Geschichte:
Die Herren von Merlau erscheinen erstmals 1199 in den historischen Urkunden und scheinen damals schon in zwei Linien aufgeteilt gewesen zu sein. Die Burg wurde hingegen erst 1279 zum ersten Mal erwähnt, als sie Gerlach Reuß von Breuberg als Offenhaus zur Verfügung gestellt wurde. 1289 wird ein Burgmann auf Merlau erwähnt. Vor 1302 gelangte die Burg an die Landgrafschaft Hessen, die sie in diesem Jahr an die Grafen von Ziegenhain verpfändeten.
Zwischen 1337 und 1342 war die Burg erneut verpfändet, diesmal an die Herren von Eisenbach. Weitere Verpfändungen an unterschiedliche Adelsgeschlechter folgten, so z. B. 1363 an die Merlau und die Riedesel. Bei der Teilung der Landgrafschaft nach dem Tode Ludwigs I. 1458 kam Merlau zu drei Teilen an Landgraf Heinrich III. von Hessen-Marburg, der übrige Anteil verblieb bei Ludwig II. von Hessen-Kassel. Dieser belehnte im Folgejahr Simon von Merlau mit zwei Hofstätten auf der Burg. 1489 erhielten die Gebrüder von Merlau zwei Burgsitze in der Burg als Burglehen. 1570 wird in einem Rechtsstreit erwähnt, dass Landgraf Philipp der Großmütige (1518-1567) die den Herren von Merlau verpfändete Hälfte des Schlosses ausgelöst hatte. 1582 wird der Verkauf zweier Burgsitze und einer Kemenate innerhalb des Schlosses durch die Herren von Merlau an die Landgrafschaft erwähnt.
Dies stellte die Voraussetzung dafür dar, dass 1583/84 Landgraf Ludwig VI. ein eigenes Schloss in Merlau errichten ließ. Dieses diente für Jagdaufenthalte, zur Sommerfrische und als Witwensitz. Im Siebenjährigen Krieg wurde es von französischen Truppen besetzt. Wegen der damit einhergehenden Belastungen beschloss die örtliche Bevölkerung, das Dach abzutragen, um es unbewohnbar zu machen. Das nunmehr verfallende Schloss wurde 1804 auf Abbruch verkauft. Lediglich die Schlosskapelle wurde von der Gemeinde weiterhin als Kirche benutzt. (Stefan Eismann)
Bauentwicklung:
Die Herren von Merlau sollen zum Ausbau der Burg das Baumaterial einer ungefähr am selben Ort gelegenen Hofstatt mit Burg und Keller verwendet haben, die sie den Herren von Biedenfeld in Merlau abgekauft hatten. Bei der Verpfändung der Burg an die Herren von Eisenbach im Jahr 1337 wurde vereinbart, dass die Pfandnehmer einen Teil der Pfandsumme an der Burg verbauen. Das Schicksal der Burg nach ihrer letzten Erwähnung 1489 ist unklar, wahrscheinlich ist sie verfallen. Ob das 1584 bis 1592 errichtete landgräfliche Schloss an der Stelle der Burg errichtet wurde, ist bislang nicht geklärt. Die Pläne für den Schlossbau stammten von dem Baumeister Eberhard Baldewein aus Marburg. Es wurde nach längerer Vernachlässigung 1853/57 abgebrochen, aus seinem Baumaterial wurde die evangelische Kirche errichtet. (Stefan Eismann)
Baubeschreibung:
Über die Gestalt der mittelalterlichen Burg können keine detaillierten Angaben gemacht werden. Laut den Urkunden haben in ihren Mauern zwei Burgsitze bestanden. Zudem wird ab 1414 in dem Lehnsverträgen eine Kemenate erwähnt, deren Standort 1489 als "nächst der Pforte gelegen" präzisiert wird. Da in der letzten Erwähnung der Burg 1580 eine Kemenate innerhalb der Burg genannt wird, ist anzunehmen, dass es sich hierbei um ein Steingebäude in unmittelbarer Nachbarschaft des Burgtores gehandelt hat. In der Mitte des 19. Jhs. sollen noch Reste der Burg hinter dem Schloss zu sehen gewesen sein, so dass von einer leichten Ortsverlagerung nach Westen ausgegangen werden kann.
Das Schloss ist in einem Stich von Merian aus dem Jahr 1646 dargestellt. Zudem existiert ein Grundriss aus dem Jahr 1814, der eine unregelmäßige Anlage zeigt, die von einem breiten Wassergraben umgeben ist. Das Hauptgebäude bildet ein rechtwinkliger Zweiflügelbau, an den im Norden ein Torgebäude anschließt. Zwei kleinere Gebäude, die stumpfwinklig an diesen Komplex anschließen, umschließen den sich dadurch ergebenden rautenförmigen Hof. Dem Merlauer Salbuch von 1590 lässt sich zudem entnehmen, dass eine Schlosskapelle bestanden haben muss und die Wasserversorgung über eine Zuleitung von einer gefassten Quelle außerhalb der Burg geschah. Direkt außerhalb des Schlosses lag das Vorwerk. (Stefan Eismann)
Arch-Untersuchung/Funde:
Keine