EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Rüsselsheim

Geschichte:

Die Burg bzw. Festung Rüsselsheim geht aus einer der zahlreichen Burggründungen der Grafen von Katzenelnbogen hervor, die zudem dank ihrer späten Gründung genau zu datieren ist. Am 18. Oktober 1399 berichten Vertreter der Reichsstädte Mainz und Frankfurt von einer Burg, welche die Grafen von Katzenelnbogen in Rüsselsheim begonnen hätten. In den folgenden Jahrzehnten gibt es dann weitere Baunachrichten aus Rüsselsheim, weshalb die Vollendung des Neubaues erst auf das Jahr 1454 datiert wird. 1437 erhielten Graf Johann von K. und sein Sohn das Privileg Kaiser Sigismunds, das bisherige "Feste Haus" in Rüsselsheim weiter auszubauen und den Ort zur befestigten Stadt auszubauen. Trotz langer Bauzeit war diese erste Burg ein bescheidener Bau (siehe Bauentwicklung). Die Aufwertung Rüsselsheims sollte erst nach dem Übergang an die Landgrafschaft Hessen infolge des im Jahre 1479 erfolgten Aussterbens der Grafen von Katzenelnbogen erfolgen.
Bereits 1485 ist mit Johann Schwertzell von Willingshausen der erste hessische Amtmann in Rüsselsheim bezeugt, dem 1493 Georg von Hatzfeld folgte. Wesentlicher Förderer Rüsselsheims war der 1504 verstorbene Landgraf Wilhelm II., der die zuvor bescheidene Burg zur stärksten Fortifikation der vormaligen Grafschaft Katzenelnbogen ausbauen ließ. Bereits 1519 wird sie erstmals mit dem damals neuen Begriff "Festung" bezeichnet. Während des Angriffs des Reichsritters Franz von Sickingen auf die weiterhin sogenannte "Obergrafschaft Katzenelnbogen" (im heutigen Südhessen) konnte der landgräfliche Landhofmeister Konrad von Wallenstein 1518 die Festung Rüsselsheim erfolgreich verteidigen, die damit ihre Feuertaufe bestand. Nach dem unglücklichen Agieren Landgraf Philipps des Großmütigen im Schmalkaldischen Krieg musste die Festung ab 1547 geschleift werden, was jedoch nur zurückhaltend geschah. Ab 1560 wurde sie in kurzer Zeit wiederhergestellt. 1567 kam Rüsselsheim mit der Obergrafschaft im Rahmen der hessischen Erbteilung in den Besitz von Landgraf Philipps Sohn Georg, der damit die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt begründete. Zwei Jahre später wurden Geschütze der Festung Rüsselsheim bei der Belagerung des Schlosses Ernsthofen (LK Darmstadt-Dieburg) eingesetzt. In den folgenden Friedensjahrzehnten bis 1618 kam es zu keinen spektakulären Ereignissen. Den Dreißigjährigen Krieg mit zeitweiliger schwedischer Besatzung überstand die Festung weitgehend unbeschadet, für ihren baulichen Unterhalt wurde gesorgt. 1632 ließ König Gustav Adolf von Schweden unweit mainabwärts die nach ihm benannte Festung Gustavsburg anlegen, die den strategischen Wert Rüsselsheims verminderte. 1688 besetzten königlich-französische Truppen die Festung und sprengten bei ihrem Abzug am 6. April 1689 die Eckrondelle. Obwohl von einer Schleifung nicht die Rede sein kann, war damit die militärische Bedeutung Rüsselsheims beendet, denn eine Wiederherstellung in alter oder modernisierter Form erfolgte nicht. Die unzerstört gebliebene Bausubstanz konnte über die folgenden Jahrhunderte gerettet werden. 1954 erwarb die aufstrebende Stadt Rüsselsheim die Anlage, seit 1990 erfolgten umfangreiche Restaurierungen und Sicherungsarbeiten. (Thomas Steinmetz)

Bauentwicklung:

