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Greifenstein

Geschichte:

Geschichte und bauliche Entwicklung
Als Initiatoren der ersten hochmittelalterlichen Burggründung zu Greifenstein gelten die Herren von Beilstein-Lichtenstein, die im 13. Jahrhundert in dem Gebiet von Dill und Ulmbach Lehen des Hochstifts Worms innehatten, jedoch von den Grafen von Nassau um 1226 aus Beilstein verdrängt wurden und unweit ihres ehemaligen Stammsitzes die Burg Lichtenstein gründeten. Ab 1227 benannten sie sich in der schriftlichen Überlieferung bereits gelegentlich nach der Burg Greifenstein, die kurz vor dem Tod König Adolfs von Nassau 1298 von den Grafen von Nassau-Dillenburg, den Grafen von Solms sowie einem Aufgebot der Wetterauer Reichsstädte zerstört wurde, da die Herren von Beilstein-Greifenstein für Adolfs Gegenspieler, Albrecht von Habsburg Partei ergriffen hatten. Das Vorhaben der Greifensteiner, den Burgberg als Reichslehen zurück zu erhalten, scheiterte mit dem Tod Albrechts von Habsburg 1308. In der Folgezeit entbrannte um die Lehnshoheit über den Greifenstein ein Streit zwischen dem Hochstift Worms und dem Reich. 1395 gelangte die ab 1381 wieder hergestellte Burg Greifenstein durch Kauf in den alleinigen Besitz von Solms-Burgsolms, 1415 im Erbgang an Solms-Lich und Solms-Braunfels und ab 1432 konnte sich die Hauptlinie Solms-Braunfels als alleiniger Besitzer der Burg behaupten. Seit 1432 wurde die Anlage ständig verstärkt und erweitert. Die im Vorfeld der Burg gelegene Talsiedlung wurde in das Verteidigungssystem mit einbezogen. 1602 fiel Greifenstein dem als Festungsbaumeister bekannten Grafen Wilhelm I. von Solms-Greifenstein als Residenz zu, der sie zu einer der stärksten Festungsanlagen des Lahn-Dill-Gebietes ausbaute. Den Dreißigjährigen Krieg überstand Burg Greifenstein unbeschadet. Graf Wilhelm Moritz von Solms ließ die Anlage im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts weiter ausbauen und einen vierstöckigen Wohnbau anlegen. Zu den letzten auf Greifenstein durchgeführten Baumaßnahmen gehört die von Graf Wilhelm I. von Solms über der gotischen Burgkapelle errichtete Barockkirche (heute ev. Pfarrkirche), die 1683-91 aufgeführt wurde. Nachdem Graf Wilhelm I. seine Residenz nach Braunfels an der Lahn verlegt hatte, geriet die imposante Burg- und Schlossanlage Greifenstein in Verfall und wurde zur Ruine. Eine umfassende Restaurierung der Anlage erfolgte 1908-1914. Seit 1969 wird die von dem Greifenstein-Verein betreute Burganlage sukzessive konserviert und der Baubestand z. T. ergänzt. Die den Besuchern zu den Öffnungszeiten zugängliche Burg beherbergt u. a. die Glockenwelt Burg Greifenstein und einen Gastronomiebetrieb. (Jens Friedhoff.)

Baubeschreibung:

Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt die exponiert auf einer Hochfläche über dem Dilltal gelegene Burg Greifenstein im Wesentlichen dem spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ausbau der Anlage. Die Erkenntnisse zur Bau- und Grundrissgestalt der ersten hochmittelalterlichen Burg der Edelherren von Lichtenstein-Beilstein sind rudimentär und erlauben keine zuverlässige Rekonstrukton der Anlage. Sehr wahrscheinlich handelte es sich um eine über länglich-ovalem Grundriss aufgeführte Mantelmauerburg mit einer Zwingeranlage. Nach ihrer Zerstörung 1298 blieb die Burg für neun Jahrzehnte Ruine. Bauliche Aktivitäten entfalteten die Grafen von Solms in den 1380er Jahren. Diesem "Neubau" gehört die imposante Doppelturmanlage an, die bis heute das Erscheinungsbild der Burgruine prägt. Es handelt sich um eine mächtige, relativ kurze Schildmauer mit zwei eingestellten Rundtürmen (Nassauer Turm und Bruderturm), die über dem Wehrgang der Schildmauer als eigenständige Türme hervortreten. Auf der gegenüberliegenden Seite entstand ein Wohnbau mit abgerundeten Ecken. Die sich um den Kernbereich der Burg gruppierenden Gebäude (Marstall, "wüster Saal", Schütte und alte Küche) gehören vornehmlich der Mitte bzw. der zweiten Hälfte des 15. Jh. an. Östlich neben dem Doppelturm liegt der 1687-93 errichtete viergeschossige Wohnbau (Neuer Bau) mit einem breiten, halbrunden, erkerartigen Vorbau an der östlichen Schmalseite. Von dem 1589 erneuerten inneren Bering haben sich nur geringe Baureste erhalten. Wesentlich imposanter sind die Reste des äußeren Berings von 1447-1480 mit Wacht- und Tortürmen und einem Wallgraben. Dem 15. Jh. gehören auch die mächtigen Eckbollwerke an: Im Westen der vollständig erhaltene sog. Kuchen (1463), nach Norden der "Drachen" (1479), dessen Untergeschoss unterhalb des Neuen Baus erkennbar ist. Zwischen 1610 und 1620 wurde die Burg zusätzlich durch Batterietürme verstärkt, unter denen die sogenannte Roßmühle an der Ostflanke über ovalem Grundriss erbaut, das Deutsche Glockenmuseum beherbergt. Bei der ehemaligen Burg- und Schlosskirche, die heute der ev. Gemeinde als Gotteshaus dient, handelt es sich um einen doppelgeschossigen Sakralbau, bei dem die später aufgesetzte barocke Schlosskirche als Nachfolgebau der spätmittelalterlichen Burgkapelle (heute Unterkirche) dient. Die alte Burgkapelle, die der hl. Katharina geweiht ist, wurde zwischen 1448 und 1476 an einen älteren Flankenturm, die so genannte "Alte Wacht" angefügt. Bei der St. Katharinenkapelle handelt es sich um einen in zwei rechtecckige Räume durch einen Chorbogen geschiedenen Bau mit Spitzbogenfenstern und Schießscharten. Reste von Wandmalereien haben sich im Schiff und am Triumphbogen erhalten. Das Untergeschoss des Flankenturmes wurde 1613 zur Grablege der gräflichen Familie von Solms ausgebaut. Die Schlosskirche von 1683-91 zeichnet sich durch eine qualitätvolle Stuckdekoration aus. Im alten Ortskern von Greifenstein haben sich beachtliche Reste der Talbefestigung erhalten, u. a. die äußere Talpforte mit einem Burg- und Ortsmuseum. (J.F.)

Wie die erste, hochmittelalterliche Burg der Edelherren von Lichtenstien-Beilstein ausgesehen hat, die in im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts entstand, ist nicht bekannt. Nach der Zerstörung 1298 erfolgte unter den Grafen von Solms ab den späten 1380er Jahren auf der alten Burgstelle ein Neubau, der