EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Wildenfels im Erzgebirge

Geschichte:

Aussagekräftige Quellen zur frühen Geschichte von Burg und Herrschaft Wildenfels fehlen. Ungeachtet dessen wird man vor dem Hintergrund der Kolonisationsbewegung in der Region die Entstehung eines Herrschaftsmittelpunktes in das letzte Drittel des 12. Jahrhunderts setzen können. Gesicherten Boden betreten wir erst in im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts mit der Nennung von Burgmannen zu Wildenfels 1233 in der Gründungsurkunde des Klosters Geringswalde.
Unklar ist, ob und wann die Herren von Wildenfels die Burg gegründet haben oder eine von anderen errichtete Anlage im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts erwerben konnten. In einer 1341 für die Nikolaikirche zu Altenburg ausgestellten Urkunde findet sich ausdrücklich der Hinweis, dass das Dokument "in castro Wyldenvels" ausgestellt worden ist.
Sehr wahrscheinlich gehörte die Burgen Wildenfels zum Herrschaftsbereich der Meinheringer, die in der Region landesherrliche Rechte für sich beanspruchten und im 13. Jahrhundert über die Doppelherrschaft Hartenstein-Wildenfels verfügten. Im Vorfeld der Burg entwickelte sich eine Talsiedlung, die 1425 in den Schriftquellen als "Städtlein" bezeichnet wurde. 1356 trugen die Wildenfelser ihre Herrschaft dem König von Böhmen zu Lehen auf. 1427 gab der Kurfürst von Sachsen, der Wildenfels als ein heimgefallenes Lehen betrachtete, an Nickel Plug aus. Diese Belehnung zog den Protest der Burggrafen von Meißen nach sich, denen schließlich die Lehnshoheit zugesprochen wurde. 1440 traten die Burggrafen von Meißen aus dem Hause Plauen ihre Lehnshoheit über Wildenfels an die Herzöge von Sachsen ab. Ungeachtet dessen konnten die Herren von Wildenfels ihre relativ autonome Position behaupten. Nach dem Erlöschen der Familie 1602 gelangten Burg und Herrschaft Wildenfels an die Grafen von Solms-Laubach, die die heute noch blühende Linie Solms-Wildenfels stifteten. 1706 erfolgte die Anerkennung der sächsischen Landeshoheit über Wildenfels und 1846 endete die Sonderstellung des Gebiets als Standesherrschaft. Das Schloss befand sich bis 1945 im Besitz der von Solms-Wildenfels. Nach wechselvoller Nutzungsgeschichte beherbergt das umfangreich sanierte Schloss heute die Stadtbibliothek sowie die Schlossgalerie. (Jens Friedhoff)

Bauentwicklung:

Das heutige Erscheinungsbild des imposanten, aufwendig sanierten Schlosses wird im Wesentlichen durch die Umbauten in nachmittelalterlicher Zeit bestimmt. Sowohl der Zustand als auch die gegenwärtige Nutzung der Anlage schließen archäologische Untersuchungen aus, die zur Klärung der Gründungssituation beitragen könnten. Ungeachtet dessen spricht einiges dafür, dass die Burggründung bereits in die Zeit vor 1200 zu setzen ist. Im Zusammenhang einer von der Stadt Wildenfels in Auftrag gegebenen Bauaufnahme legte der mit dem Projekt beauftragte Architekt eine hypothetische Rekonstruktion der Bauabfolge vor, die im Wesentlichen durch den Baubestand sowie frühneuzeitliche Bildquellen bestätigt wurde: Die hochmittelalterliche Gründungsanlage bestand offenbar aus einem quadratischen Wohnturm in Ecklage einer kleinen viereckigen Ringmauer, die im Bereich des so genannten Oberschlosses im mittleren Teil der Anlage zu lokalisieren ist. Dieser ersten bescheidenen Anlage, die um 1170 entstanden sein könnte, folgte bis 1200 ein Ausbau. Es entstand eine Vorburg, deren Ringmauer sich bis zur Umrandung des Bergsporns in westlicher Richtung erstreckte. Im Osten wurde die Burg durch einen Halsgraben gesichert. Zwischen 1200 und 1230 erfolgte ein weiterer Ausbau der Burg durch die Verstärkung der im Südosten gelegenen Toranlage (Torturm?). In der Nordostecke der Kernburg wurde ein Eckturm errichtet. Die zeitlich nächste Umbauphase datiert in die Zeit um 1320: Die Vorburg wurde durch einen Zwinger verstärkt. Am Westende der alten Vorburg entstand ein neuer Wohnbau. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde sehr wahrscheinlich der romanische Eingang aufgegeben und ein direkter Zugang an die Ostseite angelegt, der durch die neuen Schlossbauten führte. Der alte Zwinger wurde durch den Ostflügel überbaut. Unter Verwendung von mittelalterlicher Bausubstanz wurde 1636 das Kornhaus am westlichen Ende des Schlosses aufgeführt. Um 1650 erfolgte ein großzügiger Ausbau der gesamten Anlage. Der Halsgraben wurde durch das vordere Schloss an der Ostseite der ehemaligen Burg überbaut. An der Südseite entstanden neue Gebäude. Weitere Aktivitäten im Zeitalter des Barocks datieren in die 1720er Jahre.
Im Inneren haben sich mehrere Räume erhalten, die eine gute Stuckdekoration des ausgehenden 18. Jahrhunderts aufweisen. Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen erfolgten u. a. 1959-1962. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Als Bauplatz der Burg Wildenfels diente ein langgezogener Bergsporn, der durch den noch erkennbaren jüngeren Halsgraben von dem im Osten sich anschließenden Gelände der Stadt abgetrennt wurde. Zur Grundrissgestalt und zum Baubestand der sehr wahrscheinlich bereits im ausgehenden 12. Jahrhundert gegründeten Burg lassen sich aufgrund fehlender archäologischer Grabungen keine genauen Angaben machen. Die zum Teil viergeschossigen steinernen Gebäude werden von Schieferdächern bekrönt. Charakteristisch sind die schlichten, weitgehend ungegliederten Außenfassaden der Anlage. Die Erschließung des Hauptgebäudes erfolgt durch einen polygonalen Treppenturm in der Südwestecke des ersten Hofes. Im ersten Obergeschoss des Südflügels befindet sich der Festsaal, der 1782 erneuert wurde und eine klassizistische Pilastergliederung aufweist. Beachtung verdient ein Ofen aus Meißner Porzellan in Form einer Säule sowie die Gemälde der Supraporten. Den Ahnensaal, der heute als Trauzimmer genutzt wird, schmücken imposante Gemälde von Theodor Große aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie zeigen u. a. die Oranierhochzeit (1625) sowie den Einzug des Grafen von Solms in Wildenfeld (1602). Weitere Räume weisen ebenfalls eine vorzügliche Stuckdekoration auf. (Jens Friedhoff)