EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Enzersdorf

Geschichte:

Die Anfänge der freisingischen Präsenz an der Marchfelddonau werden seit jeher mit der 1021 datierten Schenkung einer Insel "Sahsonaganc dicte" durch K. Heinrich II an das Kloster Weihenstephan in Verbindung gebracht. Die Grenzen des Schenkungsgutes waren zwar nur ungefähr umrissen, aber die Beschreibung lässt sich aber ungefähr mit dem Gebiet, das später dem Umfang der Hft. Groß-Enzersdorf entsprach, in Deckung bringen. Auseinandersetzungen um divergierende Herrschaftsansprüche in diesem Gebiet durch Freising und Passau, sowie die Hrn. v. Cham-Vohburg und die Babenberger dürften ihren Hintergrund in der konkurrierenden Kolonisationspolitik des 11. Jhs. sowie im Investiturstreit haben. Eine Folge dieser Konflikte war, dass Freising die Hrn. v. Himberg-Pillichsdorf als landesfürstliche Untervögte akzeptieren musste. Eine Konsolidierung der Hft. Enzersdorf in Freisingischer Hand ist für die M. d. 12. Jhs. zu konstatieren. Aus dieser Zeit stammen erste urbarielle Aufzeichnungen über das "officium Encinesdorf". 1189 gelang Freising die Abgabenbefreiung an die österreichischen Hzge. In dieser, in der Burg von (Groß-)Enzersdorf von Hzg. Friedrich I. ausgestellten Urkunde werden erstmals freisingische Ministeriale genannt, wie "Otto v. Waldekke" und Fridericus de Pastperch, welche der Urkundenlage nach wohl auch in und um Großenzersdorf über Sitze verfügten. 1246 wird ein "iudex" in Groß-Enzersdorf genannt, wobei es einen derartigen wohl schon wesentlich länger seit Erlangen der Niedergerichtsbarkeit 1189 gegeben haben wird. 1246 war Groß-Enzersdorf wohl auch schon längere Zeit Markt.
Aus dem Jahr 1265 stammt eine erste Nennung der bischöflichen Burg in Großenzersdorf im sog. "Notizbuch" des Bfs. Konrad von Freising. In dieser für diesen Zeithorizont außerordentlich detaillierten, inventarartigen Beschreibung der Burg werden mehrere Zimmer, darunter eine "camera domini" und eine "super porta castri", die vorwiegend mit Waffen und Rüstungsgegenständen gefüllt waren, erwähnt (FRA II/36, 105 ff.). Für die Wartung der verschiedenen Armbrusttypen wurde ein Armbrustmacher ("balistarius") beschäftigt, für den in der Burg sogar eine "domus balistarii" vorhanden war. In der Burgkapelle befand sich neben einem Urkundenarchiv in einer eisenbeschlagenen Truhe auch ein Waffendepot.
In frühhabsburgischer Zeit erhält Freising für seine Hft. auch die Blutgerichtsbarkeit. Im Jahr 1312 setzt Bf. Gottfried v. Freising seinen Burggrafen und Pfleger zu Großenzersdorf Reinprecht von (Kaiser-)Ebersdorf zum Bevollmächtigten auf den hzgl. Land- und Hoftaidingen ein (NÖUB Vorausband, 422, Nr. 115). 1396 wird Großenzersdorf zur Stadt erhoben. 1483 erobert Ungarnkönig Matthias Corvinus Enzersdorf. 1500 wird die Burg als "zerbrochen slos" bezeichnet. Bei Vischer 1672 noch abgebildet, wird sie 1825 tlw. abgetragen, 1827 brennt eine darin eingerichtete Brauerei ab. Das Areal ist seither Besitz der SG Großenzersdorf.
(G.R., T.K.)

Bauentwicklung:

Die 1265 bzw. 1316 inventarartig beschriebene Burg lässt sich mit dem spärlich erhaltenen Bauresten nicht mehr in Verbindung bringen.

Baubeschreibung:

Der Burgbereich wird von 2 Gebäudeflügeln bestimmt, die im Kern aus dem 19. Jh. stammen. Der westl., modern adaptierte Trakt, Hauptplatz Nr. 12, beherbergt heute ein Gemeindezentrum mit den Stadtsälen, der südl. Trakt Amtsräume. Auf dem Areal wurde bereits 1720 eine Brauerei eingerichtet, die 1827 abbrannte und ab 1836 neu errichtet wurde. Vermutlich wurden wesentliche Teile der Burg 1825 abgetragen. In der Folge gelangte das Areal in den Besitz der Gemeinde, der Brauereibetrieb wurde 1854 stillgelegt. Der freie Hofraum wird heute nur noch von einer Umfassungsmauer umgeben, die jedoch zumindest in Teilen auf den mittelalterlichen Bering zurückgeht. Dieser umgab relativ geradlinig verlaufend ein annähernd rechteckiges Areal. An der NW-Ecke der Stadtsäle ist die entsprechende Ecksituation des Berings sichtbar belassen, das kleinteilige, lagerhafte Bruchsteinmauerwerk lässt die Ausbildung von Kompartimenten erkennen, eine Datierung ab dem späten 13. Jh. erscheint folglich möglich. Analoge Strukturen sind im weiteren über die N-Seite zu verfolgen. Die zahlreichen Bogenstellungen an der Hofseite und mehrere große Rundbogenöffnungen entstammen mit ihrem Ziegelmauerwerk aus einer jüngeren, wohl bereits nachburgzeitlichen Bauphase. Der mglw. als äußerer Bering rekonstruierbare Mauerzug umschließt ein relativ großflächiges Areal, die Burg selbst könnte als isolierter Bau im Inneren zu suchen sein. Während die Freisingergasse unmittelbar nördl. dem Bering folgt, könnte die durch Häuserparzellen getrennte Elisabethstraße den äußeren Verlauf einer ehem. Wallgrabenanlage im N kennzeichnen.
(G.R.)