Geschichte:
Die Burg in Radolfzell entstand an der Stelle des ehemaligen Kelhofs der Abtei Reichenau. Sie diente als Sitz der Amtmänner des Klosters Reichenau und Quartier der dortigen Äbte. Nach der Stadterhebung im Jahr 1267 wurde der Amtssitz durch die neu errichtete Stadtmauer in den Stadtbereich einbezogen. 1345 wird die Burg als Ausstellungsort von Urkunden des Reichenauer Abts Eberhard von Brandis erstmals erwähnt. 1376 war die Burg in österreichischem Besitz. 1415 war Papst Johannes XXIII. als Gefangener des Konstanzer Konzils einen knappen Monat hier inhaftiert. 1421 erwarb die Stadt Radolfzell das Pfand über die Burg. Ab 1538 war die Burg endgültig im Besitz der Stadt, wurde aber von Österreich noch bis in das 17. Jh. weitergenutzt. Die Burg war schon damals in Verfall begriffen, die Gräben waren verfüllt. Im 19. Jh. wurde sie als Scheune genutzt, später diente sie als Schulgebäude, heute ist sie ein Wohnhaus. (Stefan Eismann)
Bauentwicklung:
Das Burggebäude entstand in der ersten Hälfte des 13. Jhs. noch vor dem Stadtmauerbau von 1267. 1830 und 1885 wurde es vollständig umgestaltet. Ein bisher vermuteter Neubau über den alten Grundmauern kann aufgrund der bauhistorischen Untersuchungen, die hochmittelalterliche Bauteile ergaben, nicht stattgefunden haben. (Stefan Eismann)
Baubeschreibung:
Die Burg liegt am östlichen Ende der Altstadt von Radolfzell mit seiner Rückseite in der Flucht der Stadtmauer. Die Stadtburg stellt sich heute als zweigeschossiges Wohnhaus mit Walmdach dar, das wohl aus einem auf einer Stadtansicht von 1560 abgebildeten Turm hervorging. Ursprünglich wurde vermutet, dass das heutige Gebäude ein Neuaufbau des 19. Jhs. ist. Doch hat eine Bauuntersuchung ergeben, dass sich unter dem Putz Eckbuckelquader, ein erhöhter Eingang auf der Südseite, ein Lichtschlitz und an der Westfassade die Reste eines gotischen Erkers verbergen.
Mehrere Nennungen eines Burggrabens in den Urkunden ab dem Jahr 1386 zeigen eine eigene Befestigung der Burg an. Diese ist aber heute nicht mehr erkennbar, das ursprüngliche Ausmaß der Anlage ist somit unbekannt.
Erklärungsbedürftig ist ein auf der Stadtansicht von 1560 dargestelltes, hohes Gebäude mit Satteldach im Nordosteck der Altstadt. Dieses macht mit seinen mindestens zwei Geschossen und einer Tourelle einen herrschaftlichen Eindruck und wurde in der Literatur zum Teil als die eigentliche Burg angesehen. Doch befindet sich in diesem Bereich der Höllturm als Teil der Stadtbefestigung, der wiederum auf der Stadtansicht fehlt. Für die Existenz eines größeren Gebäudes in seinem Umfeld oder an seiner Stelle gibt es trotz archäologischer Untersuchungen keine Indizien. (Stefan Eismann)
Arch-Untersuchung/Funde:
1989/90 Bauaufnahme der Fassade.