EBIDAT - Die Burgendatenbank

Menu

Ybbs I

Geschichte:

Aufgrund einer verschollenen Inschrift des 4. Jahrhunderts wird in Ybbs der Standort eines römischen Burgus vermutet. Im 10. Jahrhundert gehört das Gebiet den Grafen von Sempt-Ebersberg, die 1045 aussterben. 1058 taucht "ibese" als landesfürstlicher Besitz erstmals urkundlich auf, 1073 wird die Siedlung Ybbsburg genannt, wobei noch keineswegs an eine klassische Burg gedacht werden kann. Erst um 1130/35 nennt sich ein ritterliches Geschlecht nach Ybbs/Ibise. Im frühen 13. Jahrhundert dürfte die ansatzweise regelmäßige Siedlung auf halbkreisförmigen Grundriss entlang der Donau neu angelegt worden sein, Mitte des Jahrhunderts hat sie urkundlich Marktcharakter, 1239 und 1240 hält sich Herzog Friedrich II. längere Zeit in Ybbs auf. 1274 wird eine landesfürstliche Maut genannt, 1276 wird Ybbs als civitas bezeichnet. 1280 sind die Zehenten der Stadt dem Bistum Passau zugeschrieben, die Stadtbefestigung wird 1287 erstmals genannt, 1311-17 werden stadtrechtähnliche Privilegien vergeben. 1480 und 1529 wird die Stadt vergeblich belagert, jedoch 1461, 1463, 1465, 1473, 1597, 1619 und 1620 eingenommen und verwüstet.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Der im Ensemble des "Passauer Hofes" erhalten gebliebene Saalbau kann auf Grund seiner Detailformen der Zeit um 1230 datiert werden, weshalb eine Errichtung unter den babenbergischen Landesfürsten Leopold VI. oder Friedrich II. als sehr wahrscheinlich gilt.

Baubeschreibung:

Im Bereich der Stadt gab es vier mittelalterliche Herrschaftskomplexe.
Etwas außerhalb hat sich auf einem Hügelsporn, der heute vom Denkmal für die Napoleonischen Kriege dominiert wird, ein runder Burghügel mit Resten von Wällen und Gräben erhalten. Keramik datiert diese Anlage wohl ins 11./12. Jahrhundert.
In der Kirchengasse Nr. 12/14 stecken Reste einer kleinen Stadtburg, die bis 1783 als Mauthaus gedient hat. Der vierflügelige Bau um einen kleinen Hof zeigt einen spätgotischen Erker sowie eine turmartige Kapelle des 14. Jahrhunderts.
Das heutige Schloss des 17. Jahrhunderts steht auf dem Standort der ehemaligen landesfürstlichen Burg, die seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar ist, aber schon im 15. Jahrhundert verfiel. Es ist nicht bekannt, ob der homogene Baukörper ältere Reste inkludiert.
Als wichtigstes erhaltenes Profangebäude der Stadt gilt der Passauer Hof, der Verwaltungssitz des Passauer Bistums in Ybbs. Direkt neben der Pfarrkirche steht auf einem erhöhten Granitfelsen über der Donau der einheitliche Baukörper von etwa 10 x 25 m. Er zeigt noch heute zum Fluss eine homogene zweigeschoßige Schaufassade. Im Zentrum zeichnet sich im Obergeschoß ein repräsentativer Saal ab, der durch eine ehemalige Freitreppe bzw. eine erhaltene, mit Rundstab profilierte Rundbogentür zu betreten war. Seitlich liegen zwei primäre gekuppelte Spitzbogenfenster, deren zierliche Mittelsäulchen mit ausladenden Kelchknospenkapitellen tief profilierte Spitzbögen tragen. Weitere Fenster sind durch spätere Umbauten nicht erhalten. Von ihnen könnten spolierte frühgotische Säulchen am Portal der Kirche stammen. Ebenerdig zeigen sich in regelmäßiger Folge kleine, weitgehend rekonstruierte Rundbogenfenster, die ein wohl untergeordnetes Erdgeschoß belichteten. Ein jedenfalls rezentes Rundbogenportal ist bei Vischer 1672 noch nicht dargestellt. Aufgrund der kunsthistorisch mit landesfürstlichen Bauten in Klosterneuburg und Hainburg vergleichbaren Fenster lässt sich der Saalbau in die Zeit um 1230 datieren. Das Mauerwerk ist nur innen frei zugänglich und zeigt hier grob lagenhafte Bruchsteinstrukturen ohne regelmäßige Horizontallagen. Daraus ließe sich eventuell eine spätere Entstehung ableiten, das plattige Material erlaubte aber wohl keine bessere Zurichtung.
Direkt nordwestlich schließt nach Dehio der hohe Turm der (späteren) heutigen Pfarrkirche mit analogen Fensterresten aus der Zeit um 1220/30 an. Er diente im Untergeschoß als Torturm zur Anlegestelle. Reste des primären Putzes zeigen großflächige Quadermalerei. Davor sind in einem Haus Teile einer einst zweigeschoßigen Michaelskapelle erhalten. Auf Merians Stich besaß sie noch eine halbrunde Apsis. Insgesamt lässt sich ein einheitliches Ensemble von langem Saalbau, Turm und Kapelle der Zeit um 1230 postulieren, das sich durch einheitliche Fensterformen bemerkenswerter Qualität auszeichnet. Ähnliche Konzeptionen sind entlang der Donau an mehreren Passauer (Lese-) Höfen zu beobachten, etwa in Klosterneuburg, Oberstockstall, Krems und Stein. Offensichtlich bildete sich hier ein bemerkenswert homogener, repräsentativer Typus heraus, der in Ybbs ein besonders frühes Beispiel zeigt.
In späterer Zeit wurden in den Saalbau große Kreuztonnengewölbe und Zwischenwände eingestellt, die heutige Fenstergliederung entstammt dem 19. Jahrhundert.
(P.S.)