EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Herzogshof

Geschichte:

Im Zuge einer dritten Stadterweiterung in der 1. H. d. 13. Jhs., deren Areal noch nicht eindeutig abgegrenzt ist, wurde offenbar in der südwestlichen Ecke der rechtwinkeligen Stadtbefestigung eine neue Stadtburg angelegt. Nennungen eines "Herzogshofes", auch "Babenberger-" oder "Schlüsselhof" genannt, finden sich bereits im 12. Jh. eine Nachricht von 1173, in der von in einem Donauhochwasser überschwemmten Mauern die Rede ist bezieht sich bereits auf eine Burg (Castrum). Keine dieser Urkunden ermöglicht jedoch eine Lokalisierung, so dass keine eindeutige Erstnennung des heutigen Herzogshofes eruierbar ist. 1244 taucht erstmals der benachbarte Hafnerplatz auf, spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte die innere Stadtentwicklung abgeschlossen gewesen sein. Das 1230 bzw. 1236 wohl noch auf freiem Feld gegründete Dominikanerkloster könnte vielleicht den Baubeginn der Erweiterung anzeigen. Mit der Erwerbung der alten landesfürstlichen Burg 1249 durch den Bürger Gozzo ist die neue Anlage wohl als fertig anzunehmen. Der Bau diente nach dem Aussterben der Babenberger zur Verwaltung div. herzoglicher Einkünfte (Maut, Weingüter) und mglw. auch als Gerichtssitz und Schlüsselamt. 1379 wird der Hof nach dem Erwerb der sog. "Gozzoburg" durch die Habsburger dem Stift Lilienfeld verkauft. 1436 gelangt er an das Bürgerspital, danach an das Stift Garsten. 1758 wird er in ein Waisenhaus umfunktioniert, ab 1799 als Mietshaus verwendet. Die ehem. Kapelle wird zwischen 1703/10 barockisiert und 1799 profaniert. Die Bauten des Areals sind gegenwärtig im Besitz verschiedener Privat- und Geschäftsleute.
G.R.)

Bauentwicklung:

Die 2. Stadtburg von Krems ist in ihren Anfängen historisch nicht mit Sicherheit zu fassen, die archäologische Datierung sowie die architektonischen Kleinformen im Palas und Kapelle indizieren die letzten babenbergischen Landesfürsten (Leopold VI. oder Friedrich II.) als Bauherren. Die Burg verliert bereits im 14. Jh. ihre Bedeutung und gelangt in geistlichen Besitz.

Baubeschreibung:

