EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Ebelsberg

Geschichte:

1154 wird die Herrschaft Ebelsberg erstmals als Eigen des Passauer Bistums genannt, 1167 scheint ein Tultinch de Ebilsberg als ritterlicher Kastellan auf. Im frühen 13. Jahrhundert versuchte der österreichische Herzog Leopold VI. durch die Neuanlage des nahen Linz seinen regionalen Einfluss zu stärken, Ebelsberg entwickelte sich daher als bischöflicher Gegenpol, der auch eine wichtige Traunbrücke kontrollieren sollte. 1242/44 führte dieser Konflikt zur Zerstörung der Burg, doch wurde sie offenbar sogleich wieder aufgebaut, darauf deuten nach Steiner und Schöbel mehrere Urkunden zur Errichtung und Bewachung bis 1255 hin, gleichzeitig wurde der Ort als Markt ausgebaut. Ebelsberg diente nun als Verwaltungsmittelpunkt einer großen Passauer Herrschaft, die Burg wurde in der Folge beliebter Landsitz der Bischöfe, die sie bis auf eine kurze Unterbrechung im 14. Jahrhundert bis zur Säkularisierung 1803 halten konnten. Im 15. Jahrhundert diente die Burg als Versammlungsort, unter anderem für die Bischöfe von Köln und Weinsberg, eine Diözesankonferenz, Kaiser Sigismund, sowie vor allem 1444 für Kaiser Friedrich III. und dem späteren Papst Enea Silvio Piccolomini (Pius II.), der in einem Brief eine bewundernde Beschreibung des Schlosses verfasste. In der Folge verfiel die Burg jedoch, so dass sie im 16. Jahrhundert aufwändig erneuert werden musste, nach einem Brand 1586 wurde schließlich der vierflügelige Schlossbau ausgeführt, der heute noch den Innenhof prägt. Nach einem Brand 1797 kam es in den napoleonischen Kriegen 1809 zu heftigen Kämpfen um das Schloss, nach denen einige äußere Bauteile abgetragen werden mussten. 1825 kam die Herrschaft an die Familie Kast, die letzte große Erneuerungen am Südflügel durchführen ließ.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Der hochmittelalterliche Baubestand mit dem, außen mit Buckelquadern besetzten Bergfried lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit den Ausbauten nach den Zerstörungen von 1242/44 in Verbindung bringen, der Turm wird 1255 explizit genannt. Die Burg wird nach einem Brand 1586 zum Schloss ausgebaut, nach den Zerstörungen durch französische Truppen erfolgt ab 1809 bzw. 1825 eine letzte, neugotische Bauetappe.

Baubeschreibung:

Von der Befestigung des 12. Jhs. zeugen heute nur mehr archäologische Funde. Ältester erhaltener Bauteil ist der einst dominante Bergfried, der nach einer Dachabgleichung 1809 nur mehr im Grundriss abzulesen ist. Demnach umfasst er eine Grundfläche von 10,7 x 10,7 m bei Mauerstärken bis 3,7 m. Das Mauerwerk besteht innen aus kleinformatigen, aber sorgfältig geschlichteten Quadern, außen ist er (jedoch nur mehr in der Torhalle sichtbar) mit großformatigen Buckelquadern verkleidet. Mehrere verbaute römische Spolien deuten auf die Wiederverwendung antiken Abbruchmaterials. Dennoch ist die ostentative Verlegung der Buckelquader wohl als bewusste Architektursymbolik zu deuten, so finden sich ähnliche Buckelquaderbauten regional mehrfach (Enns, Lorch, Rems, Klingenberg, Windegg). Als Datierung ist parallel dazu die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zu vermuten, die explizite Nennung des Turms 1255 stellt jedenfalls einen sicheren terminus ante quem dar. Vielleicht entstand er nach einer Zerstörung der Burg 1242/44 durch den Herzog, ließ dieser doch in seinem ostösterreichischen Kernland mehrere Buckelquaderbauten als Manifest landesfürstlicher Macht errichten. Ob der Bergfried zunächst isoliert stand, bzw. wann der weitere Burgausbau erfolgte, scheint mangels erkennbarer Verzahnungen unklar, die Burg muss jedenfalls bereits 1248 bei einem bischöflichen Aufenthalt benutzbar gewesen sein. Aus dem Grundriss lassen sich nach Steiner und Schöbel weitere Bauteile als mittelalterlich klassifizieren, ohne jedoch durch den weitgehenden Verputz Anhaltspunkte zur Datierung zur Verfügung zu haben. Demnach zeichnet sich an der Südwestecke des Schlosses ein zweiter Turm von etwa 7,6 x 10,5 m ab, dessen Mauerstärken bis 1,8 m erreichen. Er könnte mit lokalen Ringmauern verzahnen und daher gemeinsam mit dem wohl älteren Bergfried ein kastellförmiges Gesamtkonzept gebildet haben, das auf rechteckigem Grundriss durch (zumindest) zwei Türme gegen die gefährdete Hochebene geschützt war. Im Westen könnte eine Innenmauer ebenfalls noch ältere Grundlagen aufweisen, demnach könnte hier der Palas gestanden haben. Eine Beschreibung der Burg im 15. Jahrhundert (von Enea Silvio Piccolomini 1444) nennt um die Burg einen zweifachen tiefen Graben mit doppeltem Mauerring, dieser ist auch noch 1649 bei Merian zu erkennen. Der heutige Schlosscharakter geht jedoch im wesentlichen auf nachmittelalterliche Bautätigkeit zurück, als im 16. und 17. Jh. in mehreren Etappen die heutigen vier Flügel entstanden. Die neugotischen Fassaden und die Turmaufsätze der Treppen mit Zierzinnen datieren nach einem Brand 1809.
(P.S.)