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Lichtenfels bei Dalwigksthal

Geschichte:

Die Anfänge der imposanten Burg Lichtenfels reichen ungeachtet der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1230 in das ausgehende 12. bzw. das beginnende 13. Jh. zurück. Als Initiator der Burggründung kommt der Corveyer Abt Widukind von Spiegel in Betracht (reg. 1189-1205), der die Höhenburg über dem Orketal zum Schutz der Besitzungen seiner Abtei im Waldecker Bergland errichten ließ. Unter Widukind von Spiegel entstand ferner die ebenfalls im Waldecker Bergland gelegene Kugelsburg bei Volkmarsen. Wenige Jahre nach ihrer Gründung scheint Burg Lichtenfels zerstört worden zu sein. Abt Hermann von Corvey stellte die Anlage vor 1230 wieder her und trat die Hälfte von Lichtenfels an den Kölner Erzbischof ab. 1249 erneut in der alleinigen Verfügungsgewalt der Abtei Corvey, gelangte die Burg 1267 zusammen mit den Städten Sachsenberg und Fürstenberg nach einer Fehde in den Pfandbesitz der Grafen von Waldeck. Die Burg bildete den Mittelpunkt eines vor 1336 bezeugten Amtes und diente seit dem zweiten Drittel des 14. Jh. den Grafen von Waldeck zeitweise als Pfandobjekt. Im Jahre 1473 belehnten die Grafen von Waldeck schließlich die Herren von Dalwigk mit Burg und Amt Lichtenfels. An der Burg hatten zeitweise mehrere Linien der Familie von Dalwigk Anteile (Ganerbenburg). Die an der Wende vom 16. zum 17. Jh. zerstörte und 1631 teilweise wiederhergestellte Burg wurde 1906-1914 um- und ausgebaut und verblieb bis 1951 im Besitz der Freiherren von Dalwigk. In diesem Jahr gelangte die Burg an die Anker-Werke in Bielefeld, die die Anlage als Erholungsheim für ihre Mitarbeiter nutzten. 1970 wurde die Burg veräußert. Pläne für den Ausbau zu einem Hotel scheiterten. 1990 ging Burg Lichtenfels schließlich in Privatbesitz über. (J.F.)

Bauentwicklung:

Die bauliche Entwicklung der Höhenburg in Spornlage ist bislang erst unzureichend untersucht worden. Insbesondere die Anlagegestalt - polygonale Grundrissgestalt mit rundem Bergfried in Frontstellung an der Angriffsseite - spricht für eine hochmittelalterliche Gründung der 1230 erstmals urkundlich erwähnten Burg. Dem Baubestand der Gründungszeit gehören insbesondere die Fundamente des runden Bergfrieds und weite Teile der Ringmauer an, während die sich an die Ringmauer anlehnenden Wohngebäude vermutlich in spätmittelalterlicher Zeit verändert wurden. Bildquellen, die Aufschluss über das Aussehen der Burg vor ihrer Zerstörung in der frühen Neuzeit geben, sind bislang nicht bekannt. Auf überlieferten Ansichten des späten 18. Jh. und historischen Fotografien des frühen 20. Jh. ist die Anlage bereits ohne den runden Bergfried zu sehen. Das heutige Erscheinungsbild der Burg geht maßgeblich auf die späthistoristische Wiederherstellung der Anlage in den Jahren 1906 bis 1914 zurück. Mit der Ausführung des Wiederaufbaus zu Beginn des 20. Jh. betrauten die Freiherren von Dalwigk 1906 den aus Wuppertal stammenden Architekten Gerhard August Fischer, nach dessen Tod Ende 1906 die Bauleitung seinem Sohn, Richard Fischer übertragen wurde. In den Jahren 1890 bis 1902 oblag dem Architekten Gerhard August Fischer die Wiederherstellung des Schlosses Burg an der Wupper. In Lichtenfels wurde der noch nicht vollständig abgeschlossene Ausbau 1914 durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendet. Nach dem Übergang der Burg aus dem Familienbesitz der Freiherren von Dalwigk an die Anker-Werke in Bielefeld wurde der Baubestand behutsam ergänzt und das Innere der Burg umgestaltet. (J.F.)

Baubeschreibung:

Mit ihrer länglich ovalen Grundrissgestalt passt sich die in Spornlage errichtete Burg Lichtenfels der Topographie des Geländes an. Südlich des Hauptburgplateaus lag auf einem tiefer gelegenen Parterre die annähernd rechteckige Vorburg, die von dem nach Süden weiter ansteigenden Gelände ehemals durch einen - heute zugeschütteten - Halsgraben abgetrennt wurde. Spuren von der Bebauung der Vorburg haben sich bis auf geringe Ringmauerreste nicht erhalten. Entgegen der modernen Wegführung, die auf der Westseite um die Hauptburg herumführt, um an der Nordseite durch ein Tor den Zugang zum Innenhof zu ermöglichen, befand sich das ehemalige Burgtor an der Südseite in der schildmauerartig verstärkten Ringmauer in unmittelbarer Nachbarschaft des runden Bergfrieds, der als Fronturm in die Ringmauer eingebunden ist. Die heutige Zuwegung wurde vermutlich in der frühen Neuzeit geschaffen. Das ursprüngliche Burgtor, das weder Hinweise auf eine Zugbrücke noch auf ein Fallgatter zeigt, wurde 1906 im Kontext der Entschuttung des Hauptburgareals freigelegt und später wieder vermauert. Von den Wohngebäuden der Burg - es handelt sich sehr wahrscheinlich um Geschlechterhäuser der Ganerben von Dalwigk, waren vor dem Ausbau ab 1906 nur wenige Mauerreste an der Westseite vorhanden. Im Zuge der Wiederherstellung der Burg nach einer Zerstörung an der Wende vom 16. zum 17. Jh. scheint der Bergfried nicht erneut aufgeführt worden zu sein. Die ehemals sicher repräsentativen Wohnbauten erhielten im 17. Jh. einfache Fachwerkobergeschosse. Als Wohnsitz hatte die Anlage bereits im ausgehenden 16. Jh. ihre Bedeutung verloren, da unterhalb der Burg zwei Adelssitze der Familie von Dalwigk entstanden. 1906 stieß man lediglich auf die Fundamentmauern des runden Bergfrieds, der in freier Rekonstruktion aus dem alten Stein- und Schuttmaterial aufgeführt wurde. Die Wohngebäude, über deren Breite man keine Angaben hatte, wurden in der "gotischen Formensprache" wieder hergestellt. Zwischen den beiden Gebäuden an der Westseite der Ringmauer liegt der Burgbrunnen. Im östlichen Teil des Innenhofs entstand ein Remisengebäude. (J.F.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Im Zuge von Bauarbeiten im Vorburgbereich stieß man bei archäologischen Untersuchungen auf hoch- und spätmittelalterliche Keramik. Der Einzelfund eines karolingerzeitlichen Wölbwandtopfes steht in keiner Beziehung zur hochmittelalterlichen Burggründung. (J.F.)