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Ranis

Geschichte:

Ranis selbst wird zwar bereits 1084 erwähnt, die Burg selbst ist aber erst 1199 erstmals als Sitz von Reichsministerialen genannt. Ihr genaues Gründungsjahr ist somit unbekannt.
1084 verpfändete Kaiser Otto IV. das inzwischen in seiner Bedeutung gesunkene Ranis an die Grafen von Schwarzburg. 1220 wurden die Grafen von Schwarzburg durch Kaiser Friedrich II. mit Ranis belehnt. Sie veranlassten den wesentlichen Ausbau der Anlage in der ersten Hälfte des 13. Jhs. Im von 1342 bis 1346 andauernden Grafenkrieg hatte Ranis eine wichtige Funktion inne, musste aber von den geschwächten Schwarzburger Grafen 1389 an die Wettiner veräußert werden.
1463 vermachte Herzog Wilhelm III. die Burg Ranis "seiner Gemahlin zu Ehren" an deren Bruder, Ritter Heinrich von Brandenstein. Die Familie von Brandenstein besaß das Schloss von 1465 bis 1571. Danach musste sie es wegen Überschuldung an die Herren von Breitenbauch verkaufen, die sich ab 1902 von Breitenbuch nannten und die Anlage bis 1942 in ihrem Besitz behielten.
Mitte des 19. Jhs. zogen die Herren von Breitenbauch in ein neu erbautes Rittergut um. Knapp 20 Jahre lang war Ranis nun unbewohnt, dann kehrte die Familie 1866 dorthin zurück.
(Reinhard Friedrich)

Bauentwicklung:

Die 1199 erwähnte Erstanlage bestand wahrscheinlich damals aus Bergfried, Wohnturm und Schildmauer. Im 13. und 14. Jh. entstand die heute noch erhaltene Hauptburg mit Kapelle und Nebengebäuden, Torbefestigungen, Hungerturm, Wehrmauern mit Wallgraben und die Wirtschaftsgebäude im Vorburgbereich.
Die Herren von Breitenbuch wandelten Ende des 16. / Anfang des 17. Jhs. die Burg zu einem repräsentativen Schloss um, insbesondere durch Errichtung des südlichen Renaissanceflügels und durch Dachausbauten mit Ziergiebeln.
Das Schloss wurde beständig ausgebaut und modernisiert. Als bei einem durch einen Blitzschlag ausgelösten Großfeuer 1646 die Gebäude um den Hinterhof vollständig ausbrannten, erfolgte bis 1648 die teilweise Wiederherstellung des Schlosses und der repräsentative Ausbau des Südflügels zu seiner heutigen Gestalt.
1873 fanden erste Renovierungsarbeiten an den Gebäuden statt, wobei die Kapelle und einige Wirtschaftsgebäude abgerissen wurden.
Nachdem man die Besitzer enteignet hatte, wurde das Schloss 1956/57 renoviert und der Museumsnutzung zugeführt. Seit 1991 finden laufend Restaurierungsarbeiten statt.
(Reinhard Friedrich)

Baubeschreibung:

