer und zwei weitere Mauern umgaben einen Hof im Westen, in dem leichte, hölzerne Wirtschaftsgebäude standen. Der Palas wurde in einer zweiten Phase nach Norden auf 31 m Länge vergrößert. Im Zuge dessen ist die Pfalzmauer abgetragen und eine neue Umfassungsmauer im Norden errichtet worden.
Die halbrunde Kapelle ist als turmartiger Anbau an den Turm angefügt. Aus der Zeit vor ihrer Errichtung um 1200 stammt ein Nord-Süd verlaufender Mauerzug, der zu einem Gebäude außerhalb der Stadtmauer gehörte, das nur von Osten zugänglich war. Auch nach der Errichtung der Kapelle erstreckte sich nördlich von ihr ein Gebäude, was zur Folge hatte, dass nur im Sockel ihrer Südfassade Buckelquader verbaut wurden. Hampel vermutet, dass das Gebäude die Burgmannschaft beherbergte, die nach 1276 in die Burg Rödelheim verlegt wurde.
Heute markiert der zur Stadtbefestigung gehörende Rententurm von 1455/56 die Südwestecke des Baukomplexes, nördlich schließt das Zollgebäude von 1840 mit dem erhaltenen Erker des Fahrtores von 1459/60 an. Am Main sitzen der barocke Bernusbau von 1715/17 und der klassizistische Burnitzbau von 1842/43 auf der mainseitigen Stadtmauer des 14. Jhs. auf. Den östlichen Abschluss bildet der rekonstruierte Turm mit der noch originalen Kapelle und dem nördlich anschließenden Palas in seiner ursprünglichen Größe.
Beim Neubau des Historischen Museums wurde am ehemaligen Mainufer der äußerst seltene Befund einer hochmittelalterlichen, steinernen Kaianlage freigelegt, die dendrochronologisch auf die Zeit um/nach 1228 datiert werden konnte. Die Baustruktur wurde konserviert und ist im Innenhof des Historischen Museums einsehbar. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Arch-Untersuchung/Funde:

1936 und 1942 zwei kleinere Ausgrabungen durch Heinrich Bingemer, von denen kaum etwas bekannt ist.
Ausgrabungen durch Otto Stamm von 1958 bis 1962 und beim Bau des Historischen Museums 1970/71. Weitere Grabungen im Zuge des Neubaus des historischen Museums ab 2008.