EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Fronhausen, Oberburg

Geschichte:

In Fronhausen besaß das westfälische Damen-/Kanonissenstift Essen wohl seit Ende des 10. Jh. einen seit 1159 urkundlich bezeugten Fronhof, der Mittelpunkt einer Immunität war. Auf den möglicherweise aus konradinischem Erbe hervorgegangenen Hof soll der Ortsname zurückgehen. Der Fronhof (curtis) lag vermutlich oberhalb der Oberburg, nördlich der Kirche am Ortsrande - dort gibt es den Flurnamen Freithof. Die Verwaltung des Fronhofes oblag den Vögten von Fronhausen, die stammesverwandt mit den späteren Schenken zu Schweinsberg waren (gleiches Wappen); ihr Sitz war die offenbar Ende des 13. Jh. gegründete Oberburg. Ortsadel ist von 1199 bis 1584 urkundlich bezeugt (1232 "de Vronhusen").
Die Burg entstand nahe der Straße von Odenhausen nach Niederwalgern, die zu einem westlichen Arm der alten Fernverkehrsstraße von Frankfurt bzw. dem Rhein-Main-Gebiet nach Norden (u.a. Kassel und Bremen) war.
Im 14. Jh. teilte sich die Familie der Vögte in zwei Linien: Ludwig und Craft. Die ältere Linie verzichtete auf ihren Anteil an der bestehenden Burg und baute sich außerhalb des Ortes eine neue Burg, die unter Craft Vogt d.J., Amtmann zu Marburg, errichtet und 1367 vollendet wurde. Er trug sie Landgraf Heinrich II. v. Hessen zu Lehen auf. 1584 starb die Familie Vogt aus; sie wurde von den Schenken zu Schweinsberg beerbt, die 1917 auch die Unterburg erwarben.
Nachdem der hessische Landgraf 1367 Lehnsherr der Unterburg in Fronhausen und 1369 auch des zugehörigen Tales geworden war, erwarb die Landgrafschaft 1395/96 auch Anteile an der Oberburg und dem Gericht.
Nach Beschädigung im 30-jährigen Krieg wurde die Oberburg ab 1692 u. a. als Brauhaus genutzt. 1851 erwarb sie ein Gastwirt; sie war damals in schlechtem Bauzustand. Nach einem Dacheinsturz des gotischen Wohngebäudes stand dieses mehrere Jahre als Ruine, doch wurde es bis 1974 als Wohnhaus neu aufgebaut.
(Michael Losse)

Bauentwicklung:

Die frühe Baugeschichte der Ende des 13. Jh. gegründeten Oberburg ist bislang nicht bekannt. Es wurde vermutet, die "Kemenate" sei der "Stumpf" eines ehemals höheren Wohnturmes.
1559 erfolgte der Umbau der gotischen "Kemenate" unter Johann Vogt von Fronhausen (s. Datierung an einem Erdgeschossfenster), bei dem Kreuzstockfenster eingesetzt wurden. Im 30-jährigen Krieg wurde die Burg offenbar beschossen. Bei Bauarbeiten wurden Kanonenkugeln gefunden und die "Kemenate" zeigt Spuren von Beschuss. Das Gebäude brannte aus; es wurde um 1692 zu einem Brauhaus umgebaut. Die Schenken zu Schweinsberg veranlassten Teilabbrüche und ließen die so gewonnenen Baumaterialien auf andere Güter verbringen, u.a. auf die Burg Schweinsberg. Baulich vernachlässigt war die "Kemenate" 1851, als sie ein Gastwirt kaufte, und auch danach schritt der Verfall voran. Nach Einstellung des Braubetriebes 1898 wurde die "Kemenate" zu einer Scheune umgestaltet und dazu eine große Einfahrt ins Erdgeschoss eingebrochen. 1966 stürzte das Dach ein und es wurde der Abbruch erwogen, doch erwarben Dr. Eberhard Schenk zu Schweinsberg (1893-1990) und seine Gattin Hilde (1909-1997) 1967 das Gebäude. Bis 1974 erfolgten die Instandsetzung und der Ausbau zum Wohnhaus. In der 2. Hälfte des 20. Jh. entstanden moderne Bauten und ein Parkplatz in unmittelbarer Nähe der "Kemenate".
(Michael Losse)

Baubeschreibung:

Die Oberburg war ehemals eine Wasserburg; ihr 8,50 (Norden) bis zu 20 m (Süden) breiter Graben ist weitgehend verfüllt. Die Maße des Grabens sind „durch die Fundamentierungsarbeiten eines 1971 im nördlichen Teil des ehemaligen Wassergrabens erbauten Firmengebäudes und die Höhenlinien im Gutspark nach Süden belegt. Bei der Ausschachtung für das Firmengebäude wurde erst in 9 m Tiefe fester Boden gefunden“ (Schenk zu Schweinsberg 2011, S. 61).
Von der Wall-Graben-Befestigung sind (im nicht zugänglichen Bereich) noch spärliche Spuren erkennbar. Erhalten ist im Wesentlichen die spätmittelalterliche „Kemenate“ (9,26 x 11,88 m) mit im Erdgeschoss 1,25 m, im 1. Obergeschoss 0,85 m starken Mauern. Johann Vogt von Fronhausen, mit dem die Familie ausstarb, baute sie 1559 neu oder um (Datierung an einem Fensterkreuz eines Erdgeschossfensters); im 1. Obergeschoss gab es an der Ostseite einen Chorerker (ein Lavabo und Reste des Maßwerks sind erhalten). Im 30-jährigen Krieg brannte das Gebäude aus. Es wurde um 1692 zum Brauhaus umgebaut und erfuhr dabei Veränderungen. Ab 1974 erfolgten die Instandsetzung und der Ausbau zum Wohnhaus. Moderne Bebauung und ein Parkplatz sind inzwischen dem spätgotischen Haus mit Kreuzstockfenstern so dicht benachbart, dass es von vielen nicht mehr als Burg wahrgenommen wird.
(Michael Losse)

Arch-Untersuchung/Funde:

Bei Bauarbeiten neben der Burg wurden 1971 Kanonenkugeln aus dem 30-jährigen Krieg im Bereich des ehemaligen Wassergrabens gefunden.