EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Wallsee

Geschichte:

Unmittelbar vor dem heutigen Schloss lag das antike Limeskastell Adiuvense, dessen rechteckiger Grundriss den Markt Wallsee prägt. Im besser geschützten, ovalen Schlossbereich könnte sich im hohen Mittelalter eine Ringburg der Sunilburger (Sindelburg) entwickelt haben (eventuell lag sie auch am oberhalb gelegenen Kirchenplateau). Bereits 1060/1088 wird ein Edler von Sunhilburch genannt, im frühen 12. Jahrhundert sind die Brüder Walchun und Konrad von Sunilburg genannt, mit ihrem Aussterben 1136 fällt der Besitz an Dorothea von Machland. Angeblich wird die Burg um 1147 aufgegeben. Dennoch taucht noch um 1250/60 die Bezeichnung "Ringberch" auf, hier sitzen landesfürstliche Ministeriale, die sich "von Ringberg" nennen. Demnach scheint auch fraglich, ob die Herrschaft im 13. Jahrhundert tatsächlich nur von der 3 km entfernt gelegenen Burg Sommerau (Sumerau) aus verwaltet wird.
1298 kommt das Gebiet an die Wallseer, die ab 1301 in Sindelburg nachweisbar sind. 1368 wird wohl in Zusammenhang mit der Anlage einer neuen Burg unter Heinrich VI. der Name auf "Neuen bzw. Nieder Wallsee" (im Gegensatz zur 1364 errichteten Burg Oberwallsee) umgeändert. Gleichzeitig wird der Markt neu angelegt und mit einer ab 1362 nachweisbaren Kirche ausgestattet. Das mächtige Geschlecht der Wallseer, das im 14. Jahrhundert in Oberösterreich mehrere Landeshauptleute stellt und das Erbmarschallamt inne hat, entwickelt sich bis zum Aussterben 1483 zu einem der führenden Adelsfamilien unter der Habsburgern. Durch eine Erbtochter kommt Wallsee nach 1506 an den Hofmarschall Reinprecht v. Reichenberg, doch erst dessen Sohn gelangt nach langen Prozessen in den Besitz der Burg. 1570 folgt Ruprecht Welzer v. Spiegelfeld, 1597 Nimrod Kölnpöck, 1614 Christoph Weiß v. Wierting und 1630 Gf. Guiard, Frh. v. St. Julien, dessen Familie bis 1755 Schlossherr bleibt. Nachfolger wird Leopold Gf. Daun, dessen Nachkommen 1810 an Gf. Wimpfen verkaufen. Bereits 1817 kommt das Schloss an die Gfn. Wickenburg, 1862 an Ernst II. Hzg. v. Sachsen-Coburg-Gotha und 1895, auf Wunsch K. Franz Josefs I., an Ehzg. Franz Salvator v. Österreich und dessen Gattin. Dessen Nachkommen bewohnen noch heute das Schloss.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Da die seit dem 11./12. Jh. urk. erschließbare Burg seit einem massiven Neu- und Umbau von 1895-97 weit gehend unter Putz ist, sind kaum Aussagen zur Baugeschichte möglich. Auch der unter den Hrn. v. Wallsee 1368-88 getätigte Ausbau der Anlage kann keinen der erhaltenen Baukörper gesichert zugeordnet werden.

Baubeschreibung:

