Geschichte:
Es sind keine Schriftquellen bekannt, welche die Burg Rodersen während ihrer Existenzzeit erwähnen. Die Burg wurde gegen Ende des 12. Jhs. von Verbündeten des Erzbistums Mainz, sehr wahrscheinlich den Grafen von Everstein, an der Grenze zur Landgrafschaft Thüringen errichtet. Der historische Kontext spricht vor allem für einen Zeitraum zwischen 1183 und 1197 unter dem Grafen Albert II. Ihren Namen erhielt die Burg von einer nahegelegenen Wüstung. Aus der Zeit zwischen 1240 und 1482 ist ein sich nach der Burg nennendes Adelsgeschlecht als Lehensmänner der Grafen von Everstein bekannt, das wahrscheinlich mit der edelfreien Familie von Gudenberg verwandt war.
Es ist zwar nicht überliefert, dass bei der für das Jahr 1232 überlieferten Zerstörung der nahe gelegenen Stadtgründung Landsberg der Grafen von Waldeck durch die Landgrafen von Thüringen-Hessen auch die Burg Rodersen mitbetroffen war. Doch standen auch die Eversteiner damals auf der Seite des Erzbistums Mainz, mit dem die Landgrafen Krieg führten. Dafür spricht auch, dass nach dem archäologischen Befund die Burg vor ihrem endgültigen Ende schon einmal zerstört worden sein muss. Nach einer Chronik vom Ende des 15. Jhs. fand die Burg ihr Ende um 1262, als sie durch Landgraf Heinrich I. von Hessen zusammen mit anderen Burgen zerstört wurde. Zur selben Zeit ist Arnold von Rodersen aus dem Vasallenverhältnis mit den Grafen von Everstein ausgeschieden und als Burgmann auf der Burg Wolfhagen in hessische Dienste getreten. Auch dies spricht, neben der archäologischen Evidenz, für die Korrektheit der chronikalen Überlieferung. (Stefan Eismann)
Bauentwicklung:
In der ersten Bauphase bestand die Burg aus dem Wohnturm, einem Gebäude am Südende und der Wall-Graben-Befestigung. In der zweiten Bauphase kamen die Ringmauer wie auch zwei Gebäude im Nordwesten und Nordosten hinzu. Diese Phase endete in einer Brandkatastrophe, die wahrscheinlich mit einer Zerstörung im Jahr 1232 verbunden werden kann. In der letzten Phase vor dem endgültigen Ende 1262 wurden z. T. aus wiederverwendetem Baumaterial nicht näher definierbare Baustrukturen im Nordosten geschaffen. (Stefan Eismann)
Baubeschreibung:
Die Burg liegt auf einem Felssporn, der nach Süden hin zum Erpetal vorspringt. Zum Berg im Norden ist sie durch einen tiefen Halsgraben gesichert, durch den heute ein Weg führt. Der Sporn ist an den Seiten künstlich abgesteilt und durch einen umlaufenden Graben geschützt. Streckenweise begleitet ihn ein Außenwall.
Die Burg selbst lag auf dem durch den Graben gebildeten 35 x 20 m großen Plateau, das außer im Norden durch eine ca. 1,60 m starke Ringmauer umgeben war. Auf der höchsten Stelle im Norden stand ein ungefähr quadratischer Wohnturm von ca. 8 m Seitenlänge mit rechteckigem Keller. Der südlich angrenzende Burghof ist von einer Ringmauer umgeben, die auch im Bereich vor dem Wohnturm mit deutlichem Abstand verläuft. Im Südwesten befand sich die einzige Toröffnung, ein schmaler Durchgang von nur 1,65 m Breite. Er war nur vom Burggraben aus über einen schmalen Pfad erreichbar. Drei kleinere, z. T. unterkellerte Steingebäude befanden sich im Nordwesten, Südosten und Nordosten des Burghofes.
Von der Burg ziehen zwei 100 bzw. 130 m lange Seitenwälle mit südlich vorgelagerten Gräben nach Westen und Südosten ins Erpetal. An ihren Enden ist nördlich jeweils noch ein kurzes Stück einer weiteren Wall-Graben-Anlage vorgelagert. Diese Befestigung umschließt ein ca. 6 ha großes Areal, auf dem sich eine historisch nicht überlieferte Stadtgründung vom Beginn des 13. Jhs. befand.
Relikte der Burg finden sich sehr wahrscheinlich auch in Form von Sandsteinquadern und Werksteinen in der Turmwand der um 1260 errichteten Kirche von Niederelsungen. (Stefan Eismann)
Arch-Untersuchung/Funde:
Von 1959-63 und 1966-72 wurde die Burg durch das Kreisheimatmuseum Wolfhagen vollständig ausgegraben.