Geschichte:
Die mittelalterliche Burganlage muss im 2. Viertel des 12. Jhs. bereits existiert haben, doch dürfte ihre Entstehung aufgrund historischer Indizien bereits in das 11. Jh. zurückgehen. 1184 wird sie erstmals ausdrücklich genannt. Kurz darauf wird die Burg vom Kölner Erzbischof erworben und an die Tecklenburger Grafen als Lehen vergeben. 1225 suchte Friedrich von Isenberg, der Mörder des Erzbischofs Engelbert von Köln, auf der Tecklenburg vorübergehend Zuflucht, woraufhin vom päpstlichen Legaten der Kirchenbann über sämtliche seiner Unterstützer in der Burg ausgesprochen wird. Die Lehnshoheit der Kölner Erzbischöfe über die Burg ging in der Folgezeit wieder verloren. 1326 ging die Herrschaft über Tecklenburg an die Grafen von Schwerin, welche die Linie Tecklenburg-Schwerin begründeten. Im Jahr 1400 wird die Burg durch die verbündeten Bischöfe von Münster und Osnabrück erobert, was einen Schlusspunkt der ständigen Auseinandersetzungen der Bistümer mit den Tecklenburger und Bentheimer Grafen bedeutete. Nachdem Burg und Grafschaft Tecklenburg 1557 im Erbgang an die Grafen von Bentheim gelangt waren, verkauften diese 1729 ihren Anteil an den preußischen König. Dieser konnte schon 1707 den Anteil derer von Solms erwerben, welchen dieses Geschlecht in einem 1686 beendeten Erbschaftsprozess erlangen konnte. Die Verwaltungsfunktionen der Burg wurden nach Lingen verlegt, das Burgareal wurde teilweise verpachtet. Einige Gebäude dienten als Gefängnis oder Irrenhaus. Mit einer Modernisierung und einem Ausbau der Festungsanlagen wurde begonnen, sie gelangten aber aus Kostengründen nicht zum Abschluss. In der 1. Hälfte des 19. Jhs. wurde das Steinmaterial der Burggebäude verkauft und für Neubauten in der Stadt verwendet. (Stefan Eismann)
Bauentwicklung:
Über die mittelalterliche Burganlage können keine Aussagen getroffen werden. Eine Burgkapelle wird erstmals 1209 genannt, sie lag vermutlich zwischen Burg und Vorburg. Um 1527 ist die Burg wieder instand gesetzt worden. Unter die damaligen Umbaumaßnahmen fällt wahrscheinlich auch die Aufschüttung des Mittelwalles an der Stelle eines vorhergehenden Gebäudeflügels. Zwischen 1562 und 1580 ist der Eingang zur Burg von der östlichen auf die nördliche Seite verlegt worden, dies dürfte auf größere Umgestaltungsmaßnahmen im Inneren schließen lassen. Ein weiterer festungsmäßiger Ausbau erfolgte im 16./17. sowie im frühen 18. Jh. Das Torhaus ist durch die daran angebrachte Jahreszahl auf das Jahr 1657 datiert. Ab dem späten 18. Jh. wurden die Schlossgebäude von der preußischen Regierung aus Kostengründen niedergelegt. 1883/84 wurde auf dem mittleren Wall ein Aussichtsturm errichtet. (Stefan Eismann)
Baubeschreibung:
Aussagen über den Grundriss der mittelalterlichen Burganlage sind bisher nicht möglich. Möglicherweise stellte das 1226 erstmals genannte "suburbium" die ursprüngliche Vorburg dar. Nähere Angaben zum Aussehen der Burg lassen sich erst für das 16./17. Jh. machen. Die heutige Vorburg im Westen wurde wahrscheinlich im 16. Jh. angelegt. In einem Inventar aus dem Jahr 1623/24 lassen sich folgende Gebäude der Vorburg zuordnen: Bauhaus, Stall, Reisigenstall, Drostenstall, Pförtnerkammer, Kornscheune und Torhaus mit Archiv im Obergeschoss. Außerdem werden in einer anderen Quelle Remise und Schmiede erwähnt. Zwischen Vor- und Hauptburg lag der "mittlere Wall" mit vorgelagertem Graben, der senkrecht aufgemauerte Wände besaß. Unter dem Wall führt eine tonnengewölbte Durchfahrt hindurch. In den Wall war ein fünfeckiger Turm integriert, ein zweiter Turm befand sich eventuell am Nordende des Walls. Die Hauptburg bestand aus einem ringsum mit Gebäuden umgebenen Hof, neben den Wohn- und Amtsgebäuden waren hier Kornhaus, Backhaus, Rossmühle und diverse Vorratskeller untergebracht. Auf dem Burghof soll bis ca. 1820 ein runder Turm gestanden haben, der mit der Jahreszahl 1501 versehen gewesen sein soll. Im Nordosten und Südwesten der Hauptburg standen Bastionen aus dem 17. Jh., die im frühen 18. Jh. mit Erdwerken überformt wurden. Die Datierung der 1944 entdeckten Bastion ist umstritten. Ein ebenfalls aus dem 17. Jh. stammendes Erdwerk auf der Nordseite wurde im 18. Jh. beseitigt. (Stefan Eismann)
Arch-Untersuchung/Funde:
1944 wurde die vorgelagerte Bastion in der Schlossstraße entdeckt und 1951 am Schlosstor zwischen Vor- und Hauptburg das Wohngebäude des Torwächters aus der Zeit vor 1672. (Stefan Eismann)