EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Münzenberg

Geschichte:

Die Burg Münzenberg beherrscht mit ihren beiden markanten Türmen weithin sichtbar die nördliche Wetterau nordöstlich von Butzbach. Sie wurde gegründet durch den Reichsministerialen Kuno I. von Hagen-Münzenberg (nachweisbar zwischen 1152/55 und 1207), Urenkel des Eberhard von Hagen-Arnsburg und Sohn des Konrad II. von Hagen-Arnsburg, der wohl um 1152 den „Minzinberg“ im Tausch vom Kloster Fulda erworben hatte. Mit Kuno von Hagen-Münzenberg, der sich erstmals 1162 bzw. seit 1165/66 durchgängig nach seiner neuen Burg „von Münzenberg“ nannte, hatte der soziale Aufstieg der Ministerialenfamilie von Arnsburg einen Höhepunkt erreicht. Der Ministeriale Kuno war ein enger Vertrauter Kaiser Friedrich I. „Barbarossas“, seit 1162 bekleidete er das Amt seines Reichskämmerers und begleitete Barbarossa mehrmals auf dessen Italienzügen. Zugleich war er Verwalter des Reichsforstes Dreieich und des Reichgutkomplexes in der nördlichen Wetterau und daher mit der Sicherung des dortigen Königsgutes betraut.
Nach dem Tod Kunos I., einem überzeugten Stauferanhänger, hielt auch sein einer Sohn Ulrich weiter zur Stauferpartei. Der andere Sohn Kuno II. jedoch wandte sich dem Welfen Otto VI. zu, weshalb Kaiser Friedrich II. ihm später alle Rechte und Besitzungen entzog und nach 1214 auf Ulrich I. übertrug. Dieser starb 1240 und sein Sohn Kuno III. bereits 1244. Der Besitz ging auf dessen Halbbruder Ulrich II. über, der 1255 ohne männliche Nachkommen starb.
Die Herrschaft der Münzenberger wurde zunächst unter den sechs verheirateten Schwestern aufgeteilt. Da eine Schwester Isengard 1236 Philipp I. von Falkenstein, den Burgvogt des Trifels und Bewahrer der Reichskleinodien, geheiratet hatte, ging zunächst ein Sechstel des Besitzes an diesen über. Jedoch verstanden es die Falkensteiner, wie die Münzenberger ebenfalls sozial hoch aufgestiegene, nominell aber unfreie Reichsministeriale, fast alle anderen Anteile (so Weinsberg, Schönberg, Pappenheim) unter ihrem Besitz zu vereinigen. Nur ein Sechstel verblieb bei Hanau. Die Falkensteiner ließen, wahrscheinlich noch unter Philipp I. (gestorben 1270), spätestens unter Philipp II., im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts erhebliche Neubauten auf Burg Münzenberg vornehmen. Nach diesem Höhepunkt geriet Burg Münzenberg im 14. und nach dem Aussterben der Falkensteiner 1418 im 15. Jahrhundert zunehmend in Bedeutungslosigkeit, was mit einer Zersplitterung des Münzenberger Besitzes und einem Verfall der Burganlagenlage verbunden war. So kamen Teile in den Besitz der Herren von Hanau, von Eppstein und der Grafen von Solms. Um 1500 erfolgt nochmals eine zeitgemäße Erneuerung der Außenbefestigungen. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg zerstört und ist seitdem Ruine. (R.F.)

Bauentwicklung:

Die Reichsministerialen von Münzenberg errichteten wohl bald nach der Mitte des 12. Jh.s eine bedeutende Burganlage mit Palas, Ringmauer und Bergfried. Bald nach der Mitte des 13. Jhs. errichteten die Reichsministerialen von Falkenstein, die mittlerweile die überwiegenden Anteile der Burg in ihrer Hand vereinigten, ebenfalls einen eigenen Palas (Falkensteiner Bau) sowie wohl einen weiteren Bergfried. Später durch Zwinger und festungsartige Ausbaurten verstärkt, wurde Burg Münzenberg im Verlauf des 30jährigen Krieges ruiniert. (R.F.)

