EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Drégely

Geschichte:

Die im NO-Teil des Börzsöny-Gebirges, auf einem 444 M hohen Felsenrücken errichtete Burg ist urkundlich zuerst 1285 erwähnt. Ihre Erbauer waren die Mitglieder des Herrengeschlechtes Hont-Pázmány. Die Gründung der Burg erfolgte wahrscheinlch nach 1250. In den ersten Jahrzehnten des 14. Jhs. Kam die Anlage in könliglichen Besitz. 1390 erhielt sie die Adelsfamilie Tari, sie blieb der Besitzer der Burg bis 1424, als sie durch Tausch wieder in königliche Hände kam. Ab 1438 gehörte die Befestigung dem Erzbistum Esztergom. Nach dem Eindringen der Osmanen in in Königreich Ungarn, als 1552 der Pascha von Buda während eines Feldzuges viele Burgen der nordöstlichen Landesteiles eroberte, konnte die Burgmannschaft unter der Leitung von Kapitän György Szondi vier Tage lang die relativ kleine Befestigung verteidigen. Die Verteidiger kamen alle ums Leben. Ihre heroische Standhaftigkeit blieb symbolhaft für das ungarische Geschichtsbewußtsein. Die während der Belagerung zerstörte Burg wurde durch die Osmanen - schenkt man der türkischen Historiographie Glauben - wiederaufgebaut. Auf der Burg wurden fast 200 Soldaten stationiert, was nur für die bedeutenden Befestigungen üblich war. Die Eroberer liessen dann 1575 am Fusse des Gebirges eine neue Holz-Erde-Festung errichten. Nach 1593 spielte die Burg wahrscheinlich schon keine Rolle mehr. (Istvan Feld)

Bauentwicklung:

Die bisherigen archäologischen Forschungen konnte noch keine umfassenden Erkenntnisse zur Gründungsanlage liefern. Die Burg erstreckte sich aber wahrschenlich auf das ganze, etwa 50 x 15 m grosse Felsenplateau. In Norden rechnet man schon vom Anfang an mit einem Turm. Teile der westlichen Wohnbauten, sowie wenigstens ein Teil des in Felsen gehauenen südlichen Eingangsystems können auch noch aus dem späten 13. Jh. stammen. Später - wahrscheinlich schon im 15. Jh., vielleicht wegen des Zusammensturzes des Vorgängerbaus - erbaute man den rechteckigen Nordturm. Darüber hinaus könnte ein volllständiger Ausbau des südlichen Eingangbaus (Torturm?) in dieser Zeit erfolgt sein. Die Errichtung der nördlichen und westlichen Zwingermauern erfolgte vermutlich in der ersten Hälfte des 16. Jhs. In diese Zeit ist auch der Bau des südlichen Vorwerkes - auf einem kleinen, von der Hauptburg durch ein, wahrscheinlich künstlichen Graben getrennten Felsenblock - mit Schiesskammern zu setzen. Die weiteren südlichen Vorburgteilen sind nicht bekannt (Istvan Feld)

Baubeschreibung:

Die stark zerstörte Burganlage wies vor den Grabungsarbeiten nur auf ihrer West- und Nordteile bedeutendere Mauerzüge auf. Die Zwingermauern mit den beiden halbkreisförmigen Verteidigungswerken standen drei bis vier Meter hoch aufrecht. Sie besaßen auch noch Reste von Schießscharten. Die attraktivsten Teile der Burg befanden sich im Süden. Es handelt sich um Zwei in den Felsen gehauene schmale Eingänge sowie Treppenabschnitte. Auf dem höchsten Plateau standen im Westen etwas höhere Mauerteile, die wohl Wohnbauten zuzurechnen sind. Erst jüngere Grabungen brachten die Reste des quadratischen Nordturmes – Teile des Kellerniveaus mit Partien eines Tonnengewölbes – sowie weitere Mauerteile im Osten und Süden zum Vorschein. Hier fällt der Felsen steil ab, so dass eine Zwingeranlage entbehrlich war. Die Sanierung bzw. Rekonstruktion der letzterwähnten Burgteile ist an verschiedenen Stellen fehlerhaft, so dass eine eine Korrektur nach Abschluss der Freilegungsarbeiten erforderlich ist. Der Felsblock ist vom Westen und Süden von einem Felsengraben umgeben. Im Süden befinden sich zwei Mauerabschnitte, die das nur in spärlichen Resten vorhandenen Vorwerk mit der Hauptburg verbindet (Istvan Feld.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die Sanierung der Ruinen setzte schon 1988 ein, wurde jedoch nicht immer zufriedenstellend durchgeführt. Eine systematische archäologische Untersuchung setzte erst 2000 ein. Die Arbeit wurde bisher nicht bei den zuerst sanierten westlichen Zwingermauern, sondern vor allem auf dem Felsenplateau der "inneren Burg" durchgeführt. Hier hat T. Majcher vor allem die erhaltengebliebenen Reste des quadratischen Turmes im Norden freigelegt, die Bauten um den Burghof nur mit kleineren Sondierschnitten untersucht, sowie den Grundriss der südlichen Teile geklärt. Zuletzt wurden die zum Teil schon im Graben errichteten Teile des südlichen Vorwerkes ausgegraben. Die Freilegungen brachten ein bedeutendes, vor allem keramisches – aber noch unbearbeitetes - Fundmaterial ans Tageslicht, das uns u.a. darüber informiert, dass in der Burg nach der Belagerung von 1552 nicht unbewohnt blieb (Istvan Feld)