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Stein an der Zwickauer Mulde

Geschichte:

Die Geschichte der Burg Stein, die sich auf einem unmittelbar am Ufer der Zwicker Mulde gelegenen Bergsporn erhebt, ist eng mit der der 1945 zerstörten Burg Hartenstein verbunden. In der Literatur wird Stein zumeist als "Außenposten" von Hartenstein bezeichnet. Burg Stein bildete den neuen Herrschaftsmittelpunkt der Ministerialenfamilie von Grünhain, die um 1233 ihren Besitz durch die Gründung des Klosters Grünhain verlor und einen Ortswechsel nach Stein vollzog. Als Initiator der Burggründung gilt Heidenreich von Stein. Die Anlage sicherte einen Übergang über die Zwickauer Mulde. 1372 versicherte das Reichsoberhaupt Karl IV. im Vertrag zu Pirna den Markgrafen von Meißen den Besitz des "slozs Steyn bey dem Hartenstein gelegin". Die Burg diente verschiedenen Dienstmannen als Wohnsitz und gelangte schließlich 1406 in den Besitz der Familie von Schönburg, die die Burg weiterverlehnten. Als Herren zu Stein werden u. a. die von Kaufungen (1338 u. 1448-1450), von Tettau (1402-1406) und seit 1450 die Familiie Trützschler von Eichelberg genannt. 1818 fallen Schloss Hartenstein und Burg Sein an den Fürsten Alfred (1786-1840), Stifter der Linie Schönburg-Hartenstein. Später gelangt der Besitz an seinen Neffen Otto Friedrich von Schönburg-Waldenburg (1819-1893). 1945 wird die Familie enteignet. Nach wechselvoller Nutzung erwarb 1995 Dr. Alfred Prinz von Schönburg-Hartenstein die Burg. Während die Unterburg einen Forstbetrieb beherbergt, wird die Oberburg museal genutzt. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Die relativ kleine Burganlage zeichnet sich durch eine recht komplizierte und bislang erst unzureichend untersuchte bauliche Entwicklung aus. Zum ältesten Baubestand zählen Teile der auf einem Felssporn gelegenen Oberburg mit dem runden Bergfried. Der spätromanische Rundturm entzieht sich bislang einer exakten Datierung. Der eigenwillige Abschluss des Turmes mit einem Rundtürmchen und vier Giebeln entstand erst im 16. Jahrhundert. Im Zuge einer bauhistorischen Untersuchung des Turmes konnte ein Dendrodatum gewonnen werden, das die Entstehungszeit der Turmhaube in das Jahr 1566 setzt. Ob weitere Teile der Oberburg um 1300 entstanden sind, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Einen vagen Hinweis auf die zeitliche Einordnung einzelner Details bietet die Datierung der Fenstergewände in die Jahrzehnte um 1400 anhand von Vergleichsbeispielen. Etwa zur gleichen Zeit dürfte die freistehende Burgkapelle in unmittelbarer Nachbarschaft des Bergfrieds errichtete worden sein, die im 19. Jahrhundert bis auf wenige Baureste niedergelegt worden ist.
Im Inneren des Wohngebäudes der Oberburg befindet sich eine Rundtreppe mit hölzerner Spindel, die ins 14./15. Jh. datiert. Der Hauptraum wurde in spätgotischer Zeit unterteilt. Die Entstehung der so genannten Unterburg, deren Gebäude im Tal der Zwickauer Mulde angelegt wurden, erfolgte nicht vor dem 14. Jahrhundert. In eine spätere Zeit weisen die Einzelformen der Zwerchhäuser auf den Dächern der Unterburg, die, zieht man zum Vergleich weitere Schlossbauten im mitteldeutschen Raum heran, für die Mitte des 16. Jahrhunderts als typisch zu gelten haben.
1762 wurde die ehemals vierflügelige Anlage der Unterburg durch einen Brand zerstört, so dass nur der von einem Rundturm flanierte Westflügel und ein Teil des Südflügels erhalten blieben. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Dem Besucher präsentiert sich die unmittelbar an der Zwickauer Mulde gelegene Burg Stein als eine reizvolle mehrteilige, aus Ober- und Unterburg bestehende Baugruppe. Der Gründungsanlage des 13. Jahrhunderts gehören sehr wahrscheinlich Teile der auf einem mäßig hohen schmalen Felssporn gelegenen Oberburg an. Sie besteht aus einem runden, in die Ring- und Zwingermauer eingebundenen Bergfried, der an der Nordseite befindlichen Zwingeranlage, dem mit Anbauten versehenen annähernd rechteckigen Wohngebäude mit Satteldach und dem von der Ringmauer nach Süden begrenzten schmalen Burghof. Der Bergfried gehört mit einem Durchmesser von nur 7,95 m zu den kleineren Haupttürmen und beeindruckt durch seine aus dem Jahr 1566 stammende eigenwillige Turmhaube. Da keine dendrochronologisch verwertbaren Hölzer vorhanden sind, entzieht sich der steinerne Bergfried einer exakten Datierung.
Von der einst mehrflügeligen Unterburg, einer im Tal gelegenen spätmittelalterlichen Anlage, haben sich nach einer Brandzerstörung im 18. Jahrhundert lediglich der West- und ein Teil des Südflügels erhalten, An der Südwestecke des dreigeschossigen Gebäudes befindet sich ein dreiviertelrunder Flankierungsturm mit einer steilen Haube. Der Rundturm der Unterburg weist z.T. beeindruckende Netzgewölbe auf. (Jens Friedhoff)