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Nitrianska Blatnica - Jurko a Púst

Geschichte:

Die Entwicklung rund um Nitrianska Blatnica spiegelt sich in den zwei asynchronen Gehöften wider. Der ältere Herrenhof entstand schon im 9. Jh. und existierte teilweise gleichzeitig mit dem Gehöft in Ducove. Der zweite (kleinere) Herrenhof stammt aus dem 10.-11. Jh. Im Laufe des 11. Jhs., nach dem Untergang auch dieses Gehöftes, entstand hier eine kleine Ansiedlung. Die zu ihr gehörenden Bauten konnten nur in einer Geländevertiefung in der Nähe des früheren Baches identifiziert werden. Es wurden hier Blockbauten, freistehende Öfen und Teergruben festgestellt. Einer romanischen Erneuerung wurde wahrscheinlich auch die zuvor beschädigte Rotunde unterzogen. Vom 11. bis zur Mitte des 13. Jhs. bestand in ihrer Nähe ein Friedhof, der vollständig untersucht wurde. In den etwa 120 Gräbern, die auf eine kleine Population hinweisen, wurden meistens Männer bestattet. Die starke geschlechtliche Asymmetrie der hier belegten Population ist ungewöhnlich, sie spricht für eine spezifische Zusammensetzung der Anwohner.
Der Untergang der Ansiedlung und der mittelalterlichen Funktion der Rotunde geschah spätestens um die Mitte des 13. Jhs. Etwa in dieser Zeit gingen auch einige weitere Ansiedlungen unter, und die Kulturlandschaft wurde von Wald bedeckt. Darauf weisen die erhaltenen Feldrelikte im Wald und eine große Zahl an Ortsnamen wahrscheinlicher Wüstungen aus den Gemeindekatastern von Radosina und Nitrianska Blatnica aus dem 14. und 15. Jh. hin, wie z. B. Prylecz, Prynyoa, Dehchyche, Lwsne, Grechyk, Stopparcz, Rajec. (A. R.)

Bauentwicklung:

Nach den schriftlichen Quellen, die die ältere Fachliteratur sowie ein Verzeichnis der Rotunde des Hl. Georg erwähnt, ließ Anna Thurzo die Kirche im Jahre 1530 zum Andenken ihres Mannes Franciscus, der in der Schlacht bei Mohács gefallen war, bauen.
Allerdings haben Geländebegehungen und Ausgrabungen bewiesen, dass die Kirche schon im frühen Mittelalter errichtet worden war und dass die Mauerbreite, das kreisförmige Schiff und die U-förmige Apside in ihren Ausmaßen genau der Rotunde in Ducove entsprechen. Die Kirche mit dem Ortsnamen „Jurko" hatte vorromanische und romanische Bauphasen. Um 1530 wurde die längst zur Ruine verfallene Kirche erneuert und mit einem Renaissance-Gewölbe versehen. Diese Angaben gehen auf die Erwähnungen des Ortes (locus) namens Borko (auch Burko, Durko) aus dem 15. Jh. zurück (Fügedi 1938). Das heutige Aussehen der Kirche mit dem Turm und der sogenannten Einsiedelei entspricht den Vorstellungen und Ansprüchen des 17 Jhs. Während der Bemühungen um eine Rekatholisierung wurde nördlich der Kirche eine Schule gebaut, die bis zur ersten Hälfte des 19. Jhs. genutzt wurde. Als Kind ging hier der spätere Erzbischof von Gran Jan Scitovszki zur Schule.
Den archäologischen Forschungen zufolge gehörte die Hl. Georg-Rotunde zu einem frühmittelalterlichen Gehöft, lag aber außerhalb dessen Grenzen auf einer kleinen Kuppe über dem Gehöftareal. Im Bereich der ehemaligen Schule neben der Rotunde wurde bisher nur ein Fragment eines eingetieften Gebäudes mit Keramikfragmenten aus dem 9.-10. Jh. freigelegt.
Die Informationen über die beiden Phasen des Gehöftes, wie auch über seinen Anschluß an die Kommunikationsrouten vom Nitra- ins Waagtal, werden hauptsächlich durch die Untersuchungen an der Südseite der Flur Púsf, die sich an die Strasse zum Gajda-Pass (602 m) südlich von Marhát anschließt, erweitert. (A. R.)

Baubeschreibung:

Im Waldbereich des Berges Marhät, in einer Höhe von 450 m, fast 5 km von Gemeinde Nitrianska Blatnica entfernt, steht die Kirche des hl. Georg.
Das Gehöft befand sich unter der Kuppe mit der Rotunde auf der Flur namens Púst'. Den Umfang und die chronologischen Verhältnisse des Gehöftes kann man vor allem aufgrund des Verlaufs der Palisadenrinnen, die in den Fels eingetieft sind, verfolgen. Auf die Bebauung mit oberirdischen Häusern wiesen nur Ofensteine und Keramikscherben hin. Das Gehöft besaß in beiden Zeitphasen einen ungleichmäßigen quadratischen Grundriss der mit Palisaden umgebenen Fläche. In der älteren Phase war die Fläche etwa 9000 m2 groß, in der jüngeren war sie deutlich kleiner (etwa 3500 m2). Dieses Gehöft besaß im Gegensatz zu dem in Ducove auch eine deutliche wirtschaftliche Funktion, wahrscheinlich verbunden mit Eisenerzabbau. (A. R.)

Arch-Untersuchung/Funde:

In den Jahren 1974-1980 systematische Ausgrabungen (AÚ SAV, A. Ruttkay).