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Gleiberg

Geschichte:

Die Anfänge der weithin sichtbar am Nordrand des Gießener Beckens gelegenen Burg Gleiberg reichen sehr wahrscheinlich bis in die Mitte des 11. Jhs. zurück. Das sich nach der Burg benennende Grafengeschlecht der Gleiberger wird in den Schriftquellen erstmals 1057 mit Friedrich von Gleiberg erwähnt. Die Herkunft des 1075 für die Dynastenfamilie nachweisbaren Grafentitels ist ebenso wenig sicher zu erschließen wie die frühe Genealogie. Um das Erbe des Grafen Hermann II. (gest. 1102) entbrannte zwischen seinen Söhnen Hermann III. und Dietrich eine Erbauseinandersetzung, in deren Verlauf Kaiser Heinrich V. Gleiberg eroberte und teilweise zerstörte. Im darauf folgenden Jahr, 1104, wurde die Herrschaft Gleiberg geteilt. Otto von Gleiberg, Inhaber der Westhälfte, heiratete eine Tochter Marquards I. von Solms und trat dessen Erbe an. Er führte ab 1141 den Namen Solms. Der Ostteil der Grafschaft mit der namengebenden Burg und dem Ort Gießen gelangte 1158 durch die Heirat der Erbtöchter Irmgard und Mechthild an Hartrad II. von Merenberg bzw. Pfalzgraf Rudolf von Tübingen. 1265 veräußerte Pfalzgraf Ulrich von Tübingen seinen entlegenen Gleiberger Fernbesitz mit dem Ort Gießen an Landgraf Heinrich I. von Hessen, der seinerseits auf den pfalzgräflichen Anteil an der Anlage zugunsten der Dynasten von Merenberg verzichtete. Im Gegenzug stellten ihm die Merenberger ihre Burgen Merenberg, Vetzberg und Gleiberg als Offenhäuser zur Verfügung.
Fünf Jahre nach dem Aussterben der Familie von Merenberg, die 1328 mit Hartrad IV. erloschen war, gelangte Gleiberg 1333 über Hartrads Tochter Gertrud an ihren Ehemann Graf Johann I. von Nassau-Weilburg. Burg Gleiberg wurde dem nassauischen Territorium einverleibt und bildete später den Mittelpunkt eines nassau-weilburgischen Amtes. Im 14. und 15. Jh. um- und ausgebaut wurde die Oberburg im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges 1646 von Truppen aus Hessen-Kassel zerstört. Elf Jahre zuvor hatte Kaiser Ferdinand II. Gleiberg dem protestantischen Grafen Ernst Casimir von Nassau-Weilburg entzogen und dem Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt überlassen. Erst 1646 gelangte Gleiberg an Nassau-Weilburg zurück. Die 1561 und 1589-91 ausgebaute Unterburg blieb von der kriegerischen Zerstörung verschont und diente als Amtssitz und Fruchtspeicher. Burg und Amt Gleiberg fielen 1816 an Preußen. 1879 gelangte der bereits 1837 entstandene Gleiberg-Verein in den Besitz der Burg. Heute ist die sanierte Ruine der Öffentlichkeit zugänglich. Die renaissancezeitlichen Gebäude der Unterburg beherbergen zwei Gastronomiebetriebe. (J.F.)

Bauentwicklung:

Die Baugeschichte der ausgedehnten Anlage konnte bislang erst in Ansätzen geklärt werden. Zum Baubestand der salierzeitlichen Gründungsanlage gehören die Fundamentreste eines quadratischen Turmes im Kernburgbereich. Dieser Turm wurde offenbar im 15. Jh. überbaut und seine Fundamentreste erst 1880 ergraben. Große Teile der Oberburg - u. a. der runde Bergfried und die in der Nordwestecke des Wohnbaus gelegene Kapelle - gehören dem 13. Jh. an. Der Merenberger Bau bildet den Kern eines vielfach veränderten Wohngebäudes und datiert zum Teil ins 13. und 14. Jh. Einer jüngeren Bauphase gehören die um die Kernburg gelegten weitläufigen Zwingermauern an. Der über polygonalem Grundriss aufgeführte Philippsturm im Süden der Anlage ist bereits für eine Verteidigung mit Feuerwaffen ausgelegt und somit einem Ausbau des 15. Jh. zuzurechnen. Im Bereich der Unterburg befinden sich im Norden zwei Flügelbauten, die im Wesentlichen Mitte bzw. Ende des 16. Jahrhunderts entstanden und Ende des 19. Jh. restauriert worden sind. (J.F.)

Baubeschreibung:

Burg Gleiberg erhebt sich weithin sichtbar auf einem markanten Basaltkegel am Nordrand des Gießener Beckens. Am Berghang schließt sich an die zweiteilige, aus Unter- und Oberburg bestehende Anlage die noch teilweise von einer Mauer umgebene ehemalige Talsiedlung Gleiberg an. Man betritt das Burggelände von Norden durch eine Torhalle der zweiflügeligen Unterburg, deren Gebäude in ihrer jetzigen Baugestalt weitgehend aus dem 16. Jh. stammen. Heute beherbergen die beiden Trakte der Unterburg zwei Gastronomiebetriebe. Der weiträumige Hof dient z. T. als Biergarten. Aus dem höchsten Punkt des Burgareals erhebt sich der markante 31,5 m hohe runde Bergfried, der einen Sockelbereich von 14,2 m und einen Hocheingang aufweist. Heute betritt man den aussichtsreichen Turm durch einen im 19. Jh. angelegten Eingang im Sockelgeschoss. Unmittelbar vor dem Turm befindet sich die schildmauerartige Ringmauer, die zum unteren Burghof eine abgerundete Ecke aufweist. Nördlich des Hauptturmes sind die Reste einer Zisterne erkennbar. Unmittelbar an die Giebelwand eines Traktes der Unterburg schließen sich die Fundamente des 1880 ergrabenen viereckigen Turmes an, der sehr wahrscheinlich dem salierzeitlichen Gründungsbau der Burg Gleiberg angehört. Zahlreiche bauliche Details weist der Merenberger Bau auf, dessen nördliche Außenseite deutlich mehrere Bauabschnitte erkennen lässt. Besondere Aufmerksamkeit verdient die in den Wohnbau integrierte Burgkapelle in der Nordwestecke. Der Sakralbau grenzt an eine Trennmauer und verfügte einst über ein Kreuzrippengewölbe. Aufgrund von zwei noch erhaltenen Ecksäulen mit Knospenkapitellen lässt sich der Sakralbau in die erste Hälfte des 13. Jh. datieren. Die westliche Langseite des Merenberger Baus, der u. a. über einen Gewölbekeller verfügt, weist Reste einer Kaminanlage mit Schornstein auf. Auf einer tieferen Geländestufe der Oberburg befindet sich eine spätmittelalterliche Zwingeranlage, die einen halbrunden Schalenturm sowie an der Nordseite einen polygonalen Flankenturm (Philippsturm) aufweist, der bereits für die Verteidigung mit Feuerwaffen ausgestattet ist. (J.F. )