Geschichte:
Die auf einem Basaltkegel über dem Ort Schiffelborn gelegene Burgruine mit ihrem als Aussichtsturm erschlossenen Bergfried war namengebend für das gesamte Umland, den Löwensteiner Grund. Als Initiatoren der Burggründung kommen die Edelfreien von Bischofshausen in Betracht, die sich etwa seit der Mitte des 13. Jahrhunderts nach der Burg benannten. Urkundlich ist von der Burg erstmals 1253 die Rede. Werner von "Biscopeshusen" zu Löwenstein (1221-1262) fungierte 1253 im Auftrag der Herzogin Sophie von Brabant als Statthalter von Hessen für ihren noch unmündigen Sohn, den späteren Landgrafen Heinrich I. von Hessen. Die Herren von "Biscopeshusen" lassen sich seit 1160 nachweisen und zählten im 13. Jahrhundert zu den einflussreichsten Adelsfamilien des niederhessischen Raumes. Das Kerngebiet ihres Besitzes lag im Gebiet zwischen Borken und dem Kellerwald. Ferner verfügten sie über umfangreichen Streubesitz in Hessen und in Waldeck. Bis heute führt die Region den Namen "Löwensteiner Grund". Ihre häufig wechselnde Parteinahme für die Landgrafen von Hessen bzw. die Erzbischöfe von Mainz führte in nachmittelalterlicher Zeit zum Niedergang der Dynastenfamilie. Als Ganerbenburg wird Löwenstein erstmals 1371 bezeichnet. Die Familie hatte sich bereits in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts in drei Linien - Löwenstein-Schweinsberg (1662 erloschen), Löwenstein-Westerburg (1492) erloschen und Löwenstein zu Löwenstein - geteilt, die über Anteile an der Burg verfügten. Offenbar diente die Burg bis Ende des 16. Jahrhunderts Familienmitgliedern als Wohnsitz. 1602 wird Löwenstein als ruinös bezeichnet. In einem 1466 geschlossenen Burgfrieden wird der bescheidene Ort Schiffelborn unterhalb der Burg als Talsiedlung bezeichnet. (J.F.)
Bauentwicklung:
Die wenigen noch erhaltenen Reste der Burgruine Löwenstein erlauben keine detaillierte Analyse der baulichen Entwicklung der im Spätmittelalter vielgestaltigen Höhenburg. Zur Gründungsanlage, die wohl vor der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde, zählt vermutlich noch die teilweise erhaltene Ringmauer, während der Bergfried in der kunstgeschichtlichen Literatur in das 14. Jahrhundert gesetzt wird. Über das Alter der sich an die Ringmauer anlehnenden Gebäudereste sind keine sicheren Aussagen möglich. In den Schriftquellen lässt sich letztmalig für die Jahre 1596-1600 eine Bautätigkeit an der Burg nachweisen. Eine 1938-40 durchgeführte Grabung trug zur Klärung des Gesamtgrundrisses der Anlage bei, deren Reste 2002 aufwendig saniert wurden. (J.F.)
Baubeschreibung:
Die über annähernd rundem Grundriss mit einem Durchmesser von 70-80 m aufgeführte Gipfelburg wird von einem umlaufenden Graben umgeben und gliedert sich in eine Vor- und Hauptburg. Der Zugang zum Vorburgareal erfolgte von Norden und wurde durch den als Frontturm anzusprechenden, in die Ringmauer eingebundenen runden Bergfried gesichert, der im Zuge der Sanierung als Aussichtsturm erschlossen wurde und einen neuen Turmhelm erhielt. Auf dem etwa die Hälfte des gesamten Burggeländes einnehmenden Hauptburgareal lassen sich Fundment- und Mauerreste verschiedener, nicht eindeutig zuzuordnender Gebäude erkennen. An der Südseite springt ein in Resten erhaltener rechteckiger Turm (?) in den Graben vor. (J.F.)
Arch-Untersuchung/Funde:
1938-1940 Freilegung des Grundrisses.