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Eschborn

Geschichte:

Die Burg Eschborn wurde vermutlich um 1000 gegründet und diente als Sitz des gleichnamigen Reichsministerialengeschlechts. Die Herren von Eschborn erscheinen erstmals 1190 in der schriftlichen Überlieferung. In der betreffenden Urkunde übertrug Werner von Bolanden den Söhnen Walters von Eschborn Besitz im nahen Oberliederbach. Im selben Jahr belehnte Werner die Herren von Eschborn mit den Vogteirechten über die Besitzungen des Mainzer Stephanstiftes in Eschborn. Mit dem Ahnherren Walter von Eschborn lässt sich das Geschlecht auf jeden Fall bis in die Mitte des 12. Jhs. zurückverfolgen.
Die Herren von Eschborn verlagerten ihren Sitz vor 1230 auf die Burg Kronberg als typischer Höhenburg. Zunächst siedelte nur der sogenannte Kronenstamm des Geschlechts um, die andere Linie des Flügelstamms blieb zunächst in Eschborn und folgte erst später. Als erster nannte sich Walters Enkel Otto 1230 nach dem neuen Sitz. Die Herren von Kronberg blieben im Besitz des Reichslehens über die Eschborner Burg bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1704. Die erste ausdrückliche Erwähnung der Burg Eschborn erfolgte 1339 als Ortsangabe im Güterverzeichnis des Rudolf von Sachsenhausen. Der Burgberg - nicht die Burg - wird 1362 im Besitz der Herren von Kronberg erwähnt. 1646 erscheint sie als Burgstall oder Wall in einer Schriftquelle, die zweite Bezeichnung ist eine zeitgenössische Umschreibung für einen Mottenhügel. Zu diesem Zeitpunkt war die Burg aber nur noch eine Ruine, da sie 1622 im Zuge der Schlacht von Höchst im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde. 1614 war der Wohnturm noch von einem Amtmann und einem Pächter bewohnt. Nach der Zerstörung diente die Burg nur noch beim Wiederaufbau des Dorfes ab 1649 als Steinbruch für die umliegende Bevölkerung. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Bauentwicklung:

Die Ausgrabungen haben keine Hinweise auf eine Mehrphasigkeit ergeben. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg zu Eschborn lag nordwestlich des Alten Fronhofs und besaß den Charakter einer typischen Turmhügelburg. Ein 4 m tiefer und 10 m breiter, rechteckiger Trockengraben umgab einen am Ende des 19. Jhs. noch 2 m hohen Hügel von 25 m Seitenlänge. Von den steinernen Baustrukturen wurden bei der Ausgrabung nur noch die Ausbruchgruben aufgefunden. Das Hügelplateau war durch eine rechteckige, 1,20 m starke Ringmauer mit abgerundeten Ecken befestigt. Der Eingang in den eine lichte Weite von ca. 20 m aufweisenden Innenraum befand sich vermutlich im Südosten. Leicht nach Westen verschoben stand im Innenraum ein quadratischer Wohnturm von 10,4 m Seitenlänge bei einer Mauerstärke von 2,75 m. Der Turm war von einer Füllschicht umgeben, die zahlreiche römische Ziegelfragmente enthält. Da diese Schicht in seinem Inneren fehlt, ist der Turm offenbar nach seinem Bau eingemottet worden, wobei man das Material einem nahegelegenen antiken Siedlungsplatz entnahm. Südlich und östlich des Turms wurde die mächtige Brandschicht eines unterkellerten und mit Schiefer gedeckten Fachwerkgebäudes ergraben. Östlich benachbart befindet sich der Solmssche Hof, der vermutlich der Burg als ehemaliger Wirtschaftshof zuzuordnen ist. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Arch-Untersuchung/Funde:

1895/96 Ausgrabung durch Christian Ludwig Thomas, aus dem Brandschutt innerhalb des Wohnturms kann Keramik aus der 1. Hälfte des 17. Jhs. zutage. Die Ausgrabung geschah auf Initiative der Kaiserin Friedrich, die nach dem Tode ihres Gatten Kaiser Friedrich III. in Kronberg ihren Sitz nahm und an den Ursprüngen des dortigen Adelsgeschlechts interessiert war.
1984 Sondageschnitte der Historischen Gesellschaft Eschborn.