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Orth

Geschichte:

Eine 865 "ad Ortaha" in der Conversio Bagoariorum et Carantanorum genannte Michaelskirche wird in der jüngeren Forschung in Ungarn lokalisiert. Während eine Schenkung Kg. Heinrichs I. an Weihenstephan 1021 gesichert mit Orth in Verbindung gebracht wird, wird eine weitere Dotation von 1028/29 an St. Emmeram/Regensburg nur mit Vorsicht hierher bezogen. Dass Regensburg bzw. die Lengenbacher als ihre Domvögte hier herrschaftsbildend auftraten, kann daraus nicht abgeleitet werden. Allerdings könnte ein um die M. d. 12. Jhs. in einer Klosterneuburg Traditionsnotiz auftretender Wicpoto v. Orth mit einem gleichnamigen Ministerialen der Grafen v. Hohenburg identisch sein, der ungefähr zeitgleich in einer St. Emmeramer Traditionsnotiz aufscheint. Gesichert ist hingegen, dass die Grafen v. Schaunberg unter König / Herzog Ottokar in den Besitz von Orth gelangen. Für das Spätmittelalter ist die Herrschaftsgeschichte weitgehend unklar: Ein 1313 als Zeuge auftretender Hertwig von Orth kann mit den Herren v. Schaunberg in Verbindung gebracht werden. 1377 wird die Herschaft Orth landesfürstlich und bis zur Zeit Josephs II. als Afterlehen oder Pfand vergeben. Die Burg wird während der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Friedrich III. und dessen Bruder Albrecht VI. von Friedrich III. Gerhard Fronauer überlassen. Nach dessen Tod wird Orth zum Fehdegrund zwischen Friedrich III. und Gamareth Fronauer, welcher, das Erbe beanspruchend, die Burg mit seinen Truppen besetzt. Nach vergeblicher Belagerung der mit einem Tabor verstärkten Burg durch die kaiserlichen Truppen wird die Burg doch von Gamareth aufgegeben. 1487 überlässt sie Nikolaus Prolowitz dem Ungarnkönig Matthias Corvinus. Ab Anfang d. 16. Jhs. besitzen die Grafen Salm die Herrschaft zur Pflege, 1523-1568 als erbliches Lehen. Nach der Zerstörung von 1529 errichten sie um 1550 den Schlossneubau. 1568 gelangt Orth an die Zinzendorfer, 1588 an die Schönkirchen, 1603 an die Concin, um 1612 an die Freiherren v. Graßwein. Ab 1629 nur mehr verpfändet und als Jagdsitz verwendet, wird das Schloss 1645 von Torstenson eingenommen. 1679 errichtet Graf Auersperg das Neuschloss. Georg v. Szelepeseny folgen 1686 die Grafen Strattmann, 1763 die Confalonieri, Sebastian v. Guldenstein, 1802 die Gräfin Carolina v. Lipona und 1824 der kaiserlicher. Familienfonds. 1919 fällt Orth an den Kriegsgeschädigtenfonds und pachtweise an die Gemeinde Wien. Eigentümer ist heute die Bundesbaudirektion Wien, Pächter einiger Teile ist die MG Orth an der Donau. (G.R. / T.K.)

Bauentwicklung:

Der hochmittelalterliche Beginn der Burg Orth ist mittlerweile durch archäologische Ausgrabungen gesichert. Da die mittelalterliche Herrschaftsgeschichte bislang nur unzureichend geklärt ist, sind Verbindungen zwischen den spätmittelalterlichen Bauphasen und historisch überlieferten Besitzern nicht möglich. Nach einer Zerstörung 1529 erfolgt 1559 der Umbau der Kastellburg zum neuzeitlichen Schloss unter Einbeziehung bedeutender Teile mittelalterlicher Bausubstanz. (G.R. / T. K.)

