EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Hainburg

Geschichte:

Aufgrund der strategisch bedeutsamen Hügellage im ansonsten regional flachen Donautal dürfte in Hainburg bereits früh eine Wehranlage bestanden haben. Dennoch hält sich in der Forschung (Dehio) die Meinung, die erste Heimenburg sei im nahen "Altenburg" gelegen und erst nach der Vertreibung der Ungarn um 1050 als Reichsfestung nach Hainburg verlegt worden. 1108 schenkt Heinrich V. dem Babenberger Markgraf Leopold III. (1095-1136) die Burg, nach der sich bald auch Ministerialen nennen. Erst unter Leopold VI. (1198-1230) wird Hainburg systematisch zur schwer befestigten Stadt mit Stadtburg und Bergfestung ausgebaut. Dabei dürfte auch ein Teil des Lösegeld für den englischen König Richard Löwenherz (siehe Dürnstein) verwendet werden. Weitere Baumaßnahmen sind unter dem letzten Babenberger Friedrich II (1230-1246) und König Ottokar II. von Böhmen (1251-1276) überliefert. Im 13. Jh. nennen sich mehrere Adelsgeschlechter nach Hainburg, sie sind als klassische Stadtministerialen zu verstehen. Unter den Habsburgern verliert die Burg ihre Bedeutung, erst in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts werden größere Ausbesserungsarbeiten durchgeführt. Immerhin kann sich Hainburg 1477 gegen den Ungarn Matthias Corvinus halten, 1482 gelingt ihm die Eroberung erst nach fünfmonatiger Belagerung. 1501 ist die Burg als baufällig bezeichnet. Um 1525 wird sie unter den Zelkingern gegen die Türken verstärkt, dennoch können sie Hainburg 1529 ohne große Gegenwehr einnehmen. Im mittleren 16. Jh. wird der Zwinger mit Bastionen geschütztauglich gemacht, im Hof entstehen mehrflügelige Renaissancebauten um einen Arkadenhof, die jedoch 1569 nach einer Pulverexplosion wieder weitgehend zerstört werden. 1683 werden Burg und Stadt von den Türken erobert und schwer beschädigt, die Festung bleibt seither weitgehend Ruine. (P.S.)

Bauentwicklung:

Die wesentlichen, bis heute erhalten gebliebenen Bauteile, wie Wohnturm, Torbau und Bering, stammen aus dem Ausbauhorizont der Stadt der 1. H. d. 13. Jhs., welche von den babenbergischen Landesfürsten Leopold VI. und Friedrich II. unter Verwendung des Lösegelds aus der Gefangenahme Richard Löwenherz durchgeführt wurden. Weitere Ausbauten werden König Ottokar II. von Böhmen zugeschrieben. Um die Mitte des 16. Jhs. werden in der Burg durch Elias v. Rottwitz Wohnbauten im Renaissance-Stil errichtet sowie die Außenbefestigungen verstärkt, die sich nur noch in spärlichen Resten erhalten haben. (P.S.)

Baubeschreibung:

Die Stadt hat weite Teile der bemerkenswerten Befestigung mit 15 Türmen erhalten, hervorzuheben sind das Wiener Tor und das Ungar Tor, die als monumentale Baublöcke selbst wie kleine Burgen wirken. Die Burgruine umfasst ein relativ ebenes Areal von etwa 65 x 130 m. Diese bemerkenswerte Größe deutet auf eine frühe, überregional bedeutende Anlage, deren Umwehrung wohl noch aus Holz bzw. Erdwällen bestanden haben mag. Mauerreste sind erst ab dem 12. Jh. erhalten, die ältesten Teile dürften bei der Kapelle und dem Südpalas liegen und zu einem ovalen Baukomplex gehört haben. Der heute großteils gut erhaltene Baubestand gehört jedoch zu einer groß angelegten Neubauphase der Zeit um 1220/30, somit parallel zur Stadtbefestigung. Damals entstand ein etwa 60 x 120 m großer Bau, dessen Ringmauern trotz des ovalen Geländes möglichst geradlinig ausgeführt wurden. Diese besassen vier sorgfältig gequaderte Mauertürme, von denen sich zwei in Resten erhalten haben. Einer bildete in Kombination mit einem vorstehenden Pfeiler einen repräsentativen Torbau mit zwei großen Bögen. Frei im Hof steht der zeitgleiche Wohnturm mit Seitenlängen von fast elf Meternm. Das Hauptgeschoss verfügt über ein Kreuzrippengewölbe mit Kopfkonsolen und einen hohen Mantelkamin, der rundbogige Hocheingang war einst von Säulen flankiert, die Fenster sind als Biforen mit Kleeblattschluss ausgebildet. Gegenüber liegt die stark erneuerte Kapelle, deren Mauerwerk dem der kastellartigen Burganlage entspricht. Im Süden der Ruine haben sich spärliche Mauerreste mit einem Fensteransatz erhalten, die auf einen großen Palas deuten. Im Südosten indizieren Maueransätze und Abtritterker weitere ehemalige Wohnbauten. Baureste indizieren, dass die Hochburg offenbar bereits zu Beginn von einem weiteren niederen Mauerkranz umgürtet war. Diese große Bauphase kann aufgrund des charakteristischen Fischgrätmauerwerks sowie der kunsthistorisch einordenbaren Tür- und Gewölbedetails um 1220/30 datiert werden. Der Abschluss der östlichen Mauerkronen dürfte jedoch nach einem Planwechsel mit außen laufendem Holzwehrgang erst später erfolgt sein.
Aus dem 15. bzw. 16. Jahrhundert haben sich in der südlichen Burg niedere Baureste eines mehrflügeligen Ensembles erhalten. Reste eines Wohntraktes sowie Arkaden deuten auf einen repräsentativen Baublock, hier könnte das urkundlich nachweisbare Renaissance-Schloss von Elias von Rottwitz gestanden haben. Gleichzeitig dürfte der äußere Zwinger mit polygonalen Bastionen nach Südosten verstärkt worden sein. Nach dem weitgehenden Verfall ab dem 17. Jahrhundert wurden im 20. Jahrhundert Wohnturm und Kapelle restauriert bzw. wieder aufgebaut. (P.S.)

Arch-Untersuchung/Funde:

Unsystematische Grabungen im Zuge der Sanierungsmaßnahmen in den 1980er Jahren: Freilegungen im Bereich der hochmittelalterlichen Kernburg.