Die großräumige Anlage gliedert sich in eine durch einen tiefen Felsgraben isolierte Kernburg sowie einen halbkreisförmigen Kranz neuzeitlicher Ausbauten.
Aufgrund der seit dem Wiederaufbau 1895-97 beinahe flächendeckend verputzten Mauern kann die bauliche Entwicklung und Datierung der Kernburg nur aus dem Grundriss und wenigen Baudetails erfolgen. Demnach zeichnet sich ein trapezförmiger Erstbau ab, dessen maximale Ausdehnung 43 x 43 m beträgt. In offenbar bemerkenswerter Konsequenz wurde der dominante fünfeckige Bergfried als keilförmiger Eckpunkt der gefährdeten Landseite derart vorgestellt, dass die Burganlage sich in seinem Schutz ausbreiten konnte. Die gegenüber liegende Talecke erhielt eine schmale Abschrägung. Der rechteckige Turm von 8.5 m Seitenlänge besitzt somit eine vorgestellte Keilspitze mit maximaler Mauerstärke von 6 m, die restlichen Mauerstärken der Burg betragen zwischen 2.3 und 2.5 m. Nach einem Teileinsturz 1861 wurde der Turm bis zum 2. Geschoß mit Schutt aufgefüllt, hier befindet sich der Hocheinstieg. Ein weiteres spitzbogiges Portal im 4. Geschoß könnte einst auf den umlaufenden Beringwehrgang geführt haben. Der 42 m hohe Turm zeigt einen heute erneuerten schmäleren Turmaufsatz mit Uhrwerk, der bereits bei Merian und Vischer im 17. Jh. zu sehen ist. Die Erstphase der Burg ist nur aufgrund des Grundrisstyps, der bemerkenswert starken Mauern und des Spitzbogenportals im Turm ins ausgehende 13. bzw. ins 14. Jh. zu datieren, eine sichere Zuordnung in die urkundlich fassbare Neubauzeit von 1368-1388 ist somit nicht möglich. Auch die Ausscheidung primärer Einbauten muss offen bleiben, im NW zeichnet sich ein homogener Baukörper von 18 x 25 m ab, dessen ähnliche Mauerstärken vielleicht zum Erstbau passen.
Ebenso lässt sich nur konzeptionell die Anlage eines bergseits vorgelagerten schmalen Zwingers nachvollziehen, der aufgrund großer Fehlstellen bereits früh mehrfach in den Graben abgestürzt sein dürfte. Das darin im W gelegene, stark überformte Burgtor zeigt durch seine Konzeption als Doppeltor (Fahrtor und Gehtür) mit hohen Spitzbogengewänden und Zugbrückennischen noch die regionaltypischen Elemente spätgotischer Toranlagen des 14. bzw. 15. Jhs, eine eindeutig sekundäre gewölbte Innenhalle belegt dieses Alter.
Vorgelagert befindet sich ein im Graben isolierter weiterer Torbau, der heute auf einem hohen Felskopf steht. Obwohl seitlich reines Ziegelmauerwerk zu sehen ist, deutet das großformatige Doppeltor aus Granitquadern, das deutliche Analogien zum inneren Tor aufweist, auf eine entsprechende Datierung. Auch Merian zeigt 1649 diesen Torbau. Darüber sitzt ein renaissancezeitlicher Erker mit Schlüssellochscharten.
Völlig offen muss bis zu entsprechenden Untersuchungen die Entschlüsselung der Hofeinbauten der Kernburg bleiben, deren umlaufend randständige Anlage bereits bei Vischer zu sehen ist. Der Flankenturm beim Tor dürfte aufgrund der Eckquaderung ebenso wie ein entsprechender N-Turm und der S-Trakt mit kleiner Wendeltreppe noch der Spätgotik entstammen. Auch die stark überformte Schlosskapelle mit Polygonalchor und Netzrippengewölbe ist dieser Zeit zuzuordnen.
Vor 1649 wurde das gesamte Schloss nachhaltig umgebaut. Der Kernbau erhielt schwere Gewölbe sowie einen heute verbauten Arkadengang. Im vorgelagerten Torturm wurde ein reich ornamentiertes Stuckgewölbe eingestellt. Der Bergfried erhielt seinen charakteristischen Aufsatz mit Arkadenumgang und hohem Helm. Der wesentliche Ausbau betraf jedoch das Vorgelände. Hier wurde landseits ein weiter Halbkreis von 200 m Durchmesser durch eine hohe Ringmauer mit drei Geschütztürmen sowie einem polygonalen Torbau und vorgelagertem Graben angelegt. Die rechteckigen Geschützscharten zeigen zeittypische Abtreppungen. Die kleinen Turmaufsätze des Torbaus sind bereits bei Vischer 1672 dargestellt. Demnach ist auch die innen liegende durchgehende Verbauung mit zweigeschoßigen Wirtschaftstrakten parallel entstanden, sie wurde jedoch im 19. Jh. weitgehend erneuert. Zum Tal führte ein Zwinger den Mauerring weiter, er wurde gemäß Merian im O von einer Turmfolge verstärkt.
Seit dem 16. Jh. bestand bis 1895 am Felsen der Kernburg eine Mühlsteinindustrie, die bis ans Schwarze Meer lieferte. In diesem Zeitraum wurde der innere Burggraben ständig senkrecht abgetieft, so dass die Kernanlage heute völlig isoliert auf einem hohen Felssockel liegt, der stellenweise noch die charakteristischen halbrunden Ausstemmungen der Mühlsteine aufweist.
Nach dem Teileinsturz der Kernburg 1861 wurde 1895 bis 1897 ein Großteil der Schlossanlage grundlegend erneuert, unter anderem der S-Trakt, der Torbau und der äußere Torturm. Im Vorgelände entstanden große Parks sowie ein historistisches Reitschulgebäude.
(P.S.)