Baubeschreibung:

Das markante, charakteristische Erscheinungsbild des Schlosses prägt, teilweise weithin sichtbar, die Siedlung. Mit vier, mit steilen Walmdächern gedeckten Ecktürmen steht die heutige neuzeitliche Anlage in der Tradition kastellförmiger Burganlagen des 13. Jhs. Inwieweit sie tatsächlich einem derartigen Vorgängerbau folgt, ist ohne archäologischen Nachweis nicht zu beantworten. Der überkommene, dreigeschossige Dreiflügelbau wurde, obwohl das Gelände keine offensichtlichen Hindernisse nahelegt, nicht völlig regelmäßig gestaltet. Die Einbeziehung mittelalterlicher Bauteile ist nur im Bereich des Westtraktes sowie im Südtrakt eindeutig nachweisbar. Diese Situation zeigt bereits der Baualtersplan von A. Klaar, der als Basis des Traktes einen ca. 10 m breiten Altbau (Palas?), sowie eine südl. ablaufende Mauer im Bereich des SW-Turmes vermuten lässt. Die Hofwand des Traktes fällt durch eine höhere Mauerstärke von 1,70 m gegenüber den einheitlich 1,50 m starken Schlossmauern auf. An der Hofseite lassen Putzabplatzungen noch ungestörte Quaderlagen erkennen, die auf einem knapp aus dem Begehungsniveau ragenden Sockelvorsprung sitzen. Nach oben werden die Quaderstrukturen relativ bald von Störungen jüngerer Baumaßnahmen abgelöst, im Verlauf nach N sind sie nur noch bedingt verfolgbar. Die Befundung spätmittelalterlicher Mauern im S-Trakt erfolgte jüngst (2004) im Rahmen baubegleitender archäologischer Untersuchungen unter der Leitung von Nikolaus Hofer. Als Reaktion auf die Zerstörung von 1529 entstand um 1550 unter den Grafen Salm der noch heute im Wesentlichen erhaltene Bau, der dem Baubefund nach ein nahezu völliger, renaissancezeitlicher Neubau ist. Die traditionell-kastellhafte Gestalt mit vier Türmen sollte maßgeblich herrschaftliche Ansprüche oder im Sinne eines "Festen Schlosses" eine tatsächliche Wehrfähigkeit wiederspiegeln. Die sehr unterschiedlich in den ursprünglichen Vierflügelbau eingebundenen und stark den Ausrichtungen der schiefwinkelig zueinandergestellten Trakte folgenden Türme werden als "Kanzleiturm" (NW-Turm), "Marktturm" (NO-Turm), "Archivturm" (SO-Turm) sowie als "Uhrturm" (SW-Turm) bezeichnet, womit wohl ihre ehem. Funktion, Orientierung, etc. angesprochen wird. Vom abgetragenen S-Trakt sind Ansätze an den beiden südl. Türmen erhalten. Der quadratische NW-Turm flankiert in traditioneller Art die knapp südl. im W-Trakt situierte Einfahrt. Zur Kommunikation zwischen den Geschoßen dient ein Treppenhaus im O-Trakt und ein Wendeltreppenturm in der nordwestl. Ecke des Hofes. Durch die erst partiell vorangetriebene Restaurierung zeigt ein Großteil der Mauerflächen noch den ursprünglich Zustand mit mehreren, großflächig abplatzenden Putzschichten. Der generell sehr nüchtern wirkende Bau bietet dadurch jedoch eine ausgezeichnete Befundsituation zu den neuzeitlichen Bauphasen. Der Neubau wurde offensichtlich völlig aus Ziegeln errichtet, örtlich vorhandene Bruchsteinzonen, etwa am SO-Turm, sind folglich nur erschwert einzuordnen und stammen möglicherweise von vorausgehenden Bauphasen. An den Kanten der Türme ist partiell ein Eckverband aus Quadern zu beobachten, der möglicherweise aus spoliertem Material hergestellt wurde. An der Hofseite des W-Traktes sind fünf zugesetzte Renaissance-Biforen