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Glauburg, hochmittelalterliche Burg

Geschichte:

Eine erste hochmittelalterliche Befestigungsphase auf dem Glauberg folgte nach den archäologischen Erkenntnissen im 11./12. Jh. auf eine ca. 200 Jahre langen Siedlungsunterbrechung. Schriftquellen, die Informationen über die damaligen Besitzverhältnisse und die Rolle der Befestigung geben, sind nicht überliefert. Es wird angenommen. dass ein 1996 an der Enzheimer Pforte im Südwesten geborgener kleiner Hortfund mit Silbermünzen aus der Zeit Heinrichs IV. (1056-1106) mit dieser Befestigungsphase im Zusammenhang steht. 1191 wird eine Kirche in Glauberg ("matrix eclesia in Glouburg") im Besitz des Erzbistums Mainz erwähnt, die aber auch im Bereich der heutigen Kirche im Ort Glauberg gelegen haben kann.
Die Gründung der Glauburg ging von staufertreuen Reichsministerialen der Umgegend aus, die in den Konflikten zwischen Kaiser- und Papsttreuen in der Zeit des Kaisers Friedrich II. ein neues Herrschaftszentrum bilden wollten. Anlass war vermutlich die Zerstörung der Burgen Lindheim und Büdingen durch die Staufergegner um den Mainzer Erzbischof. Eine Ganerbengemeinschaft in der Glauburg wird erstmals in zwei Urkunden des Jahres 1247 erwähnt. Wie auch die archäologisch ergrabenen Zeugnisse zeigen, wurde gleichzeitig eine Stadtgründung versucht, die aber nicht urkundlich bezeugt ist. 1253 wird eine Urkunde von der Gemeinschaft der "Burgmannen und Bürger von Glauburg" besiegelt. Bemerkenswert an der Urkunde ist, dass sich unter den Zeugen auch ein "balistarius", ein Bediener einer Blide, befindet. Das Ende der Stauferherrschaft mit dem Tod Konrads IV. 1254 bedeutete auch das Ende der Ganerbengemeinschaft. Schon in den Folgejahren bestand sie höchstens noch auf dem Papier. In der Literatur wird allgemein eine Eroberung und Zerstörung von Burg und Stadtgründung 1256/57 angenommen. Es existiert aber keine historische Überlieferung dazu. Der Ausgräber Christoph Röder stellt die Hypothese in den Raum, dass die Brandschichten in den mittelalterlichen Kellern nicht von einer Kriegszerstörung, sondern von einer geplanten Niederlegung der Gebäude stammen können. Dazu würde auch die offenbar intentionale Unbrauchbarmachung der Filterzisterne zu diesem Zeitpunkt passen. Damit sollte anscheinend eine erneute Belegung des Burgplateaus so weit wie möglich erschwert werden. Nach dem Ende der Stauferherrschaft bauten die Erben der ehemals papsttreuen Herren von Büdingen ihren Einfluss in der Region aus. Eine Stadt auf dem Glauberg hätte in Konkurrenz zum nahe gelegenen Büdingen gestanden und war deshalb nicht erwünscht. Die 1247 erstmals erwähnten Herren von Glauburg sind ab 1267 als bedeutende Mitglieder des Frankfurter Patriziats nachgewiesen.
In den folgenden Jahrhunderten wurde der Glauberg nur noch spärlich genutzt. Lediglich die Anlage von Weingärten auf den Hängen im Süden und Südwesten durch Luise Gräfin zu Stolberg-Wernigerode in den 1730er Jahren hat Spuren in Form von Weinbergterrassen hinterlassen. 1934 ging der Glauberg aus den Händen der Fürsten von Stolberg wegen der anstehenden Ausgrabungen an das Land Hessen über. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Bauentwicklung:

Die erste hochmittelalterliche Mauer um das Glaubergplateau war die sogenannte Mauer IV, die wahrscheinlich im 11./12. Jh. auf die vorhandene Wallanlage gesetzt wurde. Sie war eine 4-7 m starke Trockenmauer von unklarer Konstruktionsweise. Als erste Befestigung besaß sie ein Tor an der Enzheimer Pforte, zu dessen Schutz ein Außenwall mit Graben angelegt wurde. Vermutlich in den 1240er Jahren wurde auf den alten Befestigungsverlauf eine Mörtelmauer gesetzt und zudem ein Burggebäude mit eigener Befestigung am Nordostende des Plateaus errichtet. Von der gleichzeitigen Stadtgründung stammt jeweils eine Reihe von Kellern an der Nord- und Südseite der Befestigung. In die Mitte des 13. Jhs. datiert auch das Torhaus der Enzheimer Pforte im Südwesten und ein innen vorgelagerter Hof.
Vor dem ersten Weltkrieg wurde durch Eduard Anthes der romanische Torbogen des Burghauses wieder hergestellt. Das Innere des Gebäudes wurde 1976/77 erneut freigelegt und die Mauern gesichert. 2002 wurde die Ruine beträchtlich aufgemauert. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Basaltkuppe des Glaubergs ist ein südwestlicher Ausläufer des Vogelsbergs. Der langgestreckte Höhenrücken erhebt sich mit seinem ca. 800 x 200 m messenden Plateau ca. 150 m über den Talgrund. Die Hochfläche ist von einer aus den vormittelalterlichen Perioden stammenden Wall-Graben-Befestigung umgeben, die auf ihrer leichter zugänglichen Seite im Nordosten eine Höhe von bis zu 12m über der Sohle des vorgelagerten Grabens erreicht. Auf der Nordseite zieht ein Annexwall bis ins Tal hinunter, um ein großes Wasserreservoir einzuschließen. Durch die Befestigung führen vier Eingänge. Die Tore im Nordosten und Süden können aufgrund ihrer Bauweise mit überlappenden Enden eindeutig in die Vorgeschichte datiert werden, wobei die Stockheimer Pforte im Nordostendurch die Zeiten hinweg den Hauptzugang bildete. Mittelalterlich ist der einfache Durchlass der Glauberger Pforte im Nordwesten.
Die stauferzeitliche Befestigung des Glaubergs besteht aus einer 2,10 bis 2,30 m starken, vermörtelten Zweischalenmauer, die auf die Kuppe des vor- und frühgeschichtlichen Walls gesetzt wurde. Ihr Erhaltungszustand ist größtenteils sehr bescheiden, lediglich auf dem Abschnittswall ist sie noch bis in 2,20 m Höhe erhalten. Hier schützte sie als besonders stark ausgebaute Schildmauer die gefährdete Ostseite und die dort befindliche Burg. Im Südwesten wurde an der Enzheimer Pforte im 11./12. Jh. zum ersten Mal eine Toranlage in den Wall gebrochen. Zunächst bestand sie nur aus einer einfachen Öffnung mit hölzernen Wangen, bis sie in der Stauferzeit durch ein ins Innere verschobenes Kammertor mit einem 7,50 x 5,40 m großen Torturm ersetzt wurde. Zusätzlich gesichert wurde das Tor durch einen vorgelagerten Sohlgraben mit Außenwall.
Am Ostrand des Plateaus wurde 1910 ein Burghaus freigelegt, das zur spätstaufischen Burganlage gehörte. Der genaue Zweck des Gebäudes ist bislang nicht zu bestimmen. Das 11,80 x 8,30 m große Gebäude besitzt eine Wandstärke von 1,20 m und einen romanischen Torbogen zur Innenfläche hin. Es ist mit seinem rückwärtigen Ende in den Wall und auch teilweise in den anstehenden Felsen eingetieft. Grabenspuren zu beiden Seiten stammen von einer eigenen, U-förmigen Befestigung. Westlich der Burg befindet sich auf dem Plateau ein 74 x 13,5m großer, rechteckiger Bereich, dessen eingeebnete Oberfläche von einer nur noch zu erahnenden Wall-Graben-Anlage umgeben ist. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um einen zur Burg und Stadtgründung gehörenden Turnierplatz.
Zur hochmittelalterlichen Stadtgründung gehören zwei Reihen von mittelalterlichen Kellern, die sich jeweils auf der Nord- und Südseite im Bereich der vorgeschichtlichen Materialgräben für die Wallschüttung befunden haben. Die nördliche Reihe wurde bereits in den 1930er Jahren und dann wieder 2016/18 ergraben, die Fundamente sind konserviert. Weitere mittelalterliche Steinmauern auf dem Plateau dienten als Unterzüge für Schwellbalkenbauten. Im Südwesten wurde nahe der Enzheimer Pforte auch eine Hofanlage aus der Mitte des 13. Jhs. ergraben. Für eine postulierte Kirche auf dem Plateau fanden sich bislang nur geringe Hinweise im Nordosten, u. a. einige beigabenlose Bestattungen. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Arch-Untersuchung/Funde:

Erste Ausgrabung von 1909 bis 1913 durch Eduard Anthes, bei der das Burghaus freigelegt wurde. Zwischen 1933 und 1939 durch den NS-Gauleiter Hessens Jakob Sprenger geförderte Ausgrabungen durch Hans Richter mit fachlicher Beratung durch Gerhrad Bersu. Die Grabungsunterlagen und ein Großteil der Funde wurden am Ende des 2. Weltkriegs vernichtet. Von 1975 bis 1977 wurde der Zisternenschacht durch den Heimatverein ausgegräumt, dabei kamen Funde von Keramik aus der 1. Hälfte des 13. Jhs.zutage. Seit 1985 erfolgen erneute Ausgrabungen auf dem Plateau und seiner Umgebung durch das hessische Landesdenkmalamt. (Stefan Eismann)