EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Ottensheim

Geschichte:

Der Ort wird mit dem bereits 777 genannten locus Racotulu identifiziert, eine entsprechende Besiedlung ist durch ein frühmittelalterliches Gräberfeld belegt. 1148 wird der Markt als "forum Oteneshaim" erwähnt, 1149 scheint eine curtis Otenshaim urkundlich auf. Demnach könnte die Burg vor 1150 von Ulrich und Cholo von Wilhering gegründet worden sein. Bereits kurz danach fällt sie durch Heirat an Wernhard von Griesbach. Vor 1228 (1221?) wird die Herrschaft an Herzog Leopold VI. von Österreich verkauft, unter welchem ein planmäßiger Ausbau zur regelmäßigen Gründungssiedlung erfolgt, die bereits 1228 mit den gleichen Markt-, Maut- und Zollprivilegien wie Linz und Enns ausgestattet wird. Offensichtlich sollte hier eine Konkurrenz zum Passauer Eferding geschaffen werden. Die Burg wird durch herzogliche Pfleger verwaltet und unter den Habsburgern häufig als Pfand ausgegeben. So untersteht sie 1331 bis 1461 den Herren von Wallsee, 1461 bis 1492 den Liechtenstein-Nikolsburg, 1504 bis 1524 dem Landeshauptmann Wolf Jörger von Tollet. 1527 wird dem kaiserlichen Kanzler Rabenhaupt von Suche nach kurzer Pfandschaft die Herrschaft als freies Eigen übertragen. 1551 gelangt das Schloss an die Jörger, 1592 konfiszieren die obderennsischen Landstände den Besitz. Sie verpachten laufend, unter anderem an Georg Siegmund Frh. V. Schifer, Hans Georg v. Tschernembl und an Benedikt Frh. V. Schifer. Mit der Verpfändung des Landes ob der Enns an den bayrischen Kurfüsten Maximilian zieht dieser die Herrschaft ein und schenkt sie 1625 dem Jesuitenkolleg in Linz, das sie bis zur Aufhebung des Ordens 1771 besitzt. Ottensheim fällt an den Staat und wird bis 1804 vom österreichischen Studienfonds genutzt. Durch Ersteigerung gelangt Georg Preuer in den Besitz. Ihm folgen zahlreiche Inhaber, 1939 wird im Schloss von der Deutschen Wehrmacht die Forstverwaltung der besetzten "Ostgebiete" eingerichtet.
(P.S.)

Bauentwicklung:

Der mittelalterliche Baubestand kann heute durch moderne Überprägung mit Ausnahme des Turmes nur mehr über den Grundriss erschlossen werden, mangels überlieferter Baunachrichten ist daher keine gesicherte mittelalterliche Baugeschichte erschließbar. Das neuzeitliche Schloss wurde 1896-1902 durch die Ringstraßenarchitekten F. Fellner und H. Helmer späthistoristisch adaptiert und durch einen Theaterbau in der Unterburg ergänzt.

Baubeschreibung:

Die markante ovale Hochterrasse des Felsplateaus bildet einen Durchmesser von bis zu 140 m, davon ist heute nur die südliche Hälfte bebaut. Am östlichen Abhang zur Siedlung haben sich Reste eines spätgotischen Torbaus mit Sitznische erhalten. Die Landseite wird durch hausbergartige Erdwerke flankiert, Vischer zeigt hier 1674 einen Geschützwall mit Eckbastionen und Palisaden. Das seit dieser Zeit kaum veränderte Kernschloss ist großteils verputzt, weshalb die mittelalterlichen Bauteile nur aus dem Grundriss und wenigen Details erschlossen werden können. Demnach zeichnet sich ein zentraler Turm ab, der mit Seitenlängen über 11 m, Wandstärken um 3 m und einer Höhe von 20 m noch heute das Schloss dominiert. Das oberste Geschoß wird von einem Zinnenkranz mit vier Scharwachtürmchen bekrönt, die bereits bei Merian 1649 zu sehen sind. Die Fenster sind neogotisch überformt, weshalb die Datierung des Turms nur aufgrund der auffallend dicken Mauern und der schmalen, hohen Scharten ins ausgehende 13. bzw. frühe 14. Jh. erfolgen kann. Im 2. Obergeschoß lässt sich anhand des hohen, einst durch Rippen profilierten Gewölbes die ehemalige Burgkapelle rekonstruieren. Um den Turm zeichnet sich aufgrund der Mauerstärken von 1.8 m eine mittelalterliche Ringmauer ab, die ein leicht verzogenes Parallelogramm von etwa 30 x 31 m umgürtete. Eine vergleichbare Scharte legte eine parallele Entstehung zum Turm nahe. Potentielle Reste primärer Einbauten sind nicht mehr zu verifizieren. Im Osten zeichnet sich eine randständige Bebauung ab, aufgrund einer sorgfältigen Eckquaderung könnte im Westen ein spätgotischer Ausbau durch einen zunächst isolierten Wohntrakt erfolgt sein. Bei Merian ist die um ein Geschoß tiefere Unterburg als Ruine zu sehen, bei Vischer wird sie hingegen wieder aufgebaut und in heutigem Zustand gezeigt. Im 16. und 17. Jh. erfolgte demnach ein allmählicher Ausbau zum heutigen hakenförmigen Schloss. Kreuzgrat- sowie Stichkappengewölbe belegen mehrphasige Traktfolgen mit zunächst vorgelegtem Arkadengang, der bis ins 19. Jh. vollständig verbaut wurde. Der südliche Abschluss zum Donautal wurde durch einen Rundturm sowie einen Runderker (einst mit Zwiebelhelmen) betont. 1896-1902 wurde in der Unterburg von den berühmten Architekten F. Fellner und H. Helmer ein späthistoristischer Theaterbau angelegt, dessen einst reiche Ausstattung heute weitgehend verloren ist. Aus dieser Zeit stammen auch die romantischen Fassadierungen des Schlosses, die sämtliche älteren Fenstergewände ersetzen.
(P.S.)