Geschichte:
Die ehemalige Wasserburg Bellinghausen bei Weifenbach gehört zu den wenig bekannten Adelssitzen des Hessischen Hinterlandes. Der Ort, bei dem es sich offenbar um eine mittelalterliche Siedlung gehandelt hat, wird bereits 1272 in der urkundlichen Überlieferung erwähnt. 1402 ist schließlich von dem adeligen Haus (Gut) zu Bellinghausen die Rede, das sich als landgräflich-hessisches Lehen im Besitz der jüngeren Linie der Herren von Breidenbach genannt Breidenstein befunden hat. Adelheid von Breidenbach genannt Breidenstein brachte Bellinghausen offenbar in ihre Ehe mit Peter von Hohenfels (1386-1422) ein. Auf dem Erbwege gelangte der Adelssitz an ihren Sohn Ludwig von Hohenfels, der das Anwesen 1444 mit Arnold von Breidenbach gegen dessen Besitzungen zu Eckelshausen eintauschte. Nach einem zwischenzeitigen Besitzerwechsel gelangte Bellinghausen 1538 erneut an die von Breidenbach genannt Breidenstein, die zu Bellinghausen eine Seitenlinie begründen. Ihr Erbbegräbnis hatte die zu Bellinghausen ansässige Familie in der Frühen Neuzeit in der Kirche zu Wallau. 1775 gelangte der Adelssitz an die von Breidenbach zu Breidenstein. Nach 1856 diente das 1775 baulich veränderte und zu Beginn des 19. Jahrhunderts nochmals umgestaltete Herrenhaus der Familie als bevorzugter Wohnsitz. Nach 1945 wurden auf dem Gut Heimatvertriebene untergebracht. Infolge mangelnder baulicher Unterhaltung geriet der Adelssitz in Verfall und wurde in den 1970er Jahren bis auf wenige bauliche Reste niedergelegt. (Jens Friedhoff)
Bauentwicklung:
Zur baulichen Entwicklung der spätmittelalterlichen Gründungsanlage des wasserumwehrten Adelssitzes liegen keine gesicherten Informationen vor. Das klassizistisch überformte Herrenhaus wurde in den 1970er Jahren wegen Baufälligkeit abgerissen. (Jens Friedhoff)
Baubeschreibung:
Der annähernd vollständig abgegangene Adelssitz Bellinghausen liegt westlich der vom Lahntal nach Weifenbach abzweigenden Straße. Eine in das Jahr 1832 datierende Katasterkarte erlaubt die Rekonstruktion des Baubestandes der Gutsanlage. Oberhalb eines noch bestehenen Mühlenweihers lag auf einer Terrasse das dreiflügelige Herrenhaus, dessen schmaler Innenhof sich nach Osten öffnete. Historische Fotografien zeigen einen zweigeschossigen klassizistischen Bau mit Walmdächern, dessen Schaufassade mit sieben Fensterachsen in der Mittelachse durch einen flachen Dreieckgiebel akzentuiert wird. Östlich des Herrenhauses befand sich eine Remise. Westlich der Terrasse des Herrenhauses haben sich bescheidene nicht genau zuzuordnende Mauerreste erhalten, die offenbar zu einem spätmittelalterlichen Vorgängerbau gehören. (Jens Friedhoff)