Die lang gestreckte Anlage (max. 240 x 50 m) auf einem Felsrücken stammt in ihren Grundzügen aus dem 13. und 14. Jh., in ihrer heutigen Erscheinung aus dem 17. Jh. Sie setzt sich aus einer kleinen Hauptburg im Westen und zwei weiträumigen, östlich gelegenen Vorburgen zusammen. Die Anlage ist teils direkt auf Fels, teils auf mächtigen Substruktionen erbaut. Die Burg wurde so in die Stadtbefestigung einbezogen, dass sie den nördlichen Abschluss im Mauerring bildet.
Über den ersten Graben – durch das östliche Tor mit seitlicher Bastion – betritt man die erste, äußere Vorburg, in der ursprünglich Wirtschaftsgebäude standen, die heute verschwunden sind. Auf der Südseite mündet ein schmaler Weg von der Stadt in den Hofbereich, im weiteren Mauerverlauf finden sich Reste (Turmstumpf) eines runden Halbschalenturmes. In der Südmauer haben sich zudem Hakenbüchsen-Scharten mit Prellhölzern erhalten.
Über ein Zwingertor führt der Weg durch einen zweiten, querrechteckigen Torbau weiter in die zweite, innere Vorburg. Hier gab es im Gegensatz zum ersten Tor eine Zugbrücke. 1542 wurde das Tor überbaut. Daher befindet sich über ihm das Wappen der Familie von Brandenstein. Die Bauten des 16. Jhs. setzten auf der romanischen Ringmauer auf. Die verschieferten Zwerchhäuser der Eingangsseite stammen, wie die Giebelhäuser der Innenseite, aus dem 16. Jh. Das Innere beherbergt im ersten Obergeschoss eine Küche aus der Zeit der Renaissance mit Rauchfang und Ausguss. An der Nordecke erhebt sich ein quadratischer, schmaler Turm („Hungerturm") mit abgerundeten Ecken, der schon im 14. Jh. errichtet wurde.
Aufgrund des im 16. Jh. erfolgten schlossartigen Ausbaus von Ranis wirkt die innere Vorburg heute wie ein Schlosshof. Links steht der sogenannte Südflügel, im Westen der Querflügel und im Osten die Remise. Die eigentliche Hauptburg befindet sich jedoch erst hinter dem Querflügel. Der große zweigeschossige Südflügel mit Untergeschoss wird an der Hofseite über einen Treppenvorbau erschlossen. Die Aufstockung des Treppenturms stammt aus der Mitte des 17. Jhs. Damals wurde, nach dem Brand der alten Kernanlage, auch das Dachgeschoss mit seinen markanten Zwerchhäusern und den geschweiften Giebeln aufgesetzt. Auch die repräsentative Talseite mit ihren vier charakteristischen Giebeln stammt aus dieser Zeit. An der Außenseite wurde dem Flügel zudem im Osten ein Anbau vorgesetzt.
Durch ein weiteres Tor gelangt man in den alten Kernbereich der Anlage. Über dem Durchgang ist das Wappen der Herren von Breitenbauch bzw. Breitenbuch mit Jahreszahl zur Besitzperiode sowie der Name des letzten Burgbesitzers, Dietrich von Breitenbuch, zu sehen. Heute ist der ehemals frei stehende, runde Bergfried in den Flügel integriert. Er ist das älteste Gebäude auf Burg Ranis und wurde an der höchsten Stelle der Anlage aufgeführt. Vor dem Ausbau im 16. Jh. schützte er die Kernburg gegen Angriffe. Seine vier unteren Geschosse stammen noch aus romanischer Bauzeit um 1200 und sind unmittelbar auf dem Felsen aufgemauert; die oberen drei Geschosse entstanden im 14. Jh.
Die alte, eigentliche Kernburg ist sehr klein. Der Nordflügel – der alte Saalbau – wurde beim Wiederaufbau nach dem Brand von 1646 um ein Geschoss abgetragen und anschließend als Wirtschaftsflügel genutzt. Im Westen erhob sich ehemals die Burgkapelle, von der noch die abschließende Hofmauer erhalten ist. Das Plateau ist erst im 19. Jh. nach der Zerstörung der Kapelle entstanden.
Insgesamt haben sich auf Burg Ranis Bauteile aus nahezu allen Zeiten ihrer Geschichte erhalten. Trotz des Großfeuers im Jahre 1646 sind sogar bedeutende Reste aus dem späten 12. Jh. zu sehen. Die Anlage ist durch ihre bis heute erhaltene, starke Wehrhaftigkeit charakterisiert. Zugleich künden die Ausbauten des 17. Jhs. vom Komfort des damaligen Schlosses.
(Reinhard Friedrich)