EBIDAT - Die Burgendatenbank

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Arnsburg bei Lich

Geschichte:

Die Burg wurde von einer Reichsministerialenfamilie von Arnsburg vermutlich zu Beginn des 11. Jhs. errichtet. Für die erste Hälfte des 11. Jhs. ist ein erster Vertreter dieses Geschlechts zu erschließen, dessen Frau (?) Cuniza 1046 genannt wird. Der erste namentlich bekannte Angehörige Kuno ist 1057 und 1064 in bedeutender Stellung am Hof des Kaisers Heinrich IV. nachgewiesen. Seine Frau Mathilde nannte sich 1093 als erste "von Arnsburg". Deren Tochter Gertrud heiratete den Dreieicher Reichsforstmeister Eberhard von Hagen, der sich danach "von Hagen und Arnsburg" nannte und seinen Wohnsitz nach Arnsburg verlagerte. Dessen Enkel Konrad II. (1129-1152) initiierte den Erwerb des Münzenbergs, auf dem die Münzenburg als neuer Stammsitz der Familie errichtet wurde. Sein Sohn Kuno nannte sich 1166 "von Münzenburg", die Übersiedlung dürfte damit abgeschlossen gewesen sein. Im selben Zug wurde 1150/51 in den Ruinen des Römerkastells Arnsburg ein Benediktinerkloster gestiftet, das aber nicht florierte und deshalb 1171 wieder aufgehoben wurde. Ein erneuter Versuch einer Klostergründung 1174 mit Hilfe von Zisterziensermönchen nordöstlich der Burg war hingegen erfolgreich, auch wenn die eigentliche Klostereinrichtung erst 1197 begann. Die Burg wurde auch ausweislich der Ausgrabungsergebnisse mit dieser Klostergründung aufgegeben. (Stefan Eismann)

Bauentwicklung:

Die ältesten ergrabenen Siedlungsspuren in Form von Pfostenlöchern und eines Brunnens stammen ungefähr aus der Mitte des 10. Jhs. und gehören zu einer wohl noch unbefestigten Hofanlage. Um 1000 folgte dann die erste Phase der Burg, die aus einem großen Wohnturm, einer Wehrmauer und vielleicht auch schon einer ersten steinernen Kapelle bestand. Der erste, noch aus Holz errichtete Palas dürfte auch dieser Bauphase angehören. In der nächsten Phase wird um die Mitte des 11. Jhs. die Befestigung ausgebaut, zudem sind Grubenhäuser und ebenerdige Pfostenbauten in der Vorburg diesem Zeitraum zuzuweisen. Die zweite Ausbauphase der Burg in der 2. Hälfte des 11. Jhs. wird durch den Aushub eines breiten Sohlgrabens und der Entstehung der ersten Vorburggebäude charakterisiert. Die Vorburg wird im 1. Drittel des 12. Jhs. durch einen neuen Graben sowie die am „Palas“ anschließende neue Ringmauer in die Befestigung einbezogen. In diese Zeit wird die Kapelle zu einer Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor erweitert.
Den repräsentativsten Zustand erreichte die Bebauung im 2. Drittel des 12. Jhs. Die noch aus der ersten Bauphase stammende Wehrmauer wurde durch eine deutlich stärkere Mauer und der wohl größtenteils hölzerne »Palas« durch ein Steingebäude ersetzt. Im nordöstlichen Burgareal entstand ein runder Bergfried. Die Burgkapelle wurde vergrößert.
Nach 1174 wandeln die Zisterziensermönche das Burgareal unter Beibehaltung einzelner Baustrukturen wie der Kapelle und des Palas in ein Kloster um. (Stefan Eismann)

Baubeschreibung:

Die Burg liegt oberhalb einer Schleife der Wetter im heutigen "Hainfeld". Ursprünglich waren keine Reste der Burg mehr oberflächlich sichtbar. Nach der Ausgrabung wurden der Stumpf des quadratischen Wohnturms und einige andere Mauerreste konserviert. Die Burg war durch ihre Spornlage über der Wetter nur im Nordwesten ohne natürlichen Schutz.
Den ältesten Kern der Burganlage bildete ein quadratischer Wohnturm von max. 11,50 m Seitenlänge bei einer Fundamentstärke von über 2 m. Von ihm waren nur noch die Ausbruchsgruben vorhanden. Der Turm war eng von einer Wehrmauer umschlossen, deren Südspitze einen schon dem vorangegangenen Hof zugehörenden Brunnen einschloss. Ein weiteres, nur noch fragmentarisch erhaltenes Steingebäude war eventuell schon eine erste Kapelle. Nordöstlich außerhalb des Turmgeländes stand ein erster Palas in Pfostenbauweise. Ein schmaler Graben von nur 60 cm Breite schloss das Gelände nach Norden ab.
In der nächsten Phase entstand eine unbefestigte Vorburg. Die Kernburg wurde mit einem 9 m breiten und 3 m tiefen Sohlgraben umgeben. Eine am Nordosteck der Turmumfassungsmauer ansetzende Wehrmauer umfasste jetzt auch den Palas, nicht aber die Kapelle.
In der nächsten Phase wurde die Vorburg durch den nach Osten deutlich erweiterten Graben samt neuer Wehrmauer mit Torgebäude in die Befestigung einbezogen. Zu der Burganlage gehörten jetzt auch die erneuerte Kapelle und mehrere Steingebäude. Die letzte, repräsentativste Ausbauphase umfasste einen steinernen, mehrstöckigen Palas mit einem 150 m² großen Erdgeschoss. Zudem wurde ein runder Bergfried errichtet, dessen 4 m breite Ausbruchsgrube einen Durchmesser von ca. 13 m besaß. (Stefan Eismann)

Arch-Untersuchung/Funde:

Fundamente der Burg wurden bereits 1893 entdeckt, aber nicht als ihr zugehörig erkannt. Die Grabung geriet in Vergessenheit, so dass die Burg erst 1982 durch ein Luftbild endgültig lokalisiert und dann 1984/85 ausgegraben wurde.