Erst neuere Forschungen nach 1990 erbrachten das Ergebnis, dass die erste Burg Rüsselsheim eine sehr bescheidene Anlage war, bestehend aus einem rechteckigen Gebäude mit Fachwerkobergeschoss, das lediglich von einem Palisadenzaun umgeben war. Es ist für eine Zeit, die bereits effektive Feuerwaffen kannte, nicht begreiflich, dass eine solche schwache Fortifikation den politischen Widerstand der Städte Mainz und Frankfurt sowie des Mainzer Erzbischofs auslöste. Ähnlich war dies Jahrzehnte vorher im Falle der benachbarten Burg Haßloch gewesen.
Der Ausbau zur dominierenden Burg bzw. Festung der Obergrafschaft erfolgte erst nach dem Erbfall des Jahres 1479. Bereits für 1480 sind erste Bauarbeiten in Rüsselsheim bezeugt, die mit großer Intensität bis zum Jahr 1485 überliefert sind. Detailliertere Nachrichten liegen für das Jahr 1493 vor, als ein Meister Michael die Arbeiten in Rüsselsheim leitete. Der Einfluss des bekannten Baumeisters Hans Jakob von Ettlingen auf die Rüsselsheimer Arbeiten ist nicht wirklich klar, lediglich eine Dienstreise Hans Jakobs nach Rüsselsheim ist für das Jahr 1489 überliefert. Es kann angesichts der Größenordnung der Neubauten nicht überraschen, dass sich die Arbeiten bis weit ins 16. Jahrhundert hinzogen, die Rondelle sollen erst 1514 vollendet worden sein. Landgraf Wilhelm II. als maßgeblicher Förderer Rüsselsheims bzw. Bauherr war damals bereits tot. Der Entwurf mit den aus heutiger Sicht zu kleinen Rondellen lässt durchaus den Festungsbau Hans Jakob von Ettlingens erkennen. Die weitgehende Zerstörung der Rüsselsheimer Rondelle macht weitergehende Vergleiche indessen unmöglich. Aufgrund der frühen Existenz eines aufgeschütteten Walles, der offenbar von Vieh beweidet wurde, so für die Jahre nach 1507 bezeugt, darf Rüsselsheim jedoch als erheblich fortschrittlicher als die bekannten Bauten Hans Jakob von Ettlingens (Friedewald, Herzberg) gelten. Nachteilig waren die zu kleinen Rondelle, die vermutlich nur unzureichenden flankierenden Beschuss ermöglichten. Der Wiederaufbau ab 1560, nach vorheriger Teilzerstörung, behielt die Konzeption der Zeit um 1500 bei. Erst ab 1656 wurde mit dem Bau eines breiten Ravelins vor dem Festungstor begonnen, der noch 1672 unvollendet war. Mit der Sprengung der Rondelle endete die Baugeschichte der Festung. Die Nutzung durch die Stadt Rüsselsheim ab 1954 führte zunächst zu einem nicht besonders gelungenen Neubau innerhalb der Festung, ab 1990 jedoch zur Freilegung und Restaurierung ihrer Bausubstanz. (Thomas Steinmetz)

Baubeschreibung:

Die Festung ist trotz der bereits 1689 erfolgten Sprengung der Rondelle überraschend gut erhalten. Die Anlage ist vom Main recht weit entfernt, ihre Gräben waren nicht mit Wasser gefüllt. Der realisierte Standort ist somit heute nicht mehr verständlich. Der gut erhaltene Graben ist ausgemauert und zeichnet an den Ecken die Konturen der vormaligen Rondelle nach. Trotz der relativ frühen Bauzeit ist die Mauer des Walls leicht dossiert, d.h. schräg ausgeführt, der Wall oben mit Erde abgedeckt. Schießscharten und sonstige Verteidigungsvorrichtungen sind infolge des Verlustes der Rondelle heute nur noch rudimentär erkennbar. Wall und Rondelle waren durch (erhaltene) Kasematten und Gänge erschlossen.
Die architektonisch eher eintönigen Festungsgebäude beschreiben ein Rechteck. Die Gebäude sind allesamt unter Dach erhalten, aber für die Museumsnutzung teilweise stark restauriert. Obwohl die katzenelnbogische Burg nach neuesten Erkenntnissen sehr bescheiden gewesen sein soll, zeigen die Festungsgebäude den für die Burgen des Grafenhauses so typischen Rundbogenfries, der für die Bauten Hans Jakob von Ettlingens untypisch ist. An den Ecken befanden sich Erker, von denen nur noch die Konsolen zeugen. Eindrucksvollster Überrest des Spätmittelalters ist der turmartige Torbau, den der unvoreingenommene Beobachter ebenfalls gerne noch der katzenelnbogischen Periode zuordnen würde. (Thomas Steinmetz)

Arch-Untersuchung/Funde:

Die Festung beherbergt das Museum der Stadt Rüsselsheim, in dem auch Funde aus dem Festungsbereich aufbewahrt werden. (Thomas Steinmetz)