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Dagobertshausen, Alte Burg

Geschichte:

"Ein altes Gemäuer aus zum Teil behauenen Steinen" mit einem umlaufenden, später versumpften Graben in Dagobertshausen wurde "Alte Burg" und "Steinernes Haus" genannt. Die Gründungszeit und der Bauherr dieser Burg sind bisher nicht bekannt und ebenso wenig Schriftquellen. Rudolf Knappe vermutete, sie sei "vielleicht zum Schutz der in der Nähe vorbeiführenden Weinstraße erbaut" worden.
Offenbar ungeklärt ist, ob Rudolf von Dagobertshausen, der 1283 dem Kloster Altenberg bei Wetzlar Güterbesitz überlassen hatte, ein Ortsadeliger war. Auch andere Personen vermachten jenem Kloster 1283 Besitz in Dagobertshausen, so die Ritter Konrad Milchling und Dietrich Schutzbar. In Urkunden sind mehrere im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit im Ort begüterte Adelige (1321 von Weitershausen; 1329 Güterbesitz der Grafen von Solms, die noch 1814 über Zehntrechte verfügten; Leun gen. Mohr) und Marburger Patrizier (z.B. Lynker) benannt.
Der Ort ("universitas ville") Dagobertshausen ist als "Debratshusin" zuerst für 1234/35 benannt, allerdings handelt es sich um eine Abschrift des 14. Jh., eine "Fälschung auf Vorlage einer Urkunde von 1235". Als "Hov" (Hof) wird Dagobertshausen, dessen Schreibweise von 1235 bis zum 17. Jh. stark variiert, 1577 bezeichnet.
Verschiedene lokale Überlieferungen beziehen sich auf eine Burg bzw. Befestigung: In der "Sage vom Bau der Kirche in Dagobertshausen und dem Goliathstein" wird der Standort der angeblich im Jahre 631 vom Frankenkönig Dagobert I. erbauten Kapelle als "Stelle", von der "leicht die Völkerstraße [zu] überwachen [war], die von Osten her im Pfieffetal herabkam", benannt. Nach dem Abzug der Franken sollen dann "heidnische Chatten" die Kapelle zerstört haben, die angeblich unter Bonifatius neuaufgebaut und später durch Mönche aus dem Kloster Hersfeld durch eine größere Kirche ersetzt wurde, daran "ein fester Turm wie ein Bergfried. Ganz oben wurde ein offener Wehrgang mit vier großen Schießscharten nach jeder Himmelsrichtung angelegt".
Von Touristen wird das im Volksmund "Königsruine" genannte heutige Restaurant "Waldschlösschen" teils als Burg bzw. Schloss wahrgenommen, doch handelt es sich bei diesem malerischen Fachwerkbau um ein zu Beginn des 20. Jh. (1905/06) für Karl Weyand errichtetes Haus, das nach dem Ende des 1. Weltkrieges ein Mädchenpensionat für Hauswirtschaft wurde.
(Michael Losse)

Bauentwicklung:

Die wenigen Mauerreste erlauben keine Aussagen zur Bauentwicklung. (Redaktion)

Baubeschreibung:

Lediglich die Bezeichnung „Steinernes Haus“ sowie die Hinweise auf teils behauene Steine der „Alten Burg“ (s. Knappe 2010) und deren später versumpften Graben bieten einzelne Anhaltspunkte zur Anlage der Burg.
(Michael Losse)

Arch-Untersuchung/Funde:

Unbekannt.