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Herzberg in Hessen

Geschichte:

Neben der Wasserburg Friedberg bei Bad Hersfeld zählt die auf dem Gipfel des 508 m hohen Hirzberges gelegene Burg Herzberg zu den bedeutendesten spätmittelalterlichen Burgen in Hessen, an denen der landgräflich-hessische Hofbaumeister Hans Jakob von Ettlingen tätig war. Die geschichtlichen Anfänge der Burg reichen bis in das ausgehende 13. Jahrhundert zurück. An der wichtigen Handelsstraße "durch die kurzen Hessen" gelegen, diente die Burg Herzberg vermutlich deren Schutz. 1298 übergaben der hessische Marschall von Romrod und seine Gattin Mechthild sein "Hus Hirzberg" Landgraf Heinrich I. von Hessen und erhielten es vorbehaltlich des Öffnungsrechts als Lehen zurück. Die Söhne des Ehepaares, Friedrich und Richolf führten den Namenszusatz "von dem Herzberg". Nach dem Tod Friedrichs erhielt dessen Tochter Mechthild, die mit Berthold von Lißberg vermählt war, 1344 Burg Herzberg als hessisches Lehen. Später gelangte eine Hälfte der Burg durch Heirat an die Herren von Falkenberg. Infolge der Parteinahme der Falkenberger für den antihessishen Ritterbund, der Sterner, wurde die Burg 1371 von Landgraf Hermann II. von Hessen belagert, konnte jedoch nicht eingenommen werden. 1392 befand sich Burg Herzberg im Alleinbesitz des Kunzmann von Falkenberg. 1441 als erledigtes Lehen an die Landgrafen von Hessen zurückgefallen, wurde die Burg bei der Landesteilung 1469 Landgraf Heinrich III. zugeschlagen. 1477 erfolgte die Belehnun des hessiscen Hofmeisters Hans von Dörnberg mit der Burg Herzberg und der Hälfte des dazu gehörenden Gerichts Breitenbach. 1483-1497 erfolgte der Ausbau der Anlage durch den Hofbaumeister Hans Jakob von Ettlingen. Die im 16. Jahrhundert erneuerte, im Dreißigjährigen Krieg beschädigte und nach dem Siebenjährigen Krieg in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Verfall geratene Burg befindet sich bis heute in Familienbesitz der Freiherren von Dörnberg und wird von diesen unterhalten und ist den Besuchern als beliebtes Ausflugsziel zugänglich. (J.F.)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der gewaltigen Burganlage ist zumindest was die tiefgreifende Umgestaltung durch Hans Jakob von Ettlingen im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts betrifft, hinreichend untersucht worden. Über die mittelalterliche Anlage des ausehenden 13. Jahrhunderts liegen bislang nur wenige Erkenntnisse vor. Von der Burg des 13. Jahrhunderts blieben die in nachmittelalterlicher Zeit umgestaltete Kapelle und Grundmauerreste der Ringmauerr, des runden Bergfrieds und dedr Wohngebäude erhalten. Um die Kernburg legte Hans Jakob von Ettlingen 1483-1497 eine imposante regelmäßige Anlage mit vier Geschütztürmen an den Ecken und dem so genannten Gerichtsturm in der Mitte der dem Vorhof zugewandten Ringmauer an. Die Kapelle wurde 1661 baulich verändert (Einbau der Empore) und erhielt 1743 hohe rundbogige Fenster. Im Obergeschoss des südwestlichen Eckturms wurde 1536 ein Saal (so genannter Rittersaal) eingerichtet. Der sich an den Gerichtsturm anschließende schmale Treppenturm weist die Jahreszahl 1536 auf. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Burg Herzberg 1637 durch Brand beschädigt und ein Teil der Wohngebäude zerstört. Der eigentliche Verfall der Anlage setze nach dem Siebenjährigen Krieg ein und um 1780 wird die Anlage als ruinös bezeichnet. Es folgten der Abbruch von Teilen der Burg und ab dem 19. Jahrhundert Instandsetzungen und Sicherungsmaßnahmen. (J.F.)

Baubeschreibung:

Die imposante Burg Herzberg nimmt den Gipfel des 508 m hohen Hirzbergs ein. An die von Hans Jakob von Ettlingen zwischen 1483 und 1497 über trapezförmigem Grundriss aufgeführte Hauptburg schließt sich nach Süden die mit einer Zwingermauer umgebene Vorburg an, deren Tordurchfahrt wiederum durch eine noch in ihren Grundzügen erkennbare frühneuzeitliche spitzwinklige Bastion (um 1600) gesichert wird. Der Zugang zur Vorburg führte ursprünglich über eine Zugbrücke. Unmittelbar neben dem Tor erhebt sich ein rechteckiger Turm mit Fachwerkobergeschoss und Mansarddach. Die Gebäude im Vorburgbereich entstanden 1826 und im frühen 20. Jahrhundert. Die südliche Ringmauer der Anlage des späten 15. Jahrhunderts wird von zwei mächtigen mit gewölbten Untergeschossen und querrechteckigen Schießscharten versehenen Ecktürmen flankiert, von denen der südöstliche zu Wohnzwecken ausgebaut wurde und in nachmittelalterlicher Zeit zwei Fachwerkgeschosse erhielt. Der Südwestturm erhielt im Obergeschoss 1536 einen Saal (sogenannten Rittersaal) mit einem hübschen Renaissanceportal. In der der Mitte der südlichen Quermauer, die Hoch- und Vorburg verbindet, befindet sich der Gerichtsturm mit Verlies und einem schlanken 1536 bezeichneten Treppenturm. Die beiden Geschütztürme an der Nordseite sind in ihren Dimensionen bescheidener als die der Südseite. Besondere Aufmerksamkeit verdient ein 1487 datiertes Meisterzeichen des Hans Jakob von Ettlingen (Posthorn) an der Außenseite des Nordostturms. Jeder der Flankentürme beherbergt zwei übereinander liegende Schießkammern. Inmitten der Ettlingischen Kastellanlage befinden sich die baulichen Reste der mittelalterlichen Burg mit dem an der Südwestseite gelegenen runden Bergfried und der bemerkenswerten, im Kern mittelalterlichen Burgkapelle. Bei der Kapelle handelt es sich um einen schlichten Saalbau mit rundbogigen Fenstern von 1743 und einem Walmdach. Beeindruckend ist das Innere der seit 1523 protestantischen Kapelle mit der 1661 eingebauten Empore, Reste eines Wandgemäldes an der Ostwand (überlebensgroße Kreuzigungsszene 16. Jh.), Wandtabernakel des 14. Jahrhunderts sowie knapp 20 Grabsteinen und Epitaphen der freiherrlichen Familie von Dörnberg aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Westlich neben der Kapelle befindet sich der ursprüngliche Zugang zur Burg. Nördlich schließen sich auf dem Hauptburgareal die durch Grabungen freigelegten Grundmauerreste der mittelalterlichen Wohngebäude an. (J.F.)