EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Nána

Geschichte:

Die Ortschaft Nána diente schon ab dem 14. Jh. als Sitz der Aristokraten-Familie Kompolti. Direkter Quellenhinweis auf einen Herrenhof ist aber nicht bekannt, nur die hiesige Pfarrkirche ist ab 1332 erwähnt. Die Bestimmungen des Landtages von 1445 deuten darauf hin, dass hier nach 1437 János Kompolti eine Burg ausbauen ließ, die dann bis zum Aussterben der Familie (1522) als ihre Residenz funktionierte. Danach gehörte sie der Familie Országh, 1543 wurde sie von den Osmanen erobert. Nach 1560 wird als Befestigung in den Schriftquellen schon nicht mehr erwähnt und fiel den Abbruchsarbeiten zum Opfer. Eine Sanierung der Ruinen wurde zuerst 1966, dann 2009 durchgeführt, die Burg ist heute als Museum zugänglich.

Bauentwicklung:

Den frühesten Bau des Burghügels stellt eine Rotunde dar, die als Pfarrkirche der Siedlung im 11-13. Jh. erbaut wurde. Wahrscheinlich schon aus dem 14. Jh. stammt ihre halbkreisförmige Erweiterung nach Westen, sowie ein weiterer Bau in der Südwestecke des heutigen Burgareals, ein 10x25 m großes Gebäude, einst vielleicht mit hölzernem Oberbau, das neuerdings als der früheste Herrenhof der Kompoltis interpretiert wird. Wahrscheinlich um 1400 wurde am Nordrand des Hügels ein etwas größerer, zum Teil unterkellerter Zweittraktbau errichtet, dessen Räumlichkeiten auch im Erdgeschoss zu Wohnzwecken dienen konnten. Gleichzeitig ließ die Besitzerfamilie die südlich liegende Kirche umbauen bzw. erweitern, der neue, gotische Bau mit einem Südturm hat aber seine zentrale Anordnung beibehalten. In seinem Chor wurde 1428 László Kompolti begraben. Mitte des 15. Jh.s ließ dann János Kompolti den Nordbau und die Kirche mit einem breiten Mauerzug in eine quadratische Burganlage zusammenzufassen, deren wichtigen Bestandteil im Westen ein mächtiger Torturm bildete. Es ist fraglich, ob die äußere (Zwinger-)mauer mit dem südöstlichen äußeren Torbau auch aus dieser Bauperiode stammt oder erst später errichtet wurde. Das erwähnte südwestliche Gebäude wurde jedenfalls in die äußere Verteidigungslinie integriert. Im 15-16. Jh. entstanden weitere Wohn- bzw. Wirtschaftsbauten entlang der östlichen und südlichen inneren Burgmauern. Der Keller unter dem Burghof wurde schon nach 1522 ausgebildet. Ob die Palisaden im West- und Ostzwinger, sowie die Erdwerke um die Burg herum noch vor das 16. Jh. zu datieren sind, ist noch nicht vollkommen geklärt.

Baubeschreibung:

Die unregelmäßig quadratische, etwa 80x60 m große Burgruine liegt in der Dorfmitte, auf einem niedrigen, gut zugänglichen Hügel. Ihre auffallendsten Bauelemente sind der dicke, mehrstöckige Torturm der inneren Burgmauer im Westen, sowie der oben achteckige, mit Maßwerkfenstern versehene Kirchturm im Süden. Alle andere Bauteile wurden während der Grabungen freigelegt und ergänzt. So stehen die inneren wie auch die äußeren Umfassungsmauern in ihrer neuerlich sanierten Form in einer Höhe von 2-3 m, darunter auch der äußere Torbau mit Buckeleckquaderung. Architekturdetails zeigen noch die spärlichen Reste der Kirche sowie die mit Schutzdach versehenen Mauerstümpfe des Nordbaus auf. Im letzteren sind auch die wichtigsten Steindenkmäler ausgestellt. Auch für museale Zwecke wurde der Südwestbau neuerdings abgedeckt. In der Südostecke des inneren Hofes, in der Nähe des Kellereinganges, befindet sich ein Brunnen.

Arch-Untersuchung/Funde:

Nach kleineren, unsachgemäßen Arbeiten der 1940-er Jahren führte zwischen 1962 und 1966 Nóra Pámer die systematische Freilegung der Burgruinen durch. Weitere ergänzende Grabungen fanden 2009 vor allem im Burghof und im Südwestbau statt. Das reiche, systematisch noch unbearbeitete Fundmaterial besteht vorwiegend aus Kachel- und Küchenkeramik des 15-16. Jh.s., auch bedeutende gotische Steindenkmäler sind ans Tageslicht gekommen.