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Varel

Geschichte:

Varel besaß zunächst eine Art Wehrkirche mit einem Steinhaus, das an die Kirche St. Petrus angegliedert und Mittelpunkt der Vareler Häuptlinge war. Sie verloren ihre Selbstständigkeit 1386 gegenüber den Oldenburger Grafen. Hayo, der letzte Vareler Häuptling, verkaufte 1465 seine Herrschaft an Graf Gerd dem Mutigen. Zwischen 1496 und 1506 wurde das Steinhaus zu einer Burg ausgebaut, die einige Jahrzehnte später vergößert wurde. Von 1577 bis 1647 gehörte Varel der Delmenhorster Linie des Oldenburger Grafenhauses. 1651 ließ Graf Anton Günther seinen illegitimen Sohn Anton u. a. zum edlen Herren von Varel ernennen, der zwei Jahre später in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Von 1656 bis 1659 wurde die ehemalige Burg zum Schloss ausgebaut. Die Erben Antons residierten in Varel als Grafen von Aldenburg bis 1733, als die Herrschaft im Erbgang an die Grafen von Bentinck kam. Das 1751 teilweise abgebrannte Schloss wurde anschließend erweitert. Ein erneuter Brand bedeutete 1817 aber die allmähliche Aufgabe des Gebäudes. Ab 1858 erfolgte dann der Abbruch der Gebäude. (Frank Both, Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die Anlage bestand zunächst aus einem an die Kirche angegliederten Steinhaus. Um 1500 fand unter den Oldenburger Grafen ein Aus- oder Neubau zur Burg statt, bei dem auch ein Backhaus und eine Küche hinzugefügt wurden. Unter Graf Anton I. (1529-1573) wurde das ursprüngliche Steinhaus um einen Saalbau vergrößert. Die Burg schließlich baute man von 1656 bis 1659 zum Schloss aus, wobei der Oldenburger Stadtbaumeister Schwerdtfeger den Entwurf lieferte, der dem Oldenburger Rathaus sehr nahe kam. Nachdem die Anlage 1751 teilweise abgebrannt war, entstand zunächst ein neuer Südflügel, an dessen Ostende ein neuer Trakt an Chor und Querhaus der Kirche anschloss. Ein erneuter Brand im Jahr 1817 läutete das allmähliche Ende des Schlosses ein, von 1858 bis 1871 wurde es abgebrochen. (Frank Both, Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Das Schloss in Varel besaß seinen Ursprung in einem Steinhaus nächst der Kirche. Zu diesem kann ein Kellergewölbe von 10 x 9 m Größe gehört haben, das 1860 bei einer Katasteraufnahme eingemessen wurde. Es lag westsüdwestlich der Kirche ungefähr unter dem heutigen Straßenverlauf. Spätere Erweiterungsbauten erstreckten sich von dort nach Norden. Wahrscheinlich war die Burg, aber nicht die Kirche, von einer Mauer umgeben. Der Saalbau des 16. Jhs. hat bei einer Größe von ca. 28 x 8,4 m das ursprüngliche Steinhaus inkorporiert.
Der Saalbau wurde schließlich in einen Schlossbau aus der Mitte des 17. Jhs. integriert, der dreistöckig und zweiflügelig mit deutlich längerem Westflügel war. Im Südflügel befand sich eine Tordurchfahrt. Südlich vom Schloss stand ein Marstall. (Frank Both, Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Aufgrund der geplanten Neugestaltung des zentralen Schlossplatzes 2014 und damit verbundenen Bodeneingriffen waren baubegleitende archäologische Beobachtungen nötig. Es konnten einige Mauerzüge dokumentiert werden, die sich Teilen des Schlosses zuordnen ließen. Zum Fundmaterial gehören Keramikscherben des 15./16. Jhs., bemalte Delfter Fliesen des 17. Jhs., Tonpfeifen oder etwa Waffenreste wie Armbrustbolzen oder eine Kanonenkugel. Eine Besonderheit ist eine Blattmaske des 17. Jhs., die der Werkstatt Münstermann zugeordnet werden kann. (Frank Both)