Geschichte:
Im Gegensatz zu der Wüstung wird die dazugehörige Burg nicht in den historischen Quellen erwähnt. Es ist aber anzunehmen, dass die Geschichte von Dorf und Burg identisch ist. Der Ort Holzheim erscheint in der schriftlichen Überlieferung im Jahr 1040, als das Erzbistum Mainz die dortigen Güter des Klosters Kaufungen im Tausch erwarb. Das seit 1207 nachgewiesene Ortsadelsgeschlecht von Holzheim besaß den Ort als kurmainzisches Lehen. 1348 vererbten sie ihn an die Herren von Falkenberg weiter. 1369 brach innerhalb dieser Familie ein Streit aus, der nur dadurch beendet werden konnte, dass die Stadt Fritzlar im Namen des Mainzer Erzbischofs den gesamten Falkenberger Besitz im Ort aufkaufte. Die Falkenberger kauften Ort und Gericht wohl noch vor 1400 zumindest teilweise zurück, trugen dann aber 1411 beides dem Erzbischof von Mainz zu Lehen auf. 1427 entschied eine Schlacht zwischen Holzheim und der Kalbsburg bei Großenenglis das Ringen zwischen Hessen und dem Erzbistum Mainz um die Hegemonie in Nordhessen zugunsten der Landgrafschaft. Spätestens im Zuge dieses Ereignisses ist das Dorf untergegangen. (Stefan Eismann)
Bauentwicklung:
Die Burg besaß in der ersten Phase noch die Gestalt einer befestigten Hofanlage. Deren Westhälfte ist in der 2. Hälfte des 11. Jhs. von der Burganlage der zweiten Phase überprägt worden, die Hofanlage blieb aber während des Bauzeitraums sehr wahrscheinlich noch in Benutzung. Der zur Burg gehörige Wohnturm besaß einen hölzernen Vorgängerbau. Nach einer Brandzerstörung ist diese Anlage durch die südlich von ihr errichtete Ringmauerburg ersetzt worden, die ihr Ende um 1300 ebenfalls in einem Feuer fand.
An der Stelle des untergegangenen Dorfes erbaute die Stadt Fritzlar spätestens 1419 eine Warte, von der aber auch keine Spuren mehr vorhanden sind. Allerdings lag sie nach den Ergebnissen der geomagnetischen Prospektion nicht an dem Ort, wo sie bei den Ausgrabungen vermutet wurde. (Stefan Eismann)
Baubeschreibung:
Die dreiphasige Burganlage wurde lediglich bei der Ausgrabung der Wüstung Holzheim erfasst, oberflächliche Reste waren von ihr nicht mehr vorhanden gewesen.
Der ältere Herrensitz war von einer rechteckigen Befestigung von 25 x 53 m Größe, deren Nordwesteck auf 30 m Breite vergrößert war, umgeben. Sie bestand aus einem mind. 3 m breiten Graben mit innenliegender Palisade. Im Nordwesten und Südosten befand sich jeweils ein Tor, an dem der Graben aussetzte. Die Innenbebauung konzentrierte sich in Form einer Hofanlage in der Osthälfte.
In der zweiten Phase wurde die bisher unbesiedelte Westhälfte von einer 30 x 40 m großen Niederungsburg überbaut. Im Gegensatz zur Nordwest-Südost-Ausrichtung der ersten Phase ist diese streng Nord-Süd ausgerichtet. Im Zentrum stand ein Wohnturm von 5,40 x 6,90 m lichter Weite bei einer Mauerstärke von ca. 1 m. Dieser ersetzte offenbar einen hölzernen Vorgänger von 5 x 6 m Größe. Die Befestigung bestand wieder aus einer Palisade, deren Pfosten in einem 60-90 cm breiten Gräbchen standen. Eingänge haben in Form einfacher Durchlässe im Nordosten, Südwesten, Westen und Osten bestanden. Außer dem Wohnturm standen in dem Burgareal noch drei Pfostengebäude, ein unterkellertes Haus mit Steinfundament und drei Grubenhäuser. Diese Burg fand ihr Ende in einer Brandkatastrophe.
Die dritte Burganlage lag südlich ihres abgebrannten Vorgängers und folgte in ihrer Ausrichtung wieder dem befestigten Hof der ersten Bauphase. Da sie nicht vollständig freigelegt wurde, lassen sich über Gestalt und Bebauung keine vollständigen Aussagen treffen. Sie war 60 x mind. 50 m groß und mit einem 4 m breiten Sohlgraben sowie einer ca. 1,20 m starken Ringmauer umgeben, die aber nur noch als Ausbruchsgrube erhalten war. Als Zugang wurde im Nordosten ein Zangentor erfasst. Südöstlich des Tores befindet sich der runde Bergfried von 5 m Durchmesser bei einer Mauerstärke von 1 m. Weiteres ist zu der Innenbebauung nicht bekannt. (Stefan Eismann)
Arch-Untersuchung/Funde:
Ausgrabungen 1976, 1979-1985 und 1997.
Geomagnetische Prospektion.