EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Aach, Alter Turm

Geschichte:

Die Burg ist in den historischen Quellen nicht überliefert. Laut der 14C-Datierung des Mauerwerks in die Zeit um das Jahr 1000 handelt es sich um eine der ältesten Belege für eine aus Stein errichtete Burg in Süddeutschland. Die frühe Datierung macht vergangene Versuche zur Bestimmung der Erbauer obsolet. Für das 12. Jh. vermutet Helmut Maurer, dass dort die zwischen 1100 und 1176 mehrfach in den Schriftquellen erwähnten Edelherren von Aach gesessen haben.
Nachdem Aach im 12. Jh. an das Bistum Konstanz gelangt war, soll die Burg für Jagdaufenthalte der Bischöfe gedient haben und angeblich im Städtekrieg 1387 zerstört worden sein. Für diese Annahmen fehlen aber die Belege. Dagegen sprechen auch die fehlenden Funde aus dem 13./14. Jh. Ein Ende der Burg ist spätestens um 1200 anzunehmen. Der Name "Alter Turm" ist erstmals aus dem Jahr 1462 überliefert. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die Errichtung des Turms lässt sich anhand der 14C-Datierung von Holzkohlebröckchen im Mörtel in die Zeit zwischen 990 und 1020 datieren. Die Lesefunde zeigen an, dass die Burg noch zu Beginn des 12. Jhs. bestand, möglicherweise ist sie schon danach angegangen. Steine der Ruine wurden 1770 für den Neubau einer Straße durch Aach verwendet. 1997 wurde die Turmruine unsachgemäß, 2011/13 denkmalgerecht saniert. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg liegt auf einer Bergkuppe, die nach Süden steil ins Eigeltinger Tal abfällt. Das ca. 32 x 30 m Größe messende Burgareal ist von einem fast halbrunden Sohlgraben umgeben, der ca. 3 m tief und 12 bis 15 m breit in den Kalkstein eingeschrotet wurde. Schuttwälle am Plateaurand können von einer Ringmauer stammen. Im Westen steht leicht erhöht die bis zu 8 m hoch erhaltene Ruine eines Wohnturms von ca. 9 x 15 m Größe bei einer Mauerstärke von 1,8-2,0 m. Die Westwand und Teile der Nord- und Südwand sind noch bis in eine Höhe von 8,50 m erhalten. Der Ostteil ist zerstört und der dortige Mauerverlauf nur noch anhand von Schuttwällen grob erkennbar. Vermutlich war der Turmgrundriss fünfeckig. Im Inneren lassen sich drei Geschosse anhand von Mauerrücksprüngen erkennen. Die Mauerinnenfüllung ist in opus spicatum-Technik gefertigt, während die Schalen aus Kleinquadern des anstehenden Kalkes gemauert sind. Der rundbogige Hocheingang liegt an der Südseite in ursprünglich ca. 4 m Höhe, was durch den umgebenden Schutthügel von 3 m Höhe nicht mehr erkennbar ist. Eine stellenweise sichtbare Rotfärbung des Mauerwerks weist auf Feuereinwirkung hin; ob dies durch eine gewaltsame Brandzerstörung geschah, muss offenbleiben. Weiße Farbreste auf der Westfassade in 4-5 m Höhe stammen aus der 1. Hälfte des 20. Jhs., als der Turm als Reklametafel missbraucht wurde. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Lesefunde von Keramik des 11. und frühen 12. Jhs. Herausragend ist der Fund einer frühen Schachfigur - einer Dame - aus Hirschgeweih.