Zur Zeit der urk. belegten Gründung im 12. Jh. lag das Areal außerhalb, vor der SW-Ecke der seinerzeitigen Stadtbefestigung, auf einer schwemmkegelartigen Erhöhung des orographisch linken Donauufers. Ältere Keramikfunde des 9.-11. Jahrhunderts können laut Ausgräber als sekundäre Einlagerungen ausgeschieden werden. Untersuchungen erbrachten einen ca. 5 m hohen Geländeabfall südl., innerhalb des heutigen Areals, wo eine von O heranführende Zugangssituation erschlossen werden konnte. Im späten 12. Jh. lässt sich nach den jüngsten Ausgrabungen eine erste Bebauung mit Holzhäusern in Schwellriegelbautechnik nachweisen, welche noch im frühen 13. Jh. abgebrannt sein dürfte. Erst im 13. Jh. wurde die Anlage durch die Erweiterung der Stadtbefestigung in die urbane Bebauung integriert.
Das heutige Bauensemble besteht innerhalb des ca. 38 x 48 m großen Areals aus einem dominanten Langbau, einer ehemaligen Kapelle sowie einem verbauten Turm. An der östlichen Grundgrenze steht der heute 10.95 x 20.95 m große Hauptbau, der 2004/05 im Vorfeld einer geplanten Revitalisierung (Verein ASINOE, Franz Pieler) archäologisch untersucht wurde. Er zeigt ein durchgehendes Untergeschoß, das durch regelmäßige, dem Gelände folgend leicht abfallenden, schmalen Scharten belichtet wurde, zentral gab es einen ebenerdigen Eingang. Das darüber liegende Hauptgeschoß weist eine analoge Einteilung auf, demnach gab es hier einen großen Saal, der durch, heute vermauerte, spitzbogige Biforen belichtet wurde. Der spitzbogige Eingang ist repräsentativ gestuft, abgeschlagene Basen und Kapitellreste deuten auf ehemals flankierend eingestellte Säulchen. Südlich dieses Saals haben sich niedere Mauerreste eines verzahnten Raumes erhalten, der Baukörper maß somit einst etwa 30 m Länge. Aufgrund der gleichförmigen Mauerstärken wäre an diesem Anschluss kein hervorgehobener Bauteil zu erwarten, historische Abbildungen deuten jedoch auf einen (nachträglich turmartig erhöhten?) Aufbau. Das Fehlen verbindender Türen und der hochgelegene Saaleingang weisen auf einen ehemals vorgelagerten Laufgang mit Freitreppe. Das Mauerwerk besteht aus plattigem, lagenhaften Bruchstein mit Ansätzen horizontaler Ausgleichungen, jedoch ohne Kompartimentstruktur. Die Ecken werden durch sorgfältig zugerichtete, durch ihre helle Farbe herausfallende Sandsteinquader eingefasst. Auch die Biforengewände sind aus großen Sandsteinblöcken gearbeitet. Erhaltene Kapitellfragmente zeigen eine hervorragend gearbeitete Kelchknospenform mit aufgesetzten Ahornblättern. Dazu gehören Fragmente polierter Rotmarmorschäfte. Ähnliche kelchartige Knospenkapitelle mit Floralornamentik finden sich gemeinsam mit roten Marmorsäulchen in regionalen Zisterzienserklöstern um 1220/40. Analoge Gegenstücke mit Ahornrelief gibt es in der ehemaligen Capella Speciosa in Klosterneuburg, die 1222 geweiht wurde, demnach kann auch für den Kremser Herzogshof eine Entstehung um 1220/30 verifiziert werden. Dem entgegen erinnert der kaum noch der Einzellage verpflichtete Mauerverband mit großformatiger Eckquaderung trotz streng lagiger Strukturen eher an spätere Bauformen, wenngleich noch keine Kompartimente erkennbar sind. Diese bemerkenswert unruhige Mauerung ist wohl nur auf das kleinteilig-plattige Material zurückzuführen und daraus keine Spätdatierung abzuleiten.
Direkt gegenüber der Hoffront haben sich die Mauern der ehemaligen Andreaskapelle erhalten. Sie zeigt einen etwa 8 x 12 m großen Rechtecksaal mit 5/8-Schluss, seitlich dürften je drei Stützpfeiler primär sein. Der ansonsten weitgehend umgestaltete Bau zeigt im Chor übereinfander seitlich je zwei hohe romanische Trichterfenster, die gemeinsam mit der zu Klosterneuburg ähnlichen Grundrisslösung eine Datierung vor der Mitte des 13. Jahrhunderts nahelegen. Daher ist wohl eine Entstehung in Zusammenhang mit dem Saalbau anzunehmen. Zwischen 1703 und 1710 wurde die Kapelle barockisiert und ein Turm angestellt, doch bereits 1799 profaniert.
In einem südlichen isolierten Baukomplex zeichnen sich mittelalterliche Reste ab, die bisher nicht untersucht sind. Offenbar wurde im Rahmen der Neuanlage der südlichen Stadtmauer im späten 13. Jahrhundert bzw. frühen 14. Jahrhundert ein quadratischer Turm von 11 m Seitenlänge errichtet, dessen mächtiger Baukörper bis heute gut erkennbar ist. Östlich anschließend dürften noch Reste der Stadtbefestigung erhalten sein.
(G.R., P.S.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Archäologische Grabungen 2004/5 durch den Verein ASINOE im Auftrag des Bundesdenkmalamtes.