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Neu-Dernbach

Geschichte:

Burg Neu-Dernbach wurde, wie die benachbarten Burgen Wallenfels, Tringenstein, Eisemroht und Hessenwald im Kontext der Dernbacher Fehde errichtet. Die Anfänge der Auseinandersetzungen der Ganerben von Dernbach sowie verschiedener benachbarter Adelsfamilien mit den Grafen von Nassau reichen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück und erreichten nach Phasen der Entspannung im 14. Jahrhundert einen weiteren Höhepunkt. Im Verlauf der Fehde wurde die Stammburg der Ganerben von Dernbach, Burg Alt-Dernbach bei Herborn gleich zweimal, 1306 und 1326/27 zerstört. Innerhalb des Gerichtsbezirks Gladenbach erbauten die von Dernbach gemeinsam mit den Herren von Bicken die Burg Neu-Dernbach, die sie den Landgrafen von Hessen, die sich an der Dernbacher Fehde auf Seiten der Adelsfamilien beteiligt hatten, zu Lehen auftrugen. Der "burgliche" Bau zu (Neu-)Dernbach wird erstmals 1350 erwähnt, während von der Talsiedlung relativ spät, erstmals 1586, die Rede ist. Neu-Dernbach büßte bereits im 16. Jahrhundert seine Bedeutung ein und geriet in Verfall. 1540 hatte Peter von Dernbach genannt Graul seinen Anteil an Neu-Dernbach an den Landgrafen von Hessen veräußert. Die zweite Hälfte der in Verfall geratenen Burg verbieb bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts in Familienbesitz. 1748 wurde dieser Anteil von den Landgrafen von Hessen-Darmstadt als erledigtes Lehen eingezogen. Südlich unterhalb der Burg entstand eine landgräflich-hessische Domäne mit einem barocken Herrenhaus und Ökonomiegebäuden, Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auch die Bauten der Domäne abgebrochen und das Areal aufgesiedelt. Der Baubestand der auf dem Burgberg gelegenen Burg war, wie eine historische Ansicht von 1764 belegt, bereits durch Steinraub erheblich dezimiert.

Bauentwicklung:

Aufgrund der wenigen baulichen Reste, die sich von der Burg Neu-Dernbach erhalten haben sowie der bislang erst ansatzweise untersuchten archivalischen Überlieferung und fehlender archäologischer Untersuchungen lassen sich zur baulichen Entwicklung bislang keine gesicherten Aussagen machen. Die Gründung der Anlage erfolgte wohl im zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts. Bedingt durch den raschen Bedeutungsverlust geriet Neu-Dernbach bereits im 16. Jahrhundert in Verfall und wurde schließlich aufgegeben. Im Bereich der Vorburg entstand in der Frühen Neuzeit eine landgräflich-hessische Domäne, deren Gebäude in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts niedergelegt wurden. (Jens Friedhoff)

Baubeschreibung:

Die wenigen erhaltenen baulichen Reste der Burg Neu-Dernbach erlauben keine zuverlässige Rekonstruktion des Grundrisses. Vermutlich nahm die Hauptburg den Gipfel des sich unmittelbar über dem Ort erhebenen Burgbergs. Grundstrukturen der Anlage sind kaum erkennbar. Eine Ansicht aus dem Jahr 1764 zeigt lediglich niedrige Mauerreste der Ringmauer (?) mit flankierenden Türmen. Im Vordergrund der Zeichnung ist die Domäne mit dem barocken Herrenhaus und Wirtschaftsgebäuden zu erkennen. Von der spätmittelalterlichen Burg blieb unterhalb des Schlossberges ein runder Turmstumpf erhalten, der sich in einem privaten Gartengelände befindet. (Jens Friedhoff)