EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Gaienhofen

Geschichte:

Es wird angenommen, dass der Konstanzer Bischof Gebhard III. von Zähringen (1085-1110) eine erste Burg in Gaienhofen erbauen ließ, da er damals größeren Besitz auf der Halbinsel Höri erwerben konnte. Möglicherweise diente sie zu Jagdaufenthalten in den dortigen Wäldern. Das erste Mal in der historischen Überlieferung erscheint die Burg aber erst im Jahr 1295, als Graf Hugo von Werdenberg-Heiligenberg zugunsten von Albrecht von Klingenberg, der als Reichsvogt in Konstanz amtierte, auf seine Rechte an der Burg verzichtete. Albrecht übergab sie 1300 seinem Bruder, dem Konstanzer Bischof Heinrich II. von Klingenberg, samt Dorf und Vogtei zum persönlichen Besitz. 1311 fiel die Burg an das Bistum zurück. 1332 verpfändete Bischof Rudolf von Montfort die Burg an Heinrich von Klingenberg, um die Zahlungsverpflichtungen bedienen zu können, die er zur Erlangung des Konstanzer Bischofsamtes eingegangen war. Auch in den folgenden Jahrhunderten war die Burg meist verpfändet. Ab 1421wurde die Burg Sitz einer bischöflichen Vogtei, wobei die Vögte allerdings nur verkappte Pfandinhaber waren. 1497 ist erstmals ein bischöflicher Vogt als reiner Amtsträger ohne Pfandbesitz nachweisbar. Die Burg blieb fortan unter direkter bischöflicher Herrschaft. Den Schweizerkrieg 1499 und den Bauernkrieg 1525 überstand die Burg ohne Beschädigungen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg in unbekanntem Ausmaß durch Feuer zerstört. Mit der Säkularisation fiel das Schloss 1803 an das Großherzogtum Baden. 1821 wurde es an einen adeligen Hauptmann veräußert und ging bis zum Ende des Jahrhunderts noch durch mehrere Hände. 1906 wurde durch die damalige Besitzerin Bertha von Petersen im Gebäude ein Landerziehungsheim für Mädchen eingerichtet. Seit 1946 befindet sich im 1952 durch die evangelische Landeskirche erworbenen Schloss eine Internatsschule. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die mittelalterliche Baugeschichte der Burg ist unbekannt. Es ist möglich, dass die erste Burganlage an einem anderen Ort stand als das heutige Schloss, denn 1486 wird im "Gaienhofer Weistum" im bischöflichen Weingarten ein Sonderbezirk namens "Burgstall" erwähnt. Die Burganlage, die den Kern des heutigen Schlosses bildete, wurde um 1300 erbaut. Nach dem Brandschaden von 1633 blieb das Schloss zunächst in ruinösem Zustand. Erst unter dem Konstanzer Fürstbischof Marquard Rudolf von Rodt (1689-1704) wurde die Anlage wieder instandgesetzt und barock ausgebaut. 1854 wurde der letzte quadratische Eckturm an der Ringmauer abgebrochen. 1925 brannte das Schloss aus. Die Nutzung als Internat erforderte Umbauten am Schlossbau und die Ergänzung durch moderne Gebäude. 1950/51 wurde der Verwaltungsbau im Südosten errichtet. 1955, 1958 und 1961 wurde das Schloss renoviert. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Das Schloss liegt auf einem nach Süden zum Bodensee abfallenden Hang. Umgeben ist das ca. 42 x 57 m große, rechteckige Areal auf drei Seiten von einem 20 m breiten und bis zu 8 m tiefen Trockengraben. In diesem sind heute Parkanlagen und Tennisplätze angelegt. Außen verläuft im Süden noch ein Teil der Ringmauer, die ursprünglich vier rechteckige Ecktürme aufwies. Das heutige Schlossgebäude ist in einem schlichten Barockstil gehalten und misst 21,50 x 15,50 m. Der dreigeschossige Bau integriert mittelalterliche Bausubstanz, was an verschiedenen Maueröffnungen erkennbar ist. Über dem Portal auf der Seeseite ist das Wappen des für den barocken Umbau verantwortlichen Bischof Rudolf von Rodt angebracht. Im Nordosteck der Ummauerung schließt sich der ehemalige Marstall an. In seiner Nordecke sind Eckbuckelquader aus Sandstein verbaut. Nach Südwesten folgt in der selben Flucht ein Wohngebäude, das an der Stelle eines Wirtschaftsgebäudes errichtet wurde.
Es ist heute nicht mehr zu erkennen, warum die Anlage früher das "Schloss der neun Türme" genannt wurde. Denkbar ist, dass damit neben den vier Ecktürmen an der Ringmauer, auch vier Türme an den Ecken des Wohnbaus und ein Treppenturm oder Bergfried gemeint war. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Keine