mit Fassungen aus Formziegel, umrahmt von dekorativem Sgrafittoschmuck erhalten, an der Feldseite des Traktes ist unmittelbar neben dem NW-Turm ein weiteres Renaissancefenster zu beobachten, dessen Werksteindekor stark beschädigt ist. Im obersten Geschoss des NW-Turmes ist südseitig eine weitere Bifore mit qualitätvoller, u.a. aus kannelierten Pilastern und floralem Dekor bestehender Rahmung erhalten. Örtlich sind weitere Hinweise auf den ehem. prächtigen Fassadendekor des 16. Jhs. zu beobachten. Vischer dürfte 1672 noch den durchwegs unveränderten Bau gezeichnet haben, der sich darüber hinaus durch deutlich dekorativere Abschlüsse der Türme auszeichnete. Die Kragsteine der von Vischer gezeigten Erker an der N-Seite sind erhalten. Ausschließlich der SW-Turm besitzt in den oberen Geschoßen mehrere, trichterförmige Schartenöffnungen für leichte Feuerwaffen.
Wiederholte Bauarbeiten während der Neuzeit sind durch Baurechnungen nachweisbar, das heutige Erscheinungsbild geht auf eine grundsätzliche Neukonzeption während der Barockzeit zurück. Die repräsentative Befensterung der Renaissance wurde sichtlich durch steingerahmte Öffnungen, überwiegend in der Form von Schüttkastenfenstern, ersetzt. Dabei erfolgte auch eine partielle Veränderung der Geschoßebenen. Auf diesem Umbau basiert vermutlich die noch heute vorhandene Innengliederung. Die jüngsten Restaurierungen für den Museumsbetrieb führten zu weiteren Überformungen, sodass die Innenbereiche nur punktuell geeignete Befunden liefern. NO-, SO- und SW-Turm zeigen im 1. Obergeschoß z. T. bemerkenswerte Gewölbeformen des 16. Jhs., wie ein zellenförmiges Gratgewölbe im SW-Turm. Eine ähnliche Lösung im NO-Turm sitzt auf figuralen Terrakotta-Diensten, im Folgegeschoß ist eine Kaminanlage mit profilierten Konsolen als Rest der wohnlichen Ausstattung des 16. Jhs. erhalten. Das westlich angegliederte "Neue Schloss", das im Kern aus dem späten 17. Jh. stammt, ist heute restauriert und für private Wohneinheiten adaptiert. Die noch heute den Zugang vermittelnde Anlage wurde Ende d. 18. Jhs. verändert, in dieser Zeit wurde auch der Schlossumbau mit dem Abbruch des S-Traktes durchgeführt.
Der Gesamtkomplex ist von einem heute trockengelegten, relativ breiten Graben umgeben, der möglicherweise auf die hochmittelalterliche Situation zurückgeht. Gegenüber des östl. Grabens liegt die Pfarrkirche Hl. Michael, ein im Kern aus dem späten 15. stammender, 1568 durchgreifend erneuerter Bau. Entsprechende Grabenanlagen umschlossen wohl auch die Kirche, der von Kafka eine Wehrfunktion zugesprochen wurde. Am Kirchturm erhaltene, für leichte Feuerwaffen konzipierte Trichterscharten legen eine bedingte Wehrhaftigkeit nahe. Die Gesamtsituation lässt für das Hochmittelalter eine ehem. "Burg-Kirchen-Anlage" vermuten.
Im "Alten Schloss" waren bis vor kurzem mehrere Museen, darunter das Donau- und Fischereimuseum und das Heimatmuseum der Gemeinde Orth eingerichtet. Derzeit (2004) finden Sanierungs- und Umbaumaßnahmen für die Einrichtung von Verwaltungs- und Präsentationsräumen der Nationalparkverwaltung "Donau-Auen" sowie einem Veranstaltungszentrum der MG Orth statt. (G.R.)

Arch-Untersuchung/Funde:

2004 baubegleitende archäologische Untersuchungen durch das Bundesdenkmalamt (Nikolaus Hofer).