Baubeschreibung:

Burg Münzenberg ist eine Höhenburg in beherrschender Gipfellage auf einem Basaltkegel am Rande der Wetterau. Die Kernburg, die einen langovalen Grundriss von ca. 120 x 40 m hat, gilt als eine bestens erhaltene stauferzeitliche Anlage des späten 12. Jahrhunderts. Bevorzugtes Baumaterial war der anstehende Säulenbasalt sowie Sandstein für die Werksteine und Buckelquader. Das gesamte Burgplateau wird von einer langovale Ringmauer eingefaßt. In ihrer ersten Bauphase ist diese innere Ringmauer nach Süden und Osten mit Buckelquadern verblendet worden und weist großdimensionierte Zinnen auf. Unklar ist in dieser Phase die Gestaltung der nördlichen und westlichen Rückseite, da die Ringmauer hier nicht geschlossen ist, so dass dort möglicherweise nur eine hölzerne Palisade stand. In einer späteren Ausbauphase wird die innere Ringmauer etwas erhöht, so dass die Lücken der ehemaligen Buckelquaderzinnen vermauert werden. Zudem wird in geringem Abstand eine weitere, etwas niedrigere Ringmauer mit Wehrgang vorgelagert, die nun den großzügig angelegten, weiträumigen Innenhof vollständig umschließt. In der Südseite öffnet sich ein einfaches, tonnengewölbtes Tor, das im oberen Geschoss eine Kapelle aufweist und um 1500 umgestaltet wurde. Die gesamte der Wetterau zugewandte Südseite ist als eindrucksvolle Schauseite konzipiert. Dies zeigt nicht nur die komplette Verblendung mit Buckelquadern, sondern insbesondere auch die Tatsache, dass sich hier der eindrucksvolle Südpalas des späten 12. Jahrhunderts mit seinen Fensteröffnungen in der Südwand, vor allem seiner markanten, achtlichtigen Fensterarkade, erhebt. Dieser von Kuno erbaute Palas ist sicherlich der prächtigste Bau der stauferzeitlichen Burganlage und in einer Reihe mit anderen zeitgleichen Repräsentativbauten des hochadeligen bzw. kaiserlichen Umfeldes zu sehen.
Das zweiteilige Gebäude, von denen der besser erhaltene östliche Teil wohl als reiner repräsentativer Saalbau ohne Wohnzwecke diente, während im Westteil offenbar die Burgherrschaft wohnte, weist drei, über eine hölzerne Außentreppeerschließbaren Raumebenen auf. Über einem kellerartigen Untergeschoss erheben sich zwei weitere Geschosse, von denen das mittlere beheizbar war. Die nach Binding wohl weitgehend achsensymmetrisch gestaltete Hofseite (nur die Ostfassade ist noch erhalten) wies im ersten Obergeschoss jedes der beiden Gebäudeteile ein Dreipassbogenportal sowie je zwei Doppelbogenfenster, im zweiten Obergeschoss ebenfalls je ein Dreipassbogenportal, eine vierlichtige Fensterarkade und ein Doppelbogenfenster (Biforium) auf. Sowohl die Mittelsäulen der Fensterbögen als auch die Kamine innen sind mit Bandknollenkapitellen verziert, außen weisen die Fensterblenden eine Schachbrett- bzw. Zickzackmusterung auf. Damit weist der stauferzeitliche Palas eindeutige bauliche Anklänge an die barbarossazeitliche Königspfalz Gelnhausen und auch die ebenfalls Kuno zugeschriebene Saalhofkapelle in Frankfurt auf. Im Obergeschoss des Ostteils befand sich zudem der ehemalige Zugang zur über dem Burgtor gelegenen Kapelle, die um 1500 allerdings tiefgreifend umgestaltet worden ist. In der Forschung umstritten ist die Errichtung des zylindrischen, 29 m hohen Bergfrieds mit rundem Grundriss an der Ostseite nahe der Ringmauer. Ob er bereits um 1160 oder später begonnen wurde, und ob er überhaupt noch unter Kuno vollendet wurde, ist bei einem derartigen Baukörper schwer auszumachen. Bis in die Höhe der oberen vier Rundbogenfenster dürfte er aber noch im 12. Jh. errichtet worden sein. Auch die bauliche Ausstattung mit Palas, Torbau, Kapelle und repräsentativer Buckelquadermauer, die völlig dem königlichen Bauprogramm auch der Pfalzen entspricht, spricht durchaus dafür, dass Kuno auf dieses letzte noch fehlende, symbolträchtigste Element mit erheblicher Fernwirkung, nämlich den Bergfried, kaum verzichtet haben dürfte. Überhaupt dokumentiert dieses Bauprogramm, das in einer Linie mit königlichen Bauten steht, höchste Ansprüche und somit den erheblichen sozialen Aufstieg dieser grundsätzlich noch unfreien Ministerialenfamilie. Die genaue zeitliche Einordnung der ersten, romanischen Bauphase ist allerdings in der Forschung heftig umstritten, die vorgeschlagene Datierungsspanne reicht von bald nach 1160 bis um 1200. Jedoch nennt sich Kuno erstmals bereits 1162 von Münzenberg, was zumindest für einen baldigen Baubeginn sprechen dürfte. Da 1174 sein bisheriger Stammsitz Arnsburg den Zisterziensern für die Errichtung eines Klosters an derselben Stelle übergeben wird, ist es naheliegend, das die neue Burg Münzenberg als Herrschaftsmittelpunkt voll funktionsfähig war. Das bedeutet hingegen noch nicht zwingend, dass schon alle der Stauferzeit zuweisbaren Steinbauten fertig gestellt waren. Grundsätzlich sind auch hölzerne Vorgängerbauten denkbar. Andererseits sind die in Münzenberg tätigen Steinmetze um 1170 im Umfeld der Königspfalzen Gelnhausen und Hagenau wahrscheinlich zu machen, so dass ein Abschluss der hauptsächlichen Baumaßnahmen 1174 durchaus im Bereich des Möglichen liegt.
Aus einem ähnlichen Grunde, nämlich der symbolträchtigen Repräsentation, dürften nach der Mitte des 13. Jh.s auch die Falkensteiner ein neues Bauprogramm durchgeführt haben, sei es, um ihren Anspruch gegenüber den anderen Miterben anzumelden oder um die erfolgreiche Vereinigung von fünf der sechs Erbteile unter ihrer Herrschaft zu dokumentieren. Jedenfalls errichteten sie wohl im dritten Viertel des 13. Jh.s einen zweiten, dreigeschossigen, jedoch eher schmucklosen Palas an der Nordseite, der als Falkensteiner Palas bezeichnet wird. Typisch für die Datierung sind die frühgotischen, spitzbogigen Doppel- bzw. Dreifacharkadenfenster, die insbesondere an der Nordwand - zugleich die nördliche Ringmauer - erhalten sind. Nach neueren Forschungen datieren sie um 1260 und würden damit vielleicht die gesamten Falkensteiner Baumaßnahmen zeitlich bald nach der Mitte des 13. Jh.s einordnen. Auch die Verstärkung der Ringmauer sowie die Errichtung des westlichen, ebenfalls runden, jedoch leicht konischen Bergfrieds dürfte wohl den Falkensteinern in dieser Zeit zuzuschreiben sein, wenn auch seine genaue Datierung ebenfalls schwer festzustellen und dementsprechend umstritten ist. Am plausibelsten ist er jedenfalls zur Vervollständigung des Falkensteiner Baurprogramms zu erklären, die ihren bedeutenden Vorgängern, ebenfalls Reichsministeriale, offenbar nicht nachstehen wollten.
Zur Komplettierung der Baulichkeiten schließen sich östlich an den Falkensteiner und auch Münzenberger Palas noch je ein Wirtschafts- bzw. Küchen- und Wohntrakt an. Die Wasserversorgung wurde offenbar durch einen am Westende des ummauerten Plateaus gelegene Brunnen gewährleistet. Im Laufe des 15. Jh.s werden nochmals zeitgemäße fortifikatorische Verbesserungen durchgeführt, indem der gesamte Burgberg nun durch einen Zwinger mit Schalentürmen sowie einen um 1500 errichteten Batterieturm geschützt wird. (R.F.)