EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Hofheim i. Taunus

Geschichte:

Der Ort Hofheim erhielt 1352 durch Kaiser Karl IV. Stadtrechte verliehen. Im Zuge der darauf erfolgten Umwehrung der Stadt wurde durch Graf Philipp VI. von Falkenstein 1354/55 eine Wasserburg errichtet. 1356 wurde diese erstmals erwähnt, sie war zu diesem Zeitpunkt bereits fertiggestellt. Zwischen 1364 und 1366 mündete eine Fehde Philipps mit Ulrich III. von Hanau in einen Reichskrieg gegen Philipp, bei dessen Beginn Burg und Stadt Hofheim durch die Stadt Frankfurt erobert und besetzt wurden. Ungefähr zwei Jahre darauf ging beides vermutlich gewaltsam an das Kurfürstentum Mainz, das 1433 eine Kellerei in der Burganlage einrichtete. Die Burg wurde mehrmals verpfändet, u. a. 1429 an die Herren von Kronberg. 1460 wurde sie aber vom Erzstift zurückerworben. Ab 1478 besaßen die Herren von Eppstein-Königstein die Burg als Pfand. Als ihre Erben folgten 1535 die Grafen von Stolberg. Nach Einlösung des Pfandes gelangten 1561 Burg und Stadt wieder an Mainz. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg beschädigt und anschließend teilweise abgebrochen. In der Folgezeit wurde die Anlage nur noch wirtschaftlich genutzt. In ihrer Nachbarschaft entstand 1720/22 ein neues Mainzer Amtsgebäude, das den Kurfürsten auch als Landsitz diente. Die Burg wurde als Wirtschaftshof für die dortige Hofhaltung genutzt. In den Revolutionskriegen wurde in der Burg durch französische Truppen ein Lazarett eingerichtet. 1819 verkaufte das Herzogtum Nassau das Burggelände an einen örtlichen Kaufmann, der dort Vieh einstallte und Lagerräume schuf. 1875 erwarb die Stadt Hofheim die Wasserburg und nutzte das Areal weiterhin zur Viehhaltung. Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergten die Burgmauern den Bauhof, eine Karnevalsgesellschaft und das THW. Heute ist hier ein "Haus der Jugend" untergebracht. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Bauentwicklung:

Die Ringmauer ist nach Aussage von dendrodatierten Gerüsthölzern, die darin verbaut waren, in den Jahren 1354/55 errichtet worden. Sie gehört somit zum Gründungsbaubestand der Burg ebenso wie das südliche Tor und wahrscheinlich auch der Wohnbau im Westen. Die letzten Gebäude der Innenbebauung wurden in der Zeit um 1570 errichtet, ein Marstall-Speicher-Gebäude nahm die vollständige Südseite des Hofes ein. Außerdem ist aus dem Jahr 1564 ein "neuer Bau" überliefert, der wahrscheinlich mit ergrabenen Fundamenten im Nordosten identifiziert werden kann. 1578 wurde ein "alter Bau" abgebrochen, vermutlich der ursprüngliche Wohnbau der Burg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg stark beschädigt. 1651 wurde eine Reparatur der Anlage angeordnet, aber nie durchgeführt. Nachdem sie durch einen Sturm weiter in Mitleidenschaft gezogen wurden, wurden die Burggebäude 1667 abgebrochen. Die spätere wirtschaftliche Nutzung der Anlage hatte 1687 die Errichtung eines Kelterhauses im Nordwesteck zur Folge. Am Ende des 18. Jh. bestand die Innenbebauung außer der Kelter aus Keller, Speicher, Scheuer und Stallungen. Um das Areal erstreckte sich der Garten des Amtsvogtes. Die Baugeschichte spiegelt sich auch in der Freilegung von vier Hofpflasterungen mit unterschiedlichen Bauniveaus, die ins späte 15, 16., 17. und 18. Jh. datiert werden können. Im Südosteck wird das ursprüngliche Küchengebäude vermutet, später befand sich dort offenbar eine Schmiede und schließlich ist dort ein Fachwerkgebäude unbekannter Zweckbestimmung errichtet worden. Die französische Besatzung in den Revolutionskriegen fügte den Bauten einen solchen Schaden zu, dass sie mit Ausnahme der Kelter an der Westseite bis 1804 abgerissen wurden. Einige Jahre später wurde der Wassergraben verfüllt. Das bestehende Kellereigebäude nördlich außerhalb der Burg wurde zwischen 1717 und 1722 errichtet. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die heute noch bis zu einer Höhe von 10 m erhaltene Ringmauer von 2 m Stärke umschließt ein quadratisches Areal von 32 m Seitenlänge. Sie ist das einzige Überbleibsel des im 17. Jh. beseitigten, spätmittelalterlichen Baubestands, der sich aber aus Bauspuren und archäologischen Beobachtungen weitgehend rekonstruieren lässt. So befand sich im südlichen Abschnitt der Ringmauer ein Torturm mit einer Wippbrücke. Das Alter des heutigen Torzugangs mit Steinbrücke im Norden ließ sich bisher nicht bestimmen. Der Wohnbau saß in der Nordwestecke, ein weiteres Gebäude im Südwesteck. Ein drittes Gebäude im Südosteck ließ sich anhand zweier Trockenmauerfundamente identifizieren. Im Südosteck wurden Reste eines Brunnens gefunden, ein zweiter wurde im 17. Jh. im Nordosteck gegraben. Die vier bei Merian eingezeichneten Ecktürme konnten während der Untersuchungen nicht aufgefunden werden, vermutlich haben sie nie existiert. Aus der Südwestecke der Ringmauer konnte bei den Bauuntersuchungen das Fragment eines römischen Grabsteins geborgen werden. Die Ringmauer erhob sich ursprünglich deutlich höher über das umliegende Gelände. Sowohl innerhalb wie außerhalb der Ringmauer ist Boden aufgeschüttet worden. (Stefan Eismann/Reinhard Friedrich)

Arch-Untersuchung/Funde:

1990/91 Bauaufnahme und Ausgrabung im Innenhof mit Funden ab dem 14. Jh.