Geschichte:
Burg Neuenstein wurde Mitte des 13. Jahrhunderts von Graf Albert von Wallenstein errichtet und der Abtei Hersfeld zu Lehen aufgetragen. In der urkundlichen Überlieferung wird die Burg (castrum) erstmals 1267 erwähnt. Nachdem Graf Albert von Wallenstein 1250 die Hälfte seiner Stammburg Wallenstein (=Alt-Wallenstein) an die Abtei Hersfeld veräußert hatte, verlegte er seinen Herrschaftsmittelpunkt nach Neuenstein in den Grenzraum zwischen der Abtei Hersfeld und der Landgrafschaft Hessen. Bereits 1318 schlossen sich der Abt von Hersfeld, die Landgrafen von Hessen sowie die Grafen von Ziegenhain in einer Allianz gegen die von Wallenstein zusammen und zerstörten Burg Neuenstein. Nach der Wiederherstellung der Anlage bemühten sich die Landgrafen von Hessen um den Mitbesitz der Burg gegen die Abtei Hersfeld und deren Lehnsleute, die von Wallenstein. 1357 wurde die Burg ein zweites Mal eingenommen. Landgraf Otto von Hessen eroberte Neuenstein, das jedoch in der Folgezeit erneut als Hersfelder Lehen der von Wallenstein erscheint. 1368 und 1370 treten die von Lißberg als Mitbesitzer der Burg in Erscheinung. Nach dem Erlöschen der Albertinischen Linie der von Wallenstein gelangt 1521 eine Hälfte von Burg und Herrschaft an die von Reckrod, während sich die andere Hälfte die von Hund und von Schlüchtern teilten. 1617 erwirbt der dem Niederadel angehörende Philipp Ludwig von Wallenstein einen Anteil an der Burg. Als Erben der von Hund folgen in deren Besitzanteil 1660 die von Buttlar als Gemeiner zu Neuenstein. 1714 wird die Anlage verpachtet und büßt schließlich ihre Funktion als Adelssitz ein. Im 19. Jahrhundert in Kurhessischem Besitz geht Neuenstein 1866 an den preußischen Staat über. Im Jahr 2000 konnte die Gemeinde Neuenstein das zuvor als Forsthaus dienende Objekt erwerben. Heute beherbergt die Burg einen Gastronomiebetrieb. (Jens Friedhoff)
Bauentwicklung:
Wie bei zahlreichen Burgen so liegen auch für die Burg Neuenstein bislang noch keine neueren Unterschungen zur baulichen Entwicklung vor. Dem ältesten Baubestand der Mitte des 13. Jahrhunderts wird man den runden Bergfried der Hauptburg sowie bauliche Reste zuordnen können, die in der Frühen Neuzeit in dem Wohnbau aufgegangen sind. Nach den Zerstörungen 1318 und 1357 wurde die ruinierte Burg jeweils wiederhergestellt. Der im Kern mittelalterliche Wohnbau wurde 1639 bis 1643 erneuert. Die an drei Seiten in Resten erhaltene Zwingermauer mit vier runden Schalentürmen wird man wohl ebenfalls in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datieren können. (Jens Friedhoff)
Baubeschreibung:
Die in beherrschender Gipfellage Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete Burg Neuenstein gliedert sich in eine Hauptburg mit einer vermutlich Ökonomiegebäude aufnehmenden großzügigen Zwingeranlage. An der Südseite der rechteckigen Hauptburg liegt der teilweise vor die Mauerflucht tretende runde Bergfried mit seiner barocken Haube. Seitlich schließt sich ein längsrechteckiger Wohnbau an, der mittelalterliche Baureste aufweist und an dessen Längswand sich zwei Aborterker befinden. Ferner haben sich Reste der Umfassungsmauer und der weitläufigen Zwingeranlage mit vier runden Schalentürmen erhalten. (Jens Friedhoff)