EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Eggenburg in Niederösterreich

Geschichte:

"Egenburch" wird 1126 erstmals erwähnt, doch sind nach Weltin die Anfänge in die 80er-Jahre des 11. Jhs. zu setzen und in Beziehung zu den Kuenringern v. Gars zu sehen. Dieses hier ansässige landesfürstliche Ministerialengeschlecht ist ab ca. 1140 bis 1256 nachweisbar. Der um 1140 genannte Wolfker, der sich u. a. nach Eggenburg nennt, ist der Sohn des Bgfn. Erchenbert v. Gars. 1177 wird Eggenburg durch Hzg. Sobieslav v. Böhmen verwüstet. 1204 wird erstmals von einer Stadtbefestigung berichtet. 1328 wird sie abermals von Johann v. Böhmen erobert und 1357 verpfändet Albrecht II. Eggenburg an K. Karl IV. bzw an dessen Bruder Johann v. Mähren, löst die Hft. aber kurz danach wieder ein. 1359 ist ein Dachsberg als Pfleger nachweisbar. 1394, vermutlich 1427 und nachweislich 1429 ist Eggenburg umkämpft. Zwischen 1480 und 1490 kommt es zu wiederholten Belagerungen und Besetzungen durch ungarische Truppen. Um 1510, im Angesicht der ersten Türkengefahr, erfolgt die Verbesserung der Wehranlagen und Ausrüstung der Stadt. Kurz danach, 1527, gelangt die Pflegschaft von den Hrn. v. Haselbach an die Frhn. v. Roggendorf, unter denen großzügige Erweiterungs- und Erneuerungsarbeiten an der Burg durchgeführt werden. 1556 verkauft Ferdinand I. die Hft. schließlich an Leonhard Pichler v. Weitenegg, dem 1565 - 1594 Ferdinand v. Meggau folgt, der ebenfalls an der Burg arbeiten lässt. Ab 1618 ist Eggenburg wiederholt Kampfhandlungen ausgesetzt, 1623 gelangt die vermutlich bedeutungslos gewordene Burg an den Jesuitenorden. 1645 wird die Stadt von schwedischen Truppen erstürmt und besetzt. Nach all diesen Katastrophen erholt sich die Stadt erst nach 1683. Die Burg, deren völlig heruntergekommener Zustand 1742 beschrieben wird, wird 1752 von den Jesuiten der Stadt Eggenburg verkauft, von dieser 1754 an das Stift Altenburg. Ein Großbrand vernichtet 1808 weite Teile der Stadt, dabei auch die letzten intakten Teile der Burg. 1878 erwirbt die Fam. Seitz die ruinösen Gebäude und erbaut ein neues Wohnhaus. Heute im Besitz von Dr. Hans Seitz und Dr. Susanne Böhler. (G.R.)

Bauentwicklung:

Der Bering ist durch streng lagerhaftes, hammerrechtes, kleinteiliges Bruchsteinmauerwerk gekennzeichnet und kann vermutlich in das 3. V. d. 12. Jhs. datiert werden. Der in einer sekundären Bauphase entstandene Bergfried kann aufgrund des qualitätsvollen Großquadermauerwerks vermutlich zwischen E. d. 12. und A. d. 13. Jhs. datiert werden.
Aufgrund der Umbauten und des Forschungsstandes kann keine detaillierte Baugeschichte gegeben werden.

Baubeschreibung:

Die Konzentration vom angenommenen Altsiedlungsbereich, von "Altem Pfarrhof", Karner, Pfarrkirche und Burg im erhöhten westl. und nordwestl. Bereich der Stadt lässt die Siedlungskontinuität sowie den ehem. herrschaftlichen Anspruch des städtischen Siedlungs- und Herrschaftsaufschlusses erkennen.
Von der ehem., nicht sonderlich ausgedehnten, jedoch qualitativ bedeutenden Burganlage sind noch heute mehrere Bauteile erhalten. Auf dem westl. Spornende lässt sich dadurch eine unregelmäßig-polygonale Beringanlage rekonstruieren, von der noch Teile der N-, O- und S-Front erhalten sind. In einer sekundären Bauphase entstand der relativ große, ca. 10,20 m im Quadrat messende, heute noch 19 m hohe Bergfried, der an einer Abwinkelung des Altberinges im Zentrum der Zugangssseite errichtet wurde. Der feldseitig vor den Bering gestellte Turm flankierte wahrscheinlich das ehem., im S angeschlossene Burgtor. Durch spätere, tlw. neuzeitliche und rezente Fenster- und Türdurchbrüche sind sämtliche Primäröffnungen verschwunden. Das im Inneren verwendete, hammerrechte Bruchsteinmaterial, das Parallelen zum Altbering zeigt, könnte von Abbruchteilen stammen. Vermutlich gehört auch der in die N-Ecke eingestellte, ca. 20 x 9 m große Palas in die 2. Bauphase. Von diesem Bau, der im Erdgeschoß durch einen primären Mauerbogen geteilt war, ist das Erdgeschoß weitgehend erhalten. Während hier im Inneren durchwegs Großquader verwendet wurden, lässt das im Kellergeschoß sichtbare Bruchsteinmauerwerk nachträgliche Unterfütterungen oder Ausbesserungen erkennen. Um 1870 wurden die rom. Bauteile des Palas als Basis für einen 2-gesch. Villenbau verwendet, wobei vermutlich auch ältere, spätmittelalterliche Zwingerteile an der N-Seite überbaut wurden.
Im Spätmittelalter wurde der Zugangsseite eine Zwingeranlage vorgelagert, die mit einem zentral situierten Torturm verstärkt wurde. Der Turm mit zugbrückenbewehrtem Fahr- und Nebentor, sowie mit Sedilien in der Durchfahrt ist in das 14. Jh. zu datieren. Der heutige Zinnenabschluss von Turm und anschließendem Bering vermittelt einen jüngeren Eindruck. Im 16. Jh. erhielt der Zwinger Gebäudeeinbauten im N und S, wobei der Bau im N durch ein Stichkappengewölbe und profilierte Erkerkonsolen hervorzuheben ist. Im S des Zwingers liegt ein bis zur Talsohle reichender Brunnen. Ein tiefer, durchschnittlich 16 m breiter, im S jedoch verebneter Halsgraben sicherte den inneren Bereich gegen ein östl. vorgelagertes, von den heranlaufenden Stadtmauerfronten umschlossenes Vorburgareal. Die urspr. westl. Ummauerung der Hochburg wurde im Spätmittelalter, vermutlich anlässlich von Stadtmauer-Erneuerungen, durch jüngere, von zahlreichen Schießscharten durchbrochene Mauerzüge ersetzt. Diese zeigen zahlreiche spolierte Quader der Altburg und bilden im S mehrteilige, bastionär verstärkte Zwingeranlagen aus.
Der westl. und südl. Bereich der Hochburg, wo ehem. weitere hochmittelalterliche Bauteile anzunehmen sind und das östl. Vorburgareal sind heute unverbaut und Gartenbereich des privaten Wohnhauses. (G.R.)