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Eppstein

Geschichte:

Die Burg Eppstein gehört zu den frühesten Burgen im Taunus. Die Annahme, dass sie im 1. Drittel des 10. Jhs als Reichsburg durch den Grafen Eberhard II. aus dem Geschlecht der Konradiner errichtet wurde, beruht allerdings allein auf der Namensähnlichkeit. Die Burg wurde 1122 zum ersten Mal ausdrücklich erwähnt, als sie sich zur Hälfte im Besitz von Udalrich, des letzten Gaugrafen des Königssundergaus, befand. Im Folgejahr übergab dieser die Burg dem mit ihm verwandten Erzbischof Adalbert von Mainz. Kaiser Heinrich V. schenkte die östliche Hälfte der Burg 1124 dem Mainzer Erzstift, das die westliche Hälfte als Reichslehen behielt. 1137 erhielt Graf Gerhard von Nürings das Lehen über die Burg von Mainz. Nach dessen Tod 1171 belehnte der Erzbischof die Edelherren von Hainhausen 1180/90 mit der Burg. Dieses erstmals 1130 erwähnte Geschlecht verlegte seinen Sitz dorthin. Als erstes bekanntes Familienmitglied nannte sich Gottfried I. nach der Burg Eppstein. Das Geschlecht wurde erst 1505 in den Grafenstand erhoben, obwohl sie schon im 13. Jh. Grafenrechte ausübten. Im 13. Jh. erwarben die Herren ein beachtliches Territorium zwischen Spessart und Wetterau und stellten vier Mainzer Erzbischöfe. Das Geschlecht spielte damals eine tragende Rolle in der Reichspolitik. Mit dem Verlust ihrer beherrschenden Stellung im Erzstift während des 14. Jhs. begann ihr Niedergang, bei dem große Teile der Herrschaft wieder verlorengingen. 1318 erhielt die Siedlung Eppstein Stadtrechte nach Frankfurter Vorbild. 1417 wurde die Burg durch die Grafen von Nassau erobert, die sie aber nach einem unmittelbar folgenden Gegenangriff wieder räumen mussten. Bei einer Erbteilung im Jahr 1433 kam Eppstein an die Linie Eppstein-Münzenberg, deren Angehörige weiterhin auf der Burg residierten. Aus wirtschaftlichen Gründen mussten sie 1492 die westliche Burghälfte an den hessischen Landgrafen Wilhelm III. verkaufen. Dieser Teil wechselte mehrfach unter den einzelnen Linien des Hauses Hessen den Besitzer, bis er 1623 an Hessen-Darmstadt kam. Hier saßen bis 1776 Amtmänner bzw. Keller, danach verkam diese Burghälfte. Die östliche Hälfte übertrug 1507 Gottfried IX. von Eppstein-Münzenberg an die Linie Eppstein-Königstein. 1535 ging diese Hälfte mit dem Erlöschen des Geschlechts im Erbweg an die Grafen von Stolberg und 1581 an das Kurfürstentum Mainz, das dort bis 1802 einen Amtssitz unterhielt. 1803 kam Eppstein an das Fürstentum Nassau-Usingen, das in der Osthälfte einen Amtmann installierte. Im gleichen Jahr wurde mit dem Abbruch der verwahrlosten Gebäude in der Westhälfte begonnen, der sich nach dem Abzug des Amtmanns 1809 in der Osthälfte fortsetzte. Das Zerstörungswerk dauerte bis 1823 an, als der österreichische Freiherr Franz Maria von Carnea-Steffaneo di Tapogliano zu Kronheim und Eppenstein die Ruine erwarb, weil er sich irrtümlich für einen Nachkommen der Herren von Eppstein hielt. Nach seinem Tod wurden die als Gärten genutzten Zwingeranlagen durch Eppsteiner Bürger ersteigert, während das restliche Burggelände durch den Historiker Friedrich Gustav Habel angekauft wurde. Dessen Neffe veräußerte die Burg 1869 an Graf Otto von Stolberg-Wernigerode. Dessen Sohn ließ ab 1906 die Mauern durch den Architekten Franz Burkhard freilegen und sichern und schenkte die Ruine 1929 der Stadt Eppstein. Seit dem Zweiten Weltkrieg finden fortlaufend Sanierungs- und Erhaltungsmaßnahmen statt. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte der Burg ist bisher nicht systematisch erforscht worden. Vor allem für die Frühzeit haben die Angaben eher den Status von Vermutungen. Angeblich wurde die Burg in der Mitte des 14. Jhs. durch einen Brand zerstört, was die Gelegenheit zu einem größeren und moderneren Wiederaufbau schuf. 1492 wurde der Brunnen im Teilungsvertrag erstmals erwähnt. Die Landgrafschaft Hessen errichtete 1500 einen Wohnbau im gemeinsamen Burghof. Im Jahr 1600 wurde im Nordflügel des Mainzer Burgteils eine katholische Kirche eingerichtet, diese Räumlichkeiten dienen heute als Burgmuseum. Landgraf Moritz von Hessen-Kassel ließ zwischen 1616 und 1619 die Befestigungen ausbauen. In der kurmainzischen Osthälfte wurde 1682 ein älterer Wohnbau durch einen barocken Neubau ersetzt. Der Abbruch der Burg zwischen 1804 und 1823 ließ nur noch den Bergfried, die katholische Kirche samt Nachbarbau, das Pförtnerhaus und einige Wirtschaftsgebäude übrig. Auch der Brunnen wurde 1804 zugeschüttet. Ab 1906 wurde die Ruine gesichert, einzelne Mauerzüge freigelegt und auch durch den Architekten Franz Burkhard rekonstruiert. Seit 1968 erfolgen immer wieder Sanierungsmaßnahmen. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg Eppstein liegt auf einem nach Westen gerichteten Bergsporn zwischen drei Bächen. Die Bergnase fällt im Süden und Westen steil sowie im Norden etwas sanfter ab und ist im Osten durch einen Halsgraben vom Hinterland getrennt. Ein zweiter Halsgraben weiter östlich ist offenbar unvollendet aufgegeben worden. Eine äußere Barriere bildeten heute verschwundene Teiche im Westen, Osten und Süden von Burg und Stadt. Die Burg wird zudem durch ausgedehnte Zwingeranlagen des 14./15. Jhs. mit halbrunden Schalentürmen geschützt. Der Große Gartenzwinger im Süden wurde erst 1616 als Geschützplattform errichtet.
Der südlichen Längsseite der Hauptburg ist auf der gesamten Breite die Vorburg vorgelagert. Zur Burg führen zwei Zuwegungen im Osten und Westen, wobei die östliche älter ist. Hier gelangt man auf einer Brücke mit Vortor über den 12-15 m breiten Halsgraben zur Vorburg. Der stadtseitige Zugang im Westen entstand erst im Spätmittelalter und wurde durch drei Tore gesichert. Das Pförtnerhaus vor der Vorburg steht auf einem spätmittelalterlichen Geschützturm. In der Vorburg stand bis zu einem Brand im Jahr 1751 an der Südseite der Lange Stall. Von seinen beiden flankierenden Rundtürmen steht nur noch der „Bettelbub“ genannte im Westen in voller Höhe, der andere existiert nur noch als Stumpf.
Die ca. 60 m lange Kernburg war durch eine im Osten als Schildmauer ausgebildete Ringmauer umgeben, die erst 1714 bzw. 1809 auf die heutige Höhe abgebrochen wurde. Im hessischen Burgteil steht in der Nordwestecke der runde Bergfried mit 7 m Durchmesser und heute 24,50 m Höhe, ursprünglich waren es mit Spitzhelm 33 m. Er wurde im 14./15. Jh. auf dem Stumpf eines quadratischen Vorgängers errichtet. Auf der Westseite schließt sich der vierstöckige, romanische Palas an, der um 1500 umgebaut wurde. Im Zwickel beider Bauten steht ein Abortturm. Östlich des Bergfrieds sind die Reste des um 1500 errichteten Küchenbaus, der sog. Kemenate, zu sehen, der bei einem Umbau zu Beginn des 17. Jhs. ein zweiläufiges Treppenhaus an der Seite zum Bergfried erhielt. Im südlichen Innenhof befand sich die Burgkapelle. Die kurmainzische Hälfte war vermutlich seit dem Beginn des 17. Jhs. durch ein Tor von der hessischen abgetrennt. Die dreiflügelige Bebauung dort ist teilweise nur noch als Ruine vorhanden, so auch der dreigeschossige Juchhe-Bau im Süden, die Wohnung des kurmainzischen Kellers. Erhalten blieb ein Wohnbau aus der Mitte des 13. Jhs., der später als Rüstkammer diente und um 1600 zur katholischen Kirche umgestaltet wurde. Heute ist hier das Heimat- und Burgmuseum untergebracht. 1492 wird der östlich anschließende Bau mit Schreiberei und Badestube erwähnt. Nachrichten aus dem Beginn des 18. Jhs. lässt sich entnehmen, dass es sich dabei um ein schiefergedecktes Badehaus mit steinerner Badewanne handelte, das bald darauf aufgegeben wurde. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bei Bauarbeiten wurden im Laufe der Zeit Funde ab dem 13. Jh. zutage gefördert. 1909 wurde der Brunnen unter sucht und dabei Reste des Ziehbrunnens geborgen. 1998 wurde bei Bauarbeiten ein vermutlich als Tankzisterne anzusprechendes Gewölbe entdeckt, das um 1600 verfüllt wurde. Bei Bauarbeiten wurden im Laufe der Zeit Funde ab dem 13. Jh. zutage gefördert. 1909 wurde der Brunnen untersucht und dabei Reste des Ziehbrunnens geborgen. 1998 wurde bei Bauarbeiten ein vermutlich als Tankzisterne anzusprechendes Gewölbe entdeckt, das um 1600 verfüllt wurde.