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Neuhof bei Fulda

Geschichte:

Die mittelalterliche Wasserburg in Neuhof lag am Zusammenfluss der Fliede und der Kemmete sowie direkt an der alten Handelsstraße via regia von Frankfurt nach Leipzig.
Die Erstnennung eines Adelsgeschlechts von Neuhof (de nova curia) stammt aus dem Jahr 1239, wobei die Brüder Albert und Heinrich von Neuhof genannt werden. Um 1250 erhält die zu dieser Zeit wohl schon bestehende Befestigung unter dem Fuldaer Fürstabt Heinrich IV. von Erthal (1249-1261) eine nicht näher zu umreißende Verstärkung in Form von neuen Mauern, Zäunen, Gräben und Wällen. Die Wasserburg wird nun Mittelpunkt eines eigenen Verwaltungsbezirks im alten Gericht Flieden. König Adolf von Nassau übergibt 1294 die Burg Neuhof (Nuenhov) dem Grafen Ulrich von Hanau für die Dauer der weltlichen Verwaltung des Hochstifts Fulda. 1308 tauscht Fürstabt Heinrich von Weilnau mit Ludwig von Frankenstein die Burg Lengsfeld mit Burg Neuhof. 1330 überträgt Fürstabt Heinrich IV. die Vogtei über Neuhof mit dem Gericht an die Ritter von Hutten. Später kommt es zur Verpfändung der Burg an die von Eberstein und die von Küchenmeister. Zum Jahr 1396 lässt sich Kraft von Eberstein seine fuldischen Lehen bestätigen, unter denen sich die Burg Neuhof befindet. Nach dem festungsartigen Aus- und Umbau zu Anfang des 16. Jahrhunderts und der Etablierung eines Sitzes des fuldischen Amtes 1560 dient es fortan als Nebenresidenz der Fürstäbte von Fulda. Nach der Säkularisierung war das Schloss für kurze Zeit in Privatbesitz. Seit 1822 zu Kurhessen gehörig. Für einen Schulneubau an dieser Stelle kommt es 1958 bis auf die Ecktürme zum Abriss der Anlage. (Thorsten Sonnemann)

Bauentwicklung:

Die Wasserburg von Neuhof hat spätestens um 1250 bestanden. Ihr viereckiger, leicht trapezoider Grundriss wurde auch bei den Folgebauten beibehalten. Zu ihrem Aussehen liegen keine konkreten Informationen vor. Im 16. Jh. wurde die mittelalterliche Burg festungsartig erneuert und um eine Zwingeranlage erweitert, an deren Ecken vier runde Ecktürme mit massivem Untergeschoss hervorsprangen. Der südwestliche Turm trägt eine Inschrift mit dem Fertigstellungsdatum 1519. Später, wohl zu Anfang des 17. Jahrhunderts, wurde vor dem Tor im Südwesten ein Ravelin zu dessen Schutz vorgelagert.
1767 kam es zum Abriss bzw. Umbau zu einem schlichten, zweigeschossigen Barockschloss unter Fürstbischof Heinrich VIII. von Bibra durch den Fuldaer Bauinspektor Carl Philipp Arnd. Dabei wurden auch Teile der äußeren Wehrmauer abgetragen. Dieses Gebäudeensemble wurde 1958 abgebrochen und darauf 1958 Schulgebäude errichtet (Schloss-Schule-Neuhof). (Thorsten Sonnemann)

Baubeschreibung:

Die Grundform der Burg war viereckig und dabei leicht trapezförmig. Ab dem Ausbau im 16. Jahrhundert hatte sie Maße von ca. 100 x 90 m. Die ehemals aus der Mauer vorspringenden Eckrondelle haben sich im Stumpf als massives Untergeschoß noch im Original erhalten. Bei der Restauration wurden nachträglich die polygonalen, holzverschindelten Fachwerkobergeschoße sowie die aufgesetzten, verschieferten „welschen“ Haubenhelme hinzugefügt. Reste der äußeren Wehrmauer wurden im Nordwesten zum Teil mit in das Schulgebäude integriert. Die verlandeten Gräben sind noch teilweise erhalten. Halb vergrabene Fenster zeigen an, dass das Bodenniveau im Mittelalter und der frühen Neuzeit deutlich tiefer gelegen haben muss. (Thorsten